Volkswagen Tiguan 2.0TDI "design"
Vorwort
Was denn?
Ein VW Tiguan 2.0TDi mit 140PS und DSG in der Sonderausstattung "design". Von "design" habe ich ausser im Innenraum nicht viel bemerkt, diese Schachtel sieht immer noch aus als ob ein Golf einen Tuareg gepimpert hätte, nicht gerade eine Ausgeburt der Kreativität. (sorry für die miesen Fotos, aber mein Handy hatte an dem Abend wohl eine Vorahnung auf den baldigen Tod und röchelte die Bilder nur noch unmotiviert in den Speicher rein)
Laufleistung
23'500km.
Wie weit?
ca. 140km.
Handbuch gelesen?
Ne.
Erster Eindruck
Wieso ist der Hintern soviel höher als die Front? Diese Optik mag gut aussehen bei einem rotzigen 1935er RatRod, aber bei einem Pseudoffroader? Nein, das lässt den Kleinen eher etwas unbeholfen dastehen. Aber hey, es ist kein Polo mit Dreizylinder Saugmotor. Yay.
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP, dynamisches Kurvenlicht.
Innenraum
Schick. Gut geformte, mit Kuhhaut bezogene Sitze, vollelektrisch verstellbar. Durch die eher höhere Sitzposition findet man sich schnell zurecht und die logisch angeordneten Schalter und Bedienelemente erübrigen einen Blick ins Handbuch. Die Armaturen sind gut ablesbar und angenehm beleuchtet. Ich musste dann aber doch noch einen Zwischenstop einlegen, da die Fussraumbeleuchtung auf die höchste Stufe "Flutlicht Fussballstadion" eingestellt war. Mir taten da irgendwann die Augen weh und so schöne Schuhe habe ich nicht, als dass diese im Rampenlicht stehen mussten.
Ansonsten vertrautes VW-Innenleben mit den bekannten Materialien und Kunststoffen. Haptik und Optik ist einwandfrei, Ablagen und Stauraum sind genügend vorhanden, man kann hier durchaus eine Menge Krimskrams im ganzen Auto verteilen, praktisch.
Auf der Rücksitzbank ist ebenfalls genügend Freiraum vorhanden. Überhaupt ist der Innenraum vor allem in der Höhe recht grosszügig bemessen. So konnte ich nach der Sitzprobe hinten unbeabsichtigt die Funktionsweise der Kindersicherung in den hinteren Türen gleich auch noch testen und im Anschluss an diese Erkenntnis eine ausgiebige Kletterpartie von hinten nach vorne durchführen. Wäre in einem Passat nicht so "komfortabel" gegangen. Danke nochmal an denjenigen, der die Kindersicherung reingehauen hat!
Die ersten Kilometer
Drehmomentstarker Diesel und das DSG, eigentlich eine gute Combo. Nur; Spass macht mir das kaum. Die Fahrwerksabstimmung erschien mir etwas arg straff, aber das ist wohl der Preis dafür, dass man einem höhergelegten Hatchback die Fahreigenschaften eines GTI's antrainieren wollte. Irgendwie passt das alles nicht so recht zusammen.
Nach 10 Kilometern
Was zum Geier ist eigentlich mit dem Licht los? Die sonst so guten Xenonlaternen funzeln die linke Strassenseite bzw. die linke Leitplanke zwar perfekt aus, aber leider sehe ich so gut wie nichts vor und rechts vom Auto. Ich vermute als erstes einen Defekt bei der Kurvenlichtschaltung, soll ja schon vorgekommen sein. Da die Fussraumbeleuchtung sowieso viel zu hell eingestellt war, fahre ich bei einer Raststätte raus und fange mal an, mich durch die Menüs in der MFA zu wühlen. Das Problem mit den hell erleuchteten Fussmatten habe ich schnell gelöst, aber das mit dem komischen Licht brauchte seine Zeit und siehe da, per Zufall finde ich eine Einstellung "Reisemodus". Nicht dass ich da einen Zusammenhang mit dem linkslastigen Licht vermutet hätte, aber ich hab da aus Neugier einfach mal draufgehauen und siehe da, der Lichtkegel schwenkt in die Mitte, wo er hingehört. Zum Glück ist der Innenraum im Tiguan so gross, sonst hätten die vielen Fragezeichen, welche um meinen Kopf herumschwirrten keinen Platz gehabt und womöglich den selber abblendenden Innenspiegel abgerissen, das erklär mal einem Vermieter; "Ich hab nur den Reisemodus abgeschaltet und dann ist der Innenspiegel einfach abgefallen." "Aha.". Aber ok, "Reisemodus" = Licht auf der linken Seite, gespeichert.
Multimediaplunder
Radio/Navigation RNS 510 und Serienbeschallung, klanglich kein Reisser, aber ok. Gute Bedienbarkeit des Touchscreen-Navis, allerdings bietet das Bluetooth Audio nur die minimale Ausstattung, das Ding macht Musik ab Handy, aber Titelweiterschaltung über die Lenkradtasten oder Coveranzeige gibt's nicht. Schade. Aber ansonsten kann das Multimediagerät alles, was heute so Stand der Technik ist, integrierte 30GB HD, MP3, DVD, SD.
Die Fahrt
Der 140PS Diesel macht seinen Job recht unauffällig und das gilt für die Akustik sowie auch für die Leistungsabgabe. Dafür ist auch das DSG Getriebe mitverantwortlich, durch die fehlende Unterbrechung der Zugkraft beim Schalten fühlt sich das Auto beim Beschleunigen richtiggehend synthetisch an. Und das ist der Punkt, wo's bei mir gefährlich wird, vor allem wenn ich schon so lange auf den Beinen bin wie an diesem Tag. Das Auto vermittelt den Eindruck, man solle sich zurücklehnen und die Fahrt geniessen. Das mag generell eine positive Eigenschaft sein, aber leider schüttet mein Hirn bei sowas automatisch Schlafhormone aus und weil sich hier kein Aufmerksamkeitsassistent Sorgen um meine Aufmerksamkeit macht, erwische ich mich, wie ich anfange, mit Schmackes das Lenkrad anzugähnen. Nein, der Tiguan entlockt mir kein Wow, kein Boah und auch kein Ooooh. So gerne wie ich entspannte Autofahrten mag, hier ist mir das eine Portion zuviel von Nichts.
Durchziehen tut der Brenner vorne drin aber gut, gerade auf der Autobahn kann man dank den 320Nm zwischen 1750 und 2500 Umdrehungen Überholvorgänge zügig abwickeln. Das war's dann aber auch mit dem sportlichen Aspekt, ich habe den Eindruck, man wollte dem Tiguan um jeden Preis sportliche Attribute verpassen, aber die Schuhschachtel mit Innenleder wehrte sich mit Erfolg dagegen. Die Lenkung ist bei Innerortsgeschwindigkeiten zwar leichtgängig und nicht unbedingt unangenehm gedämpft, aber bei höheren Tempi scheint das Konstrukt von der Fahrbahn entkoppelt und verschont den Fahrer konsequent mit den allgegenwärtigen Abnutzungserscheinungen der Strassen unserer Zeit. Wenn es darum geht, dem Piloten den einen oder anderen Pfusch der Tiefbauämter über das Lenkrad zu verschweigen, dann macht der Tiguan seine Sache also richtig gut, hier ärgert man sich wenigstens nicht über verschwendete Strassenverkehrssteuern. Natürlich ist der Tiguan kein Sportler, aber dann hätte man ihn wenigstens konsequent auf Komfort trimmen können, anstatt dass man ein deutlich zu straffes Fahrwerk verbaut hätte. So hört man zwar jede Unebenheit, aber spüren tut man gerade in der Lenkung davon irgendwie nix. Nochmal, das passt irgendwie alles nicht zusammen.
Vom dynamischen Kurvenlicht hätte ich etwas mehr erwartet. Im Vergleich zu dem bei Mercedes Benz verbauten ILS hat das System im VW weniger zu bieten. Mir erschien, dass das Schwenken der Scheinwerfer symmetrisch erfolgt, also beide Scheinwerfer schwenken im selben Winkel in die Richtung, in welche man gerade lenkt. Beim ILS scheint hier mehr Intelligenz dahinterzustecken, hier schwenken die Funzeln individuell und leuchten die Fahrbahn effektiver aus. Klar, alles besser so als gar kein Kurvenlicht, aber hier war der Unterschied doch recht deutlich erkennbar und nachdem ich den ominösen "Reisemodus" erstmal stillgelegt hatte war ich schon froh, dass ich überhaupt ein richtig gutes Bi-Xenonlicht vor der Fuhre hatte.
Das Parken war dann auch so eine Sache. Auf der eher kurzen Fahrt konnte ich mich nicht so ganz mit den Abmessungen vertraut machen und da mir dieses Auto nicht ganz so übersichtlich erschien, musste ich wie in alten Zeiten mit geöffneter Fahrertür den Tiguan in den schlecht beleuchteten und vor allem recht engen Parkplatz am Ziel meiner Reise zirkeln. Da sind die Golfs und Polos dieser Welt um einiges übersichtlicher und erscheinen kompakter.
Fazit
Schuhschachteln sind einfach nicht meins, deswegen lasse ich sie auch immer gleich dort, wo ich meine Schuhe kaufe. Ich kann mit den Dingern nix anfangen. Grundsätzlich hat der Tiguan alle positiven Eigenschaften der VW-Familie. Gut verarbeitet, solider Eindruck, einfach bedienbar. Die Fahreigenschaften hinterlassen mich etwas im Zwiespalt, fühlt sich der Tiguan doch an, wie ein etwas strafferer Golf, aber der hohe Schwerpunkt ist nun mal auf physikalischer Ebene nicht wegzudiskutieren und dementsprechend befürchte ich, dass der Tiguan die augenscheinlich guten Fahreigenschaften im Grenzbereich wieder einbüsst. Ich werde den Eindruck nicht los, dass man hier versucht hat, die eierlegende Wollmilchsau auf die Strasse zu bringen, aber man hat ausser Acht gelassen, dass man es einfach nicht allen recht machen kann und sollte. Wäre der Tiguan etwas komfortabler abgestimmt, würde es schon eher zusammenpassen.
Kaufen?
Wer, ich?? Nein. Nicht mein Auto. Wer einen Geländewagen ohne Geländetauglichkeit oder einen unübersichtlichen Hatchback mit emotionslosem Antrieb sucht, ist hier goldrichtig. Wer seine Kids gerne ins Auto hochhebt und dasselbe mit Einkaufstaschen und Fahrrädern macht, hat hier das richtige Auto. Die hohe und ziemlich aufrechte Sitzposition hat was, aber von der Erhabenheit eines Range Rovers oder eines Grand Cherokees ist der Tiguan so weit entfernt wie Adam Sandler von einer Oscarnominierung. Mir fällt hier tatsächlich kein Grund ein, warum man sich einen Tiguan kaufen sollte, fürs Gelände gibts eigentlich zig anderes und für die Strasse ist etwas aus der Golfklasse sicherlich die bessere Wahl, ohne dass man dem Tiguan gegenüber schmerzliche Abstriche machen müsste.
Ich mag diese kleinen SUV's. Nicht. Für mich sind diese zu heiss gewaschenen Offroader weder Fisch noch Vogel. Geländetauglich sind sie trotz massig Bodenfreiheit nur bedingt, es fehlen Sperren, Untersetzungen und die robusten Fahrwerke mit echten Nehmerqualitäten. Auch kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, das ein DSG-Getriebe im Gelände den Fahrer nicht in den sicheren Wahnsinn treibt. Und so langsam zweifle ich an so manchem Hersteller, welcher sein Portfolio mit immer mehr SUV's in allen Grössen und den unmöglichsten Formen spickt, aber dabei seine Wurzeln im Bau von guten Limousinen und Sportlern spürbar vernachlässigt. Gerade auch weil man oft krampfhaft versucht, das geltende Markenimage und die bekannten Tugenden auf die gesamte Modellpallette abzubilden. Meist resultiert das in recht befremdlichen Optiken (BMW X4, X1, MB GLA) und Zwitterwesen ohne wirklichen Nutzwert (Audi RS Q3+Q5, VW Tiguan R, MB GLA 45 AMG), dass man einen SUV wieder tieferlegt und üppig motorisiert, der Sinn dahinter erschliesst sich mir einfach nicht. Aber klar, solange das gekauft wird, wird's auch gebaut, aber ich für mich lasse diesen Trend an mir vorbeiziehen und wart mal auf die ersten Trekker mit Spoiler, 44" Alus auf Niederquerschnittsreifen und 25-Gang DSG.
Was denn?
Ein VW Tiguan 2.0TDi mit 140PS und DSG in der Sonderausstattung "design". Von "design" habe ich ausser im Innenraum nicht viel bemerkt, diese Schachtel sieht immer noch aus als ob ein Golf einen Tuareg gepimpert hätte, nicht gerade eine Ausgeburt der Kreativität. (sorry für die miesen Fotos, aber mein Handy hatte an dem Abend wohl eine Vorahnung auf den baldigen Tod und röchelte die Bilder nur noch unmotiviert in den Speicher rein)
Laufleistung
23'500km.
Wie weit?
ca. 140km.
Handbuch gelesen?
Ne.
Erster Eindruck
Wieso ist der Hintern soviel höher als die Front? Diese Optik mag gut aussehen bei einem rotzigen 1935er RatRod, aber bei einem Pseudoffroader? Nein, das lässt den Kleinen eher etwas unbeholfen dastehen. Aber hey, es ist kein Polo mit Dreizylinder Saugmotor. Yay.
So parkt man einen SUV!
ABS, ESP, dynamisches Kurvenlicht.
Innenraum
Schick. Gut geformte, mit Kuhhaut bezogene Sitze, vollelektrisch verstellbar. Durch die eher höhere Sitzposition findet man sich schnell zurecht und die logisch angeordneten Schalter und Bedienelemente erübrigen einen Blick ins Handbuch. Die Armaturen sind gut ablesbar und angenehm beleuchtet. Ich musste dann aber doch noch einen Zwischenstop einlegen, da die Fussraumbeleuchtung auf die höchste Stufe "Flutlicht Fussballstadion" eingestellt war. Mir taten da irgendwann die Augen weh und so schöne Schuhe habe ich nicht, als dass diese im Rampenlicht stehen mussten.
Ansonsten vertrautes VW-Innenleben mit den bekannten Materialien und Kunststoffen. Haptik und Optik ist einwandfrei, Ablagen und Stauraum sind genügend vorhanden, man kann hier durchaus eine Menge Krimskrams im ganzen Auto verteilen, praktisch.
Auf der Rücksitzbank ist ebenfalls genügend Freiraum vorhanden. Überhaupt ist der Innenraum vor allem in der Höhe recht grosszügig bemessen. So konnte ich nach der Sitzprobe hinten unbeabsichtigt die Funktionsweise der Kindersicherung in den hinteren Türen gleich auch noch testen und im Anschluss an diese Erkenntnis eine ausgiebige Kletterpartie von hinten nach vorne durchführen. Wäre in einem Passat nicht so "komfortabel" gegangen. Danke nochmal an denjenigen, der die Kindersicherung reingehauen hat!
Die ersten Kilometer
Drehmomentstarker Diesel und das DSG, eigentlich eine gute Combo. Nur; Spass macht mir das kaum. Die Fahrwerksabstimmung erschien mir etwas arg straff, aber das ist wohl der Preis dafür, dass man einem höhergelegten Hatchback die Fahreigenschaften eines GTI's antrainieren wollte. Irgendwie passt das alles nicht so recht zusammen.
Nach 10 Kilometern
Was zum Geier ist eigentlich mit dem Licht los? Die sonst so guten Xenonlaternen funzeln die linke Strassenseite bzw. die linke Leitplanke zwar perfekt aus, aber leider sehe ich so gut wie nichts vor und rechts vom Auto. Ich vermute als erstes einen Defekt bei der Kurvenlichtschaltung, soll ja schon vorgekommen sein. Da die Fussraumbeleuchtung sowieso viel zu hell eingestellt war, fahre ich bei einer Raststätte raus und fange mal an, mich durch die Menüs in der MFA zu wühlen. Das Problem mit den hell erleuchteten Fussmatten habe ich schnell gelöst, aber das mit dem komischen Licht brauchte seine Zeit und siehe da, per Zufall finde ich eine Einstellung "Reisemodus". Nicht dass ich da einen Zusammenhang mit dem linkslastigen Licht vermutet hätte, aber ich hab da aus Neugier einfach mal draufgehauen und siehe da, der Lichtkegel schwenkt in die Mitte, wo er hingehört. Zum Glück ist der Innenraum im Tiguan so gross, sonst hätten die vielen Fragezeichen, welche um meinen Kopf herumschwirrten keinen Platz gehabt und womöglich den selber abblendenden Innenspiegel abgerissen, das erklär mal einem Vermieter; "Ich hab nur den Reisemodus abgeschaltet und dann ist der Innenspiegel einfach abgefallen." "Aha.". Aber ok, "Reisemodus" = Licht auf der linken Seite, gespeichert.
Multimediaplunder
Radio/Navigation RNS 510 und Serienbeschallung, klanglich kein Reisser, aber ok. Gute Bedienbarkeit des Touchscreen-Navis, allerdings bietet das Bluetooth Audio nur die minimale Ausstattung, das Ding macht Musik ab Handy, aber Titelweiterschaltung über die Lenkradtasten oder Coveranzeige gibt's nicht. Schade. Aber ansonsten kann das Multimediagerät alles, was heute so Stand der Technik ist, integrierte 30GB HD, MP3, DVD, SD.
Die Fahrt
Der 140PS Diesel macht seinen Job recht unauffällig und das gilt für die Akustik sowie auch für die Leistungsabgabe. Dafür ist auch das DSG Getriebe mitverantwortlich, durch die fehlende Unterbrechung der Zugkraft beim Schalten fühlt sich das Auto beim Beschleunigen richtiggehend synthetisch an. Und das ist der Punkt, wo's bei mir gefährlich wird, vor allem wenn ich schon so lange auf den Beinen bin wie an diesem Tag. Das Auto vermittelt den Eindruck, man solle sich zurücklehnen und die Fahrt geniessen. Das mag generell eine positive Eigenschaft sein, aber leider schüttet mein Hirn bei sowas automatisch Schlafhormone aus und weil sich hier kein Aufmerksamkeitsassistent Sorgen um meine Aufmerksamkeit macht, erwische ich mich, wie ich anfange, mit Schmackes das Lenkrad anzugähnen. Nein, der Tiguan entlockt mir kein Wow, kein Boah und auch kein Ooooh. So gerne wie ich entspannte Autofahrten mag, hier ist mir das eine Portion zuviel von Nichts.
Durchziehen tut der Brenner vorne drin aber gut, gerade auf der Autobahn kann man dank den 320Nm zwischen 1750 und 2500 Umdrehungen Überholvorgänge zügig abwickeln. Das war's dann aber auch mit dem sportlichen Aspekt, ich habe den Eindruck, man wollte dem Tiguan um jeden Preis sportliche Attribute verpassen, aber die Schuhschachtel mit Innenleder wehrte sich mit Erfolg dagegen. Die Lenkung ist bei Innerortsgeschwindigkeiten zwar leichtgängig und nicht unbedingt unangenehm gedämpft, aber bei höheren Tempi scheint das Konstrukt von der Fahrbahn entkoppelt und verschont den Fahrer konsequent mit den allgegenwärtigen Abnutzungserscheinungen der Strassen unserer Zeit. Wenn es darum geht, dem Piloten den einen oder anderen Pfusch der Tiefbauämter über das Lenkrad zu verschweigen, dann macht der Tiguan seine Sache also richtig gut, hier ärgert man sich wenigstens nicht über verschwendete Strassenverkehrssteuern. Natürlich ist der Tiguan kein Sportler, aber dann hätte man ihn wenigstens konsequent auf Komfort trimmen können, anstatt dass man ein deutlich zu straffes Fahrwerk verbaut hätte. So hört man zwar jede Unebenheit, aber spüren tut man gerade in der Lenkung davon irgendwie nix. Nochmal, das passt irgendwie alles nicht zusammen.
Vom dynamischen Kurvenlicht hätte ich etwas mehr erwartet. Im Vergleich zu dem bei Mercedes Benz verbauten ILS hat das System im VW weniger zu bieten. Mir erschien, dass das Schwenken der Scheinwerfer symmetrisch erfolgt, also beide Scheinwerfer schwenken im selben Winkel in die Richtung, in welche man gerade lenkt. Beim ILS scheint hier mehr Intelligenz dahinterzustecken, hier schwenken die Funzeln individuell und leuchten die Fahrbahn effektiver aus. Klar, alles besser so als gar kein Kurvenlicht, aber hier war der Unterschied doch recht deutlich erkennbar und nachdem ich den ominösen "Reisemodus" erstmal stillgelegt hatte war ich schon froh, dass ich überhaupt ein richtig gutes Bi-Xenonlicht vor der Fuhre hatte.
Das Parken war dann auch so eine Sache. Auf der eher kurzen Fahrt konnte ich mich nicht so ganz mit den Abmessungen vertraut machen und da mir dieses Auto nicht ganz so übersichtlich erschien, musste ich wie in alten Zeiten mit geöffneter Fahrertür den Tiguan in den schlecht beleuchteten und vor allem recht engen Parkplatz am Ziel meiner Reise zirkeln. Da sind die Golfs und Polos dieser Welt um einiges übersichtlicher und erscheinen kompakter.
Fazit
Schuhschachteln sind einfach nicht meins, deswegen lasse ich sie auch immer gleich dort, wo ich meine Schuhe kaufe. Ich kann mit den Dingern nix anfangen. Grundsätzlich hat der Tiguan alle positiven Eigenschaften der VW-Familie. Gut verarbeitet, solider Eindruck, einfach bedienbar. Die Fahreigenschaften hinterlassen mich etwas im Zwiespalt, fühlt sich der Tiguan doch an, wie ein etwas strafferer Golf, aber der hohe Schwerpunkt ist nun mal auf physikalischer Ebene nicht wegzudiskutieren und dementsprechend befürchte ich, dass der Tiguan die augenscheinlich guten Fahreigenschaften im Grenzbereich wieder einbüsst. Ich werde den Eindruck nicht los, dass man hier versucht hat, die eierlegende Wollmilchsau auf die Strasse zu bringen, aber man hat ausser Acht gelassen, dass man es einfach nicht allen recht machen kann und sollte. Wäre der Tiguan etwas komfortabler abgestimmt, würde es schon eher zusammenpassen.
Kaufen?
Wer, ich?? Nein. Nicht mein Auto. Wer einen Geländewagen ohne Geländetauglichkeit oder einen unübersichtlichen Hatchback mit emotionslosem Antrieb sucht, ist hier goldrichtig. Wer seine Kids gerne ins Auto hochhebt und dasselbe mit Einkaufstaschen und Fahrrädern macht, hat hier das richtige Auto. Die hohe und ziemlich aufrechte Sitzposition hat was, aber von der Erhabenheit eines Range Rovers oder eines Grand Cherokees ist der Tiguan so weit entfernt wie Adam Sandler von einer Oscarnominierung. Mir fällt hier tatsächlich kein Grund ein, warum man sich einen Tiguan kaufen sollte, fürs Gelände gibts eigentlich zig anderes und für die Strasse ist etwas aus der Golfklasse sicherlich die bessere Wahl, ohne dass man dem Tiguan gegenüber schmerzliche Abstriche machen müsste.
In der Helligkeit regelbare Fussraumbeleuchtung. Was ist eigentlich los mit der Welt?
AntwortenLöschenIch bin total schockiert, wenn ich auf das Innenraumbild schaue :-O Das soll also die allseits so hochgelobte Verarbeitungsqualität von VW sein? Das sieht für mich nach einer billigen und vor allem lieblosen Plastikwüste von vor 10 Jahren aus...urrrrgh. Und sowas für das Geld.
AntwortenLöschenNe, da nehme ich lieber den Dacia Duster der sieht auch nicht viel schlimmer aus.