Dodge Challenger R/T
Es gibt definitiv auch Zeiten im Leben, da muss man mal da hin, wo das Fleisch und der Sprit billig sind. Hier war es mein zweiter Trip in die USA, genauer nach Florida. Und; wir wollten einen Dodge, nicht den Al Bundy Dodge...
Was denn?
Dodge Challenger R/T. In Miami angekommen, haben wir als Erstes den Tresen von der Mietwagenfirma angesteuert, Hunger und Durst waren grade nebensächlich. Selbstverständlich wurde uns gleich ein Upgrade angeboten, auf einen Porsche Boxster. S!. Cabrio. Wir haben dankend verzichtet, da wir einerseits zu dritt mit Gepäck waren, andererseits weil das "Flair" des Porsche doch nicht so ganz unser Ding war. Nach der Bürokratie dann ab ins Parkhaus, dort stand er schon, in knalligem Hemi-Orange, bereit zu der einen oder anderen Schandtat ;-).
Kurz um's Auto gelaufen, Schäden gecheckt, festgestellt, dass die Bereifung auf der Hinterachse schon so manchen Ausrutscher auf dem Gas hinter sich hat. Hätte mich aber auch gewundert, wenn nicht. Standesgemässer Antrieb; 5.7L Hemi V8 mit 376PS bei 5200 U/min und 543Nm bei 4400 U/min, 5-Gang Automatik
Ausstattung:
Leder, Tempomat, Sitzheizung, elektr. Sitze, Fernstart (wie geil!), unterhaltsames Nachrüstnavi vom Vermieter inkl. regelmässigen Werbe-SMS, Klima, Schiebedach, Zylinderabschaltung.
Laufleistung
22TSD Meilen bei Übernahme
Wie weit?
ca. 2500 Meilen
Handbuch gelesen?
Ja, wir haben tatsächlich mal reingeschaut, hauptsächlich um herauszufinden, wo man die Zylinderabschaltung abschaltet und damit alle Zylinder einschaltet, also quasi die Zylindereinschaltung.
Erster Eindruck
Fett. Innen und aussen, einfach alles. Sitze, Lenkrad, Wählhebel, alles erscheint einfach einen Nummer grösser als für europäische Verhältnisse gewohnt. Der Eindruck verliert sich dann aber im amerikanischen Strassenverkehr, hier erscheint er fast schon kompakt und wendig. Eben, halt alles ein wenig grösser hier...
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP, Traktionskontrolle, Eco-Modus (nur die Hälfte der Mannschaft ist im Triebwerk versammelt, was ein Scheiss...)
Innenraum
Joa, man hat schon ein wenig das Gefühl, dass hier nicht alles auf bedingungslose Langlebigkeit getrimmt worden ist, alles etwas grobschlächtig, viel hartes Plastik, dafür weiches Leder. Aber, bei dem Auto hat nix geklappert, geknirscht oder sonst irgendwelche Geräusche gemacht, alles erschien relativ solide. Und auch wenn, die Geräuschkulisse des V8 hätte es in Vergessenheit geraten lassen. Die Sitze können als straff bezeichnet werden und geben Halt, keine Schraubstocksitze, aber auch kein Sofa aus nem alten Cadillac. Und überhaupt, Platz ohne Ende! Wirklich, ein zweitüriges Coupé und man hat zu dritt inkl. dem jeweiligem Gepäck für zwei Wochen im Kofferraum massig Platz, hinten wie vorne. Der Beifahrerfussraum ist riesig, hier könnte man locker noch einem mittelgrossen Hund ein schönes Heim geben. Und fährt man den Sitz so weit nach vorne, bis man gerade noch die Beine strecken kann, kann man auf der Rücksitzbank auch schon fast ein Picknick inkl. Grill veranstalten. Aber eigentlich fast klar, misst der Schlitten doch 502cm in der Länge. Als Vergleich, die aktuelle S-Klasse ist nur 20cm länger, ein 7ner Golf ist 70cm kürzer.
Die ersten Kilometer
Ich habe mich nach dem langen Flug geopfert für die erste Fahrt zum Hotel. Wobei sich das Opfern in Grenzen hielt, es gibt durchaus Schlimmeres, als sich in der rötlich geschwängerten Abenddämmerung mit einem Hemi in den Verkehr in Miami einzureihen und gemütlich nach Miami Beach zu cruisen. Und man fällt mit dem orangen Tanker nicht mal wirklich auf, ein Bugatti Veyron, chromberäderte Bentleys, böse Porsches, viele Ferraris, den einen oder andere AMG. Je näher wir an Miami Beach herankommen, desto höher wird die Exotendichte und desto unexotischer wirkt der Dodge. Aber das ist ziemlich egal, recht schnell stellt sich die Erkenntnis ein, dass wir uns das richtige Auto ausgesucht haben. Die Klimaanlage hat Power, der Drehmomentberg in der Front vermittelt zügiges Vorankommen, sofern man denn will. Die bunten Lichter, die Geräuschkulisse, eine gelegentliche Meeresbrise und die schönen Seiten von Miami laden eher zum Schleichen als zum Hetzen ein. Klima aus, Fenster runter, tief durchatmen.
Nach 10 Kilometern
Die ersten Meilen im Land der Freiheit verlaufen ohne grössere Überraschungen, wir haben uns in dem Schiff schnell wohlgefühlt und man findet sich im Dodge schnell zurecht, alles ist da wo es hingehört. Und ich mich auch, hinterm Lenkrad. Erstmal heil nach Miami Beach. Lenkung ist etwas pampig, trotzdem gutes Fahrgefühl von Anfang an. Für die Strassen hier ideal.
Multimediaplunder
Wurde ausgiebig getestet mit nem alten iPod, Bluetooth, Satelitenradio. Auch hier, Fett. Kein Vergleich zu dem Serienbrei, welcher in den mittelklassigen Europäern verbaut wird. Nichts scheppert, nichts verzerrt, alles funktioniert einwandfrei und relativ einfach. Bei dem Auto aber fast schon nebensächlich.
Die Fahrt
Es wurden dann so ca. 2500 Meilen, quer und längs durch Florida, begleitet von dem angenehmen Grummeln des Hemis, der ideale Soundtrack für die vielen Eindrücke, an jeder Ecke irgendein Fressladen, davor viele PickUps, riesige Trucks, das für mich angenehme Klima im Sunshine State. Dazwischen meist alles geradeaus, viel Vegetation, ungleich viele Laufflächen von runderneuerten Billigreifen in den Strassengräben. Bei der Reifenqualität sind die Amis wohl ziemlich schmerzfrei.
Die Lautstärkeregelung des V8's hat uns wahnsinnig gut gefallen, lässt sich doch der Lärmpegel mit dem rechten Fuss recht gut steuern und die Fünfgangautomatik wechselt die Gänge einigermassen zügig. Und schickt man die elektronischen Fesseln mal kurz aus dem Zimmer, zeigt der Challenger, dass seine Musclecar-Gene nicht weichgezeichnet wurden. Nöp, das hier ist keine der üblichen Retrokutschen mit viel Schminke und Botox.
Spass haben kann man mit dem Challenger vor allem in den USA eine Menge, solange man keine Cops aufweckt. Apropos Cops:
Drüben nennt man es Burnouts, bei uns heisst so das "Nichtbeherrschen des Fahrzeuges" und endet oft mit dem Entzug der Fahrerlaubnis plus einer Menge unnötigem Porto. Man sieht das bei den Amis nicht so eng, Burnouts macht man gerne und öfters auch auf Anforderung der Meute. Dann wird er laut, ungezogen und hinterlässt dort seine Reviermarke, wo man ihn das sein lässt was er ist; Ein dickes, spritvernichtendes, reifenfressendes und politisch unkorrektes Biest in Hemi-Orange. Die Zylinderabschaltung ist vermutlich ein Eingeständnis an die Prius-Fraktion, wir haben den Mist abgeschaltet. Warum? Weil der Motor auf vier Töpfen vibriert und weil wir nicht so weit geflogen sind um Sprit zu sparen.
Aber man muss ja nicht immer der Schnellste sein. Das will man mit dem Dodge irgendwie auch nicht, zu schwer, das Fahrwerk ist zu komfortabel ausgelegt, die Automatik erwürgt das Verlangen nach flinken Fahrmanövern mit Vehemenz. Man will einfach keine Kurven hetzen, das ist auch nicht die Welt des Challengers. Dem Musclecargedanken gerecht werdend, ist er auf der Geraden schnell und verabschiedet sich mit viel Tamtam vom Start, nicht ohne Unterschrift im Asphalt. Trotzdem, in erster Linie ist seine Schokoladenseite eher die eines Gran Turismo, Langstrecken gehen entspannt und ruhig von der Hand. Das Fahren empfinde ich in USA generell als viel entspannter als hier in Europa und man merkt, für welchen Zielmarkt der Challenger entwickelt wurde. Man fährt wo man will, lässt sich vom Verkehr mitziehen, hat die Augen offen, überholt links oder rechts, biegt an roten Ampeln rechts ab, keiner scheint hier wirkich in Eile zu sein. Und im Dodge war es trotz der sportlichen Attribute des Dicken nie wirklich der Fall, dass wir durchgehend das Bedürfnis hatten, die geltenden Speed Limits zu überschreiten. Das war aber nur im fliessenden Verkehr so, wir wurden an so mancher roten Ampel durch hupen, winken, schreien oder wildem Gestikulieren aufgefordert, ordentlich die Socken qualmen zu lassen. Und wären wir jedesmal drauf eingegangen, wir hätten wohl doch schon nach zwei Tagen neue Reifen holen müssen. Die Amis haben echt eine für Europäer ungewohnte Einstellung zu übermotorisierten Autos. Wird man in den heimatlichen Gefilden fast schon geteert und gefedert, wenn man solch ein Auto fährt, hauen die Amis den Daumen hoch. Bei jedem Tankstop oder kurzen Halt zur Verpflegung kamen aus dem Nichts Leute, fingen an über den Dodge zu schwärmen, beglückwünschten uns zu unserer Wahl. Oder im Falle einer älteren Dame im roten Jetta, welche mir mit wohlwollendem Schulterklopfen ihre Zuneigung zu dem orangen Dodge vermittelt hat und danach für sicher 100 Meilen unsere Flügelfrau war. Die war dann doch etwas schräg...
Der "kleine" Hemi ist ein angenehmer Zeitgenosse. Fast unhörbar beim normalen Fahren, überraschend laut und mit einem etwas angepissten Unterton unter Vollast, sehr geil. Wobei, Vollast bei dem Auto so eine Sache war. Weniger wegen dem dicken Drehmoment und der trotzdem überraschenden Gier nach Drehzahlen. Nein, es war mehr die Kombo zwischen besagtem Drehmoment, Reifen kurz vor der Rente und den teils ziemlich üblen Fahrbahnbelägen in Florida. Ein kurzer Zwischensprint von 50 zu 70 Meilen/h fand seinen Höhepunkt mit durchdrehenden Rädern und einem plötzlich recht lebendigen Heck. Trotzdem, dass alle elektronischen Besserwisser am Start waren. Lustiges Spiel, wenn man darauf gefasst ist, liess sich beliebig oft wiederholen :-D.
Die nackten Zahlen des Dodge werden den einen oder anderen erschrecken (Länge 502cm, Breite 193cm ohne Spiegel, 1850kg Leergewicht). In den USA mag das alles Durchschnitt sein, für unsere Verhältnisse wird das plötzlich zum Problem. Parklücken, Waschanlagen, Einfamilienhausgaragen, das kann schon recht eng werden. Dazu kommt erschwerend, das der Challenger so übersichtlich ist wie ein Flugzeugträger bei Nacht. Die lange Haube geht ja noch, aber das Heck liegt im Nebel des Nichtwissens. Hinter dem Auto könnten zwei ausgewachsene Braunbären einen Walzer tanzen, man würde es nicht mitkriegen. Allerdings, das ist ein einzelner dicker Malus innerhalb der Alltagstauglichkeit, der kann sonst fast alles was andere Autos auch können. So wurde dann auch noch die Beladungsfähigkeit ausserhalb der Norm
ausgiebig getestet, Sitze runtergeklappt, eine komplette zweiflutige Auspuffanlage und sonst noch ein paar lustige Teile im Auto verstaut und für gut befunden. Jedes Auto, welches so problemlos eine Menge Stahlrohre und drei Passagiere plus Gepäck schluckt, kann man als geräumig bezeichnen. Und ja, man kriegt fürs Wochenende auch eine Menge Bier in den Kofferraum rein. Und der Stahltransport war für diesen bösen Buben, damit er die hiesige Alpenluft möglichst ungebremst wieder hinten auch wieder rausballern kann:
Fazit
Spektakulär! Wer einen Trip in die USA mit ordentlichem Meilenfressen plant kann hier absolut nix falsch machen. Das Auto ist standesgemäss motorisiert, für die Langstrecke gut ausgestattet und macht wirklich(!) unheimlich Bock auf's Fahren. Ober Cruisen oder wüten, der Challanger mit V8 kann beides sehr gut. Wer Bock auf spontane Kontakte und Benzingespräche an der Tanke hat, los geht's. Bei dem Wort Tanke; leider kann ich keine Angaben über den Verbrauch machen, das hat uns nämlich nicht die Bohne interessiert. Aber man kann davon ausgehen, dass er schon ordentlich etwas geschluckt hat, wer Spritsparen will sollte sich etwas anderes anlachen. Für die hiesigen Gefilde muss man sich bewusst sein, der Challanger ist 70cm länger als ein Golf, recht breit, unübersichtlich und der Hass der Baumumarmer wird grenzenlos sein. Aber; wer auffallen will und neue Freunde bei der Tanke und beim Reifenhändler sucht, der liegt mit dem "kleinen" Hemi genau richtig. Ich bin den grösseren SRT nicht gefahren, aber ich schätze das wird dasselbe sein, einfach mit dem Regler auf der 10 anstatt auf 8. Beim grösseren wird der Hafer einfach noch etwas mehr stechen.
Kaufen?
Kriegt man das Ding mit Garantie und einem einigermassen dichten Händlernetz irgendwo her? Dann kann man sich die Preise anschauen, vom Eye- und Earcatcher-Faktor her ist man wohl auf einer Linie mit den dicken Porsches, AMG's und M's. Allerdings wird eine Menge weniger Holz auf den Tresen legen und dennoch nicht auf eine gewisse Alltagstauglichkeit verzichten müssen. Geiles Gerät, geiler Dodsch!
Sohn! Mach Daddy stolz!
(Morgens um vier im lokalen TV)
Was denn?
Dodge Challenger R/T. In Miami angekommen, haben wir als Erstes den Tresen von der Mietwagenfirma angesteuert, Hunger und Durst waren grade nebensächlich. Selbstverständlich wurde uns gleich ein Upgrade angeboten, auf einen Porsche Boxster. S!. Cabrio. Wir haben dankend verzichtet, da wir einerseits zu dritt mit Gepäck waren, andererseits weil das "Flair" des Porsche doch nicht so ganz unser Ding war. Nach der Bürokratie dann ab ins Parkhaus, dort stand er schon, in knalligem Hemi-Orange, bereit zu der einen oder anderen Schandtat ;-).
Kurz um's Auto gelaufen, Schäden gecheckt, festgestellt, dass die Bereifung auf der Hinterachse schon so manchen Ausrutscher auf dem Gas hinter sich hat. Hätte mich aber auch gewundert, wenn nicht. Standesgemässer Antrieb; 5.7L Hemi V8 mit 376PS bei 5200 U/min und 543Nm bei 4400 U/min, 5-Gang Automatik
Ausstattung:
Leder, Tempomat, Sitzheizung, elektr. Sitze, Fernstart (wie geil!), unterhaltsames Nachrüstnavi vom Vermieter inkl. regelmässigen Werbe-SMS, Klima, Schiebedach, Zylinderabschaltung.
Laufleistung
22TSD Meilen bei Übernahme
Wie weit?
ca. 2500 Meilen
Handbuch gelesen?
Ja, wir haben tatsächlich mal reingeschaut, hauptsächlich um herauszufinden, wo man die Zylinderabschaltung abschaltet und damit alle Zylinder einschaltet, also quasi die Zylindereinschaltung.
Erster Eindruck
Fett. Innen und aussen, einfach alles. Sitze, Lenkrad, Wählhebel, alles erscheint einfach einen Nummer grösser als für europäische Verhältnisse gewohnt. Der Eindruck verliert sich dann aber im amerikanischen Strassenverkehr, hier erscheint er fast schon kompakt und wendig. Eben, halt alles ein wenig grösser hier...
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP, Traktionskontrolle, Eco-Modus (nur die Hälfte der Mannschaft ist im Triebwerk versammelt, was ein Scheiss...)
Innenraum
Joa, man hat schon ein wenig das Gefühl, dass hier nicht alles auf bedingungslose Langlebigkeit getrimmt worden ist, alles etwas grobschlächtig, viel hartes Plastik, dafür weiches Leder. Aber, bei dem Auto hat nix geklappert, geknirscht oder sonst irgendwelche Geräusche gemacht, alles erschien relativ solide. Und auch wenn, die Geräuschkulisse des V8 hätte es in Vergessenheit geraten lassen. Die Sitze können als straff bezeichnet werden und geben Halt, keine Schraubstocksitze, aber auch kein Sofa aus nem alten Cadillac. Und überhaupt, Platz ohne Ende! Wirklich, ein zweitüriges Coupé und man hat zu dritt inkl. dem jeweiligem Gepäck für zwei Wochen im Kofferraum massig Platz, hinten wie vorne. Der Beifahrerfussraum ist riesig, hier könnte man locker noch einem mittelgrossen Hund ein schönes Heim geben. Und fährt man den Sitz so weit nach vorne, bis man gerade noch die Beine strecken kann, kann man auf der Rücksitzbank auch schon fast ein Picknick inkl. Grill veranstalten. Aber eigentlich fast klar, misst der Schlitten doch 502cm in der Länge. Als Vergleich, die aktuelle S-Klasse ist nur 20cm länger, ein 7ner Golf ist 70cm kürzer.
Die ersten Kilometer
Ich habe mich nach dem langen Flug geopfert für die erste Fahrt zum Hotel. Wobei sich das Opfern in Grenzen hielt, es gibt durchaus Schlimmeres, als sich in der rötlich geschwängerten Abenddämmerung mit einem Hemi in den Verkehr in Miami einzureihen und gemütlich nach Miami Beach zu cruisen. Und man fällt mit dem orangen Tanker nicht mal wirklich auf, ein Bugatti Veyron, chromberäderte Bentleys, böse Porsches, viele Ferraris, den einen oder andere AMG. Je näher wir an Miami Beach herankommen, desto höher wird die Exotendichte und desto unexotischer wirkt der Dodge. Aber das ist ziemlich egal, recht schnell stellt sich die Erkenntnis ein, dass wir uns das richtige Auto ausgesucht haben. Die Klimaanlage hat Power, der Drehmomentberg in der Front vermittelt zügiges Vorankommen, sofern man denn will. Die bunten Lichter, die Geräuschkulisse, eine gelegentliche Meeresbrise und die schönen Seiten von Miami laden eher zum Schleichen als zum Hetzen ein. Klima aus, Fenster runter, tief durchatmen.
Nach 10 Kilometern
Die ersten Meilen im Land der Freiheit verlaufen ohne grössere Überraschungen, wir haben uns in dem Schiff schnell wohlgefühlt und man findet sich im Dodge schnell zurecht, alles ist da wo es hingehört. Und ich mich auch, hinterm Lenkrad. Erstmal heil nach Miami Beach. Lenkung ist etwas pampig, trotzdem gutes Fahrgefühl von Anfang an. Für die Strassen hier ideal.
Multimediaplunder
Wurde ausgiebig getestet mit nem alten iPod, Bluetooth, Satelitenradio. Auch hier, Fett. Kein Vergleich zu dem Serienbrei, welcher in den mittelklassigen Europäern verbaut wird. Nichts scheppert, nichts verzerrt, alles funktioniert einwandfrei und relativ einfach. Bei dem Auto aber fast schon nebensächlich.
Die Fahrt
Es wurden dann so ca. 2500 Meilen, quer und längs durch Florida, begleitet von dem angenehmen Grummeln des Hemis, der ideale Soundtrack für die vielen Eindrücke, an jeder Ecke irgendein Fressladen, davor viele PickUps, riesige Trucks, das für mich angenehme Klima im Sunshine State. Dazwischen meist alles geradeaus, viel Vegetation, ungleich viele Laufflächen von runderneuerten Billigreifen in den Strassengräben. Bei der Reifenqualität sind die Amis wohl ziemlich schmerzfrei.
Die Lautstärkeregelung des V8's hat uns wahnsinnig gut gefallen, lässt sich doch der Lärmpegel mit dem rechten Fuss recht gut steuern und die Fünfgangautomatik wechselt die Gänge einigermassen zügig. Und schickt man die elektronischen Fesseln mal kurz aus dem Zimmer, zeigt der Challenger, dass seine Musclecar-Gene nicht weichgezeichnet wurden. Nöp, das hier ist keine der üblichen Retrokutschen mit viel Schminke und Botox.
Spass haben kann man mit dem Challenger vor allem in den USA eine Menge, solange man keine Cops aufweckt. Apropos Cops:
Bullenmotor, Bullenreifen, Bullenfahrwerk, Bullenstossdämpfer!
Drüben nennt man es Burnouts, bei uns heisst so das "Nichtbeherrschen des Fahrzeuges" und endet oft mit dem Entzug der Fahrerlaubnis plus einer Menge unnötigem Porto. Man sieht das bei den Amis nicht so eng, Burnouts macht man gerne und öfters auch auf Anforderung der Meute. Dann wird er laut, ungezogen und hinterlässt dort seine Reviermarke, wo man ihn das sein lässt was er ist; Ein dickes, spritvernichtendes, reifenfressendes und politisch unkorrektes Biest in Hemi-Orange. Die Zylinderabschaltung ist vermutlich ein Eingeständnis an die Prius-Fraktion, wir haben den Mist abgeschaltet. Warum? Weil der Motor auf vier Töpfen vibriert und weil wir nicht so weit geflogen sind um Sprit zu sparen.
Macht sich gut in den Sümpfen...
Aber man muss ja nicht immer der Schnellste sein. Das will man mit dem Dodge irgendwie auch nicht, zu schwer, das Fahrwerk ist zu komfortabel ausgelegt, die Automatik erwürgt das Verlangen nach flinken Fahrmanövern mit Vehemenz. Man will einfach keine Kurven hetzen, das ist auch nicht die Welt des Challengers. Dem Musclecargedanken gerecht werdend, ist er auf der Geraden schnell und verabschiedet sich mit viel Tamtam vom Start, nicht ohne Unterschrift im Asphalt. Trotzdem, in erster Linie ist seine Schokoladenseite eher die eines Gran Turismo, Langstrecken gehen entspannt und ruhig von der Hand. Das Fahren empfinde ich in USA generell als viel entspannter als hier in Europa und man merkt, für welchen Zielmarkt der Challenger entwickelt wurde. Man fährt wo man will, lässt sich vom Verkehr mitziehen, hat die Augen offen, überholt links oder rechts, biegt an roten Ampeln rechts ab, keiner scheint hier wirkich in Eile zu sein. Und im Dodge war es trotz der sportlichen Attribute des Dicken nie wirklich der Fall, dass wir durchgehend das Bedürfnis hatten, die geltenden Speed Limits zu überschreiten. Das war aber nur im fliessenden Verkehr so, wir wurden an so mancher roten Ampel durch hupen, winken, schreien oder wildem Gestikulieren aufgefordert, ordentlich die Socken qualmen zu lassen. Und wären wir jedesmal drauf eingegangen, wir hätten wohl doch schon nach zwei Tagen neue Reifen holen müssen. Die Amis haben echt eine für Europäer ungewohnte Einstellung zu übermotorisierten Autos. Wird man in den heimatlichen Gefilden fast schon geteert und gefedert, wenn man solch ein Auto fährt, hauen die Amis den Daumen hoch. Bei jedem Tankstop oder kurzen Halt zur Verpflegung kamen aus dem Nichts Leute, fingen an über den Dodge zu schwärmen, beglückwünschten uns zu unserer Wahl. Oder im Falle einer älteren Dame im roten Jetta, welche mir mit wohlwollendem Schulterklopfen ihre Zuneigung zu dem orangen Dodge vermittelt hat und danach für sicher 100 Meilen unsere Flügelfrau war. Die war dann doch etwas schräg...
Opa hat die Haare schön!
Der "kleine" Hemi ist ein angenehmer Zeitgenosse. Fast unhörbar beim normalen Fahren, überraschend laut und mit einem etwas angepissten Unterton unter Vollast, sehr geil. Wobei, Vollast bei dem Auto so eine Sache war. Weniger wegen dem dicken Drehmoment und der trotzdem überraschenden Gier nach Drehzahlen. Nein, es war mehr die Kombo zwischen besagtem Drehmoment, Reifen kurz vor der Rente und den teils ziemlich üblen Fahrbahnbelägen in Florida. Ein kurzer Zwischensprint von 50 zu 70 Meilen/h fand seinen Höhepunkt mit durchdrehenden Rädern und einem plötzlich recht lebendigen Heck. Trotzdem, dass alle elektronischen Besserwisser am Start waren. Lustiges Spiel, wenn man darauf gefasst ist, liess sich beliebig oft wiederholen :-D.
Die nackten Zahlen des Dodge werden den einen oder anderen erschrecken (Länge 502cm, Breite 193cm ohne Spiegel, 1850kg Leergewicht). In den USA mag das alles Durchschnitt sein, für unsere Verhältnisse wird das plötzlich zum Problem. Parklücken, Waschanlagen, Einfamilienhausgaragen, das kann schon recht eng werden. Dazu kommt erschwerend, das der Challenger so übersichtlich ist wie ein Flugzeugträger bei Nacht. Die lange Haube geht ja noch, aber das Heck liegt im Nebel des Nichtwissens. Hinter dem Auto könnten zwei ausgewachsene Braunbären einen Walzer tanzen, man würde es nicht mitkriegen. Allerdings, das ist ein einzelner dicker Malus innerhalb der Alltagstauglichkeit, der kann sonst fast alles was andere Autos auch können. So wurde dann auch noch die Beladungsfähigkeit ausserhalb der Norm
ausgiebig getestet, Sitze runtergeklappt, eine komplette zweiflutige Auspuffanlage und sonst noch ein paar lustige Teile im Auto verstaut und für gut befunden. Jedes Auto, welches so problemlos eine Menge Stahlrohre und drei Passagiere plus Gepäck schluckt, kann man als geräumig bezeichnen. Und ja, man kriegt fürs Wochenende auch eine Menge Bier in den Kofferraum rein. Und der Stahltransport war für diesen bösen Buben, damit er die hiesige Alpenluft möglichst ungebremst wieder hinten auch wieder rausballern kann:
Monster.
Der kleine Heizlüfter hier hatte leider keinen Platz mehr.
Fazit
Spektakulär! Wer einen Trip in die USA mit ordentlichem Meilenfressen plant kann hier absolut nix falsch machen. Das Auto ist standesgemäss motorisiert, für die Langstrecke gut ausgestattet und macht wirklich(!) unheimlich Bock auf's Fahren. Ober Cruisen oder wüten, der Challanger mit V8 kann beides sehr gut. Wer Bock auf spontane Kontakte und Benzingespräche an der Tanke hat, los geht's. Bei dem Wort Tanke; leider kann ich keine Angaben über den Verbrauch machen, das hat uns nämlich nicht die Bohne interessiert. Aber man kann davon ausgehen, dass er schon ordentlich etwas geschluckt hat, wer Spritsparen will sollte sich etwas anderes anlachen. Für die hiesigen Gefilde muss man sich bewusst sein, der Challanger ist 70cm länger als ein Golf, recht breit, unübersichtlich und der Hass der Baumumarmer wird grenzenlos sein. Aber; wer auffallen will und neue Freunde bei der Tanke und beim Reifenhändler sucht, der liegt mit dem "kleinen" Hemi genau richtig. Ich bin den grösseren SRT nicht gefahren, aber ich schätze das wird dasselbe sein, einfach mit dem Regler auf der 10 anstatt auf 8. Beim grösseren wird der Hafer einfach noch etwas mehr stechen.
Kaufen?
Kriegt man das Ding mit Garantie und einem einigermassen dichten Händlernetz irgendwo her? Dann kann man sich die Preise anschauen, vom Eye- und Earcatcher-Faktor her ist man wohl auf einer Linie mit den dicken Porsches, AMG's und M's. Allerdings wird eine Menge weniger Holz auf den Tresen legen und dennoch nicht auf eine gewisse Alltagstauglichkeit verzichten müssen. Geiles Gerät, geiler Dodsch!
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