Hyundai i40cw 1.7 CRDi 5 Star Edition
Vorwort
Ich kann mich noch gut an meine erste Begegnung mit einem koreanischen Auto erinnern. Es war ein Leihwagen und nannte sich Kia Clarus. Da war aber für mich nix clarus, das Auto war gelinde gesagt eine Katastrophe und fuhr sich wie ein Sack voll Nüsse. Der Händler hatte damals sooo geschwärmt, was das für ein tolles Auto sei und ich müsse den einfach mal fahren. Ja, der Clarus hat's dann für viele Jahre als Stellvertreter der koreanischen Autobaukunst bei mir versaut. Von da an schaute ich diese klapprigen Kisten nur noch argwöhnisch an und hatte fast schon Mitleid mit den Fahrern. Da konnten auch die Sephias, die Sportages und die Rios nichts dran ändern, die waren genauso lahm, klapprig und beängstigend schlecht verarbeitet. Aber, das war vor 15+ Jahren, haben die Koreaner mittlerweile etwas dazugelernt? Oder fährt sich der heutige Koreaner immer noch wie ein tiefergelegter Lada Niva?
Was denn?
Ein Hyundai i40cw 1.7 CRDi 5 Star Edition, 136PS und 330Nm gekoppelt an eine 6-Gang Automatik.
Laufleistung
56'400km.
Wie weit?
ca. 50km Überland und Bergstrassen, nix Autobahn.
Handbuch gelesen?
War nicht nötig.
Erster Eindruck
Grosses Auto mit gefälliger Optik. Das Auto kommt recht erwachsen daher und das Design scheint nicht auf einer facegelifteten Kopie von einem Lada zu basieren. Und auch in Korea ist der WirerfindendasLETagfahrlichtneu-Wahn angekommen, die Lichtleiste schwingt sich in Extravaganz um die Leuchteinheiten in den Scheinwerfern. Leider geil.
Ich muss fast schon erleichtert durchatmen, als ich feststelle, dass der Dicke hier nichts mehr gemein hat mit dem klapprigen Clarus von damals. Die Türen fallen satt ins Schloss und klingen nicht wie eine ausgeleierte Backofentür. Feine Sache das.
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP, Traktionskontrolle, das übliche.
Innenraum
Von den Materialien her ist der Koreaner leider noch ein wenig in den 90ern hängengeblieben. Abgesehen von der geschäumten Kunststoff auf der Oberseite des Armaturenbretts wird hier viel hartes Plastik und mein Lieblingskunststöffchen, der Rotz- und Kratzermagnet in Hochglanzoptik verwendet. Man scheint hier ein wenig Kompromisse gemacht zu haben, denn alles was man im täglichen Fahrbetrieb anfassen muss, fühlt sich relativ weich und trotzdem robust an. Geht man aber ein paar Zentimeter weiter links oder rechts tun sich haptische Abgründe auf, alles knarzt und gibt bei Druck nach.
Aber mal abgesehen von der kostenoptimierten Materialauswahl findet sich alles da wo man's sucht, die Bedienbarkeit ist völlig ok, auch ohne das man einen Masterabschluss in IT hat. Das Innenraumdesign ist eher futuristisch, aber nicht ganz so abgespaced wie z.B. beim letzten Honda Civic.
Die Sitze sind für mich top, komplett elektrisch einzustellen und sehr bequem. Und obwohl der i40 kein Sportler ist, haben die Sitze sportlichen Charakter. Hat man sich erstmal alles so zurechtgestellt wie's einem passt, ist auch alles in Griffnähe. Scheint durchdacht.
Und wer sich jetzt über das fehlende Navi wundert, das gibt's entweder gegen Aufpreis oder aber, man holt sich ein günstiges Saugnapfnavi im nächsten Blödmarkt und packt das Ding inkl. Schwanenhals in die Ablage von der Mittelarmlehne. Überhaupt scheinen sich im i40 mehr Ablagefächer zu finden als in der Durchschnittsküche und diese sind auch noch sehr grosszügig dimensioniert. Hier können Meerschweinchen tagelang Verstecken spielen.
Die ersten Kilometer
Ja, Diesel. Aber ok, macht hier sogar Sinn. Ich mag den i40 auch gar nicht hetzen, geschweige denn mit schreiendem Motor um die Ecken prügeln. Der drehmomentstarke Selbstzünder und die Automatik verrichten ihren Job unauffällig und souverän. Erstaunlich ruhig geht es im Innenraum zu und her, abgesehen von einem dieseltypischen Brummeln bei hohen Drehzahlen. Die Automatik erstaunt, schaltet flott und trotzdem butterweich hoch und runter. Was sich mir aber nicht erschlossen hat ist die nicht immer währende Logik beim hochschalten, manchmal verharrt das Getriebe auch beim konstanten dahinrollen für mehrere Sekunden bei ca. 2500-3000 U/min, bevor sie sich dann plötzlich dazu entschliesst, zwei Gänge hochzuschalten und die Drehzahl irgendwo bei ca. 1500 U/min einzupendeln. Die Spritsparer würde das jetzt schreiend auf die Palme treiben.
Nach 10 Kilometern
Immer noch alles paletti, der in gewissen Drehzahlen etwas brummige Diesel verrichtet seine Arbeit unauffällig und hat mit den rund 1600kg Fahrzeuggewicht keine grosse Mühe. Man kommt angenehm voran mit dem Dickschiff aus Südkorea, ich bin angenehm überrascht.
Multimediaplunder
In Korea scheint das Muskhören eher zweitrangig zu sein. Zwar bietet das Radio allerlei Anschlussmöglichkeiten (USB, 3.5mm Klinke,...), aber klingen tut das im Innenraum nicht wirklich überragend. Für die Fahrzeugklasse aber ok, von der Ausstattung wie auch vom Sound.
Wo ich mir aber ein Fragezeichen nicht verkneifen konnte, war das Tamtam beim ausmachen;
Wieso muss denn ein Auto beim ausmachen klingen wie eine japanische Toilette??? Wer entscheidet so etwas??
Die Fahrt
Hab ich euch erwischt, ihr Hyundaier! Ihr habt euch den Ford Mondeo als Referenz ausgesucht. Es lässt sich nicht abstreiten, dass sich die beiden Vertreter der Vertreterautosparte gegenseitig vertreten könnten. Allerdings, man muss schon zugestehen, der Mondeo wäre hier immer noch Chef und der i40 der Stellvertreter. Der i40 fühlt sich in so vielen Aspekten gleich an wie der Ford, einfach alles eine klitzkleine Nummer kleiner. Fährt sich ähnlich ruhig und komfortabel, die Sitze fühlen sich ähnlich an, Übersicht und Sitzposition erinnert an den Mondeo, das Fahrwerk ist ausgeglichen und langstreckentauglich. Das Auto als ganzes scheint sich am selben Durchschnitt zu orientieren, wie es der letzte Mondeo tat.
Wo der i40 aber etwas abstinkt ist bei der Lenkung. Diese ist zwar extrem leichtgängig und soweit auch frei von irgendwelchem Gezerre des Diesels, dafür ist es aber etwas gewöhnungsbedürftig, mit welch hohem Rückstellmoment die Lenkung arbeitet. Sie zieht z.B. nach dem Rechtsabbiegen extrem schnell gerade und teilweise hatte ich schon fast den Eindruck, das Auto zieht nach links. Komischerweise liess sich das aber nicht auf allen Strassen nachvollziehen, auch hier erschliesst sich mir die Logik jener Lenkungsabstimmung nicht so ganz. Könnte es sein, dass sich die Lenkung und die Automatik die Intelligenz an Bord teilen müssen? Mag das Getriebe einfach darum nicht immer hochschalten, weil der Bordrechner immer noch ausknobelt, ob das Auto nun geradeaus oder um eine Ecke gefahren wird? Mir scheint, hier mangelt es ein wenig an der Fähigkeit zum Multitasking, ich hatte da mal die eine oder andere Schrecksekunde deswegen. Aber man gewöhnt sich ja mit der Zeit auch an einen rostigen Morgenstern in der Leiste.
Für's Fahrwerk habe ich letztens eine mir nicht unbekannte Bergstrasse wiederentdeckt. Ich bin da schon ewig nicht mehr hochgefahren und mittlerweile sind da noch zig Schlaglöcher, Flicken und Bodenwellen hinzugekommen. Ja, diese Rumpelpiste gilt ab sofort als feste Referenz. Der i40 ging fast schon unverschämt gelassen da hoch, das Fahrwerk bleibt ruhig, die Automatik schaltet tatsächlich so intelligent, dass immer genug Leistung und Drehmoment zur Verfügung steht. Auch skandalöse Strassenschäden steckt der i40 gelassen weg, auch ohne dass es im Innenraum scheppert wie ein russischer Laster voller Geschirr, der gerade in eine Schlucht stürzt.
Apropos Sport; das ist nicht die Liga des i40. Und liebe Entwickler bei Hyundai, da ändert eine Sporttaste auch nix dran. Vor allem nicht, wenn dabei nur die Kennlinie des Gaspedals verändert wird. Wenn ich mit nem Edding "Adidas" auf einen Wanderschuh kritzle, kann ich damit auch nicht unbedingt einen Marathon laufen. Abgesehen davon, dass ich sowieso nach einem Kilometer keuchend am Boden liegen würde und nach dem zweiten Kilometer in den erstbesten Busch kotze. Das hat aber nix mit Schuhen zu tun, sondern mit meiner eher überschaubaren Fitness. Der i40 ist ein Langstreckenbomber und ich denke, darin ist er richtig gut.
Wo ich noch etwas motzen muss ist bei der Übersichtlichkeit. Die A-Säule ist ziemlich breit geraten und musste mich so einige Male beim Abbiegen aus dem Sitz hieven, um nicht irgendwo einen Radfahrer oder eine mittelgrosse Kuh zu übersehen. Aber vielleicht bin ich auch nur eine bewegungsscheue und faule Sau.
Nachdem ich das Auto gefahren bin habe ich noch etwas in der allwissenden Internetmüllhalde recherchiert, dort finden sich einige sichtlich genervte i40 Besitzer. Manch einer moniert an der klapprigen Innenraumverarbeitung oder auch an Mängeln an der Karosserie. Das mit den Innenraummaterialien ist in meinen Augen in dieser Fahrzeugklasse (und teils auch darüber) üblich und dass z.B. die Lackierung der Stossfänger und den Kotflügeln leicht unterschiedlich ausfällt habe ich auch schon bei so manchem europäischen und asiatischen Fabrikat festgestellt.
Ich konnte nur einen einzigen Mangel feststellen, beim Einlegen des Rückwärtsganges versagte das kleine Lämpchen an der Schaltkulisse. Ich hab dann mal geklopft um zu schauen, ob jemand zu Hause ist und siehe da, das Lämpchen ging an.
Fazit
Der i40 lehnt sich ganz stark an den Europäern an, und da könnte so mancher ins Wanken kommen. Als Komplettpaket ist der grosse Hyundai wirklich klasse, fährt sich angenehm und wenn man über die kleinen Defizite in der Verarbeitung hinwegsieht, kann man nicht abstreiten, dass es sich hier um ein richtig gutes Auto handelt. Praktisch ist er, er hat Platz, ist funktional, die Türen lassen sich sehr weit öffnen und er schluckt nicht nur eine Menge unnützes Zeug aus der Ikea, sondern auch mal eine vom Staat vernachlässigte und ungeliebte Strasse.
Die Koreaner haben definitiv dazugelernt und zweifellos von den Grossen am Markt das eine oder andere abgekuckt, mit einer guten Nase für sinnvolle Lösungen. Wer weiss, wo die in 15 Jahren stehen...
@Kim Jong un
das haste jetzt davon, deine Nachbarn bauen solche Autos und ihr klempnert den Fiat Doblo in Lizenz, den sich keine Sau leisten kann.
Kaufen?
Als ich gehört habe, was der Besitzer für dieses Auto bezahlt hatte, musste ich mal kurz nachfragen; Echt?? Nur so viel? Das scheint mir absolut konkurrenzlos, die versammelte europäische Konkurrenz kostet locker die Hälfte mehr. Dafür kann man auch mal etwas klappriges Plastik und eine Klosymphonie aus Japan in Kauf nehmen. Als Familienbomber wie auch als Kilometerfresser für den Aussendienstler scheint der i40 konzipiert zu sein, wenn dem so wäre, dann hat Hyundai einen ziemlich guten Job gemacht. Aber für den, der einfach nur gerne Auto fährt und dabei Spass hat, für den ist der i40 schlicht das falsche Auto.
Kleiner Tip; es lohnt sich anscheinend, Preise zu vergleichen und die Händler nach Rabatten zu fragen.
Ich kann mich noch gut an meine erste Begegnung mit einem koreanischen Auto erinnern. Es war ein Leihwagen und nannte sich Kia Clarus. Da war aber für mich nix clarus, das Auto war gelinde gesagt eine Katastrophe und fuhr sich wie ein Sack voll Nüsse. Der Händler hatte damals sooo geschwärmt, was das für ein tolles Auto sei und ich müsse den einfach mal fahren. Ja, der Clarus hat's dann für viele Jahre als Stellvertreter der koreanischen Autobaukunst bei mir versaut. Von da an schaute ich diese klapprigen Kisten nur noch argwöhnisch an und hatte fast schon Mitleid mit den Fahrern. Da konnten auch die Sephias, die Sportages und die Rios nichts dran ändern, die waren genauso lahm, klapprig und beängstigend schlecht verarbeitet. Aber, das war vor 15+ Jahren, haben die Koreaner mittlerweile etwas dazugelernt? Oder fährt sich der heutige Koreaner immer noch wie ein tiefergelegter Lada Niva?
Was denn?
Ein Hyundai i40cw 1.7 CRDi 5 Star Edition, 136PS und 330Nm gekoppelt an eine 6-Gang Automatik.
Laufleistung
56'400km.
Wie weit?
ca. 50km Überland und Bergstrassen, nix Autobahn.
Handbuch gelesen?
War nicht nötig.
Erster Eindruck
Grosses Auto mit gefälliger Optik. Das Auto kommt recht erwachsen daher und das Design scheint nicht auf einer facegelifteten Kopie von einem Lada zu basieren. Und auch in Korea ist der WirerfindendasLETagfahrlichtneu-Wahn angekommen, die Lichtleiste schwingt sich in Extravaganz um die Leuchteinheiten in den Scheinwerfern. Leider geil.
LED, Xenon, Nebler, Kurvenlicht, alles da.
Ich muss fast schon erleichtert durchatmen, als ich feststelle, dass der Dicke hier nichts mehr gemein hat mit dem klapprigen Clarus von damals. Die Türen fallen satt ins Schloss und klingen nicht wie eine ausgeleierte Backofentür. Feine Sache das.
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP, Traktionskontrolle, das übliche.
Innenraum
Von den Materialien her ist der Koreaner leider noch ein wenig in den 90ern hängengeblieben. Abgesehen von der geschäumten Kunststoff auf der Oberseite des Armaturenbretts wird hier viel hartes Plastik und mein Lieblingskunststöffchen, der Rotz- und Kratzermagnet in Hochglanzoptik verwendet. Man scheint hier ein wenig Kompromisse gemacht zu haben, denn alles was man im täglichen Fahrbetrieb anfassen muss, fühlt sich relativ weich und trotzdem robust an. Geht man aber ein paar Zentimeter weiter links oder rechts tun sich haptische Abgründe auf, alles knarzt und gibt bei Druck nach.
Aber mal abgesehen von der kostenoptimierten Materialauswahl findet sich alles da wo man's sucht, die Bedienbarkeit ist völlig ok, auch ohne das man einen Masterabschluss in IT hat. Das Innenraumdesign ist eher futuristisch, aber nicht ganz so abgespaced wie z.B. beim letzten Honda Civic.
Und wer sich jetzt über das fehlende Navi wundert, das gibt's entweder gegen Aufpreis oder aber, man holt sich ein günstiges Saugnapfnavi im nächsten Blödmarkt und packt das Ding inkl. Schwanenhals in die Ablage von der Mittelarmlehne. Überhaupt scheinen sich im i40 mehr Ablagefächer zu finden als in der Durchschnittsküche und diese sind auch noch sehr grosszügig dimensioniert. Hier können Meerschweinchen tagelang Verstecken spielen.
Die ersten Kilometer
Ja, Diesel. Aber ok, macht hier sogar Sinn. Ich mag den i40 auch gar nicht hetzen, geschweige denn mit schreiendem Motor um die Ecken prügeln. Der drehmomentstarke Selbstzünder und die Automatik verrichten ihren Job unauffällig und souverän. Erstaunlich ruhig geht es im Innenraum zu und her, abgesehen von einem dieseltypischen Brummeln bei hohen Drehzahlen. Die Automatik erstaunt, schaltet flott und trotzdem butterweich hoch und runter. Was sich mir aber nicht erschlossen hat ist die nicht immer währende Logik beim hochschalten, manchmal verharrt das Getriebe auch beim konstanten dahinrollen für mehrere Sekunden bei ca. 2500-3000 U/min, bevor sie sich dann plötzlich dazu entschliesst, zwei Gänge hochzuschalten und die Drehzahl irgendwo bei ca. 1500 U/min einzupendeln. Die Spritsparer würde das jetzt schreiend auf die Palme treiben.
Nach 10 Kilometern
Immer noch alles paletti, der in gewissen Drehzahlen etwas brummige Diesel verrichtet seine Arbeit unauffällig und hat mit den rund 1600kg Fahrzeuggewicht keine grosse Mühe. Man kommt angenehm voran mit dem Dickschiff aus Südkorea, ich bin angenehm überrascht.
Multimediaplunder
In Korea scheint das Muskhören eher zweitrangig zu sein. Zwar bietet das Radio allerlei Anschlussmöglichkeiten (USB, 3.5mm Klinke,...), aber klingen tut das im Innenraum nicht wirklich überragend. Für die Fahrzeugklasse aber ok, von der Ausstattung wie auch vom Sound.
Wo ich mir aber ein Fragezeichen nicht verkneifen konnte, war das Tamtam beim ausmachen;
Wieso muss denn ein Auto beim ausmachen klingen wie eine japanische Toilette??? Wer entscheidet so etwas??
Die Fahrt
Hab ich euch erwischt, ihr Hyundaier! Ihr habt euch den Ford Mondeo als Referenz ausgesucht. Es lässt sich nicht abstreiten, dass sich die beiden Vertreter der Vertreterautosparte gegenseitig vertreten könnten. Allerdings, man muss schon zugestehen, der Mondeo wäre hier immer noch Chef und der i40 der Stellvertreter. Der i40 fühlt sich in so vielen Aspekten gleich an wie der Ford, einfach alles eine klitzkleine Nummer kleiner. Fährt sich ähnlich ruhig und komfortabel, die Sitze fühlen sich ähnlich an, Übersicht und Sitzposition erinnert an den Mondeo, das Fahrwerk ist ausgeglichen und langstreckentauglich. Das Auto als ganzes scheint sich am selben Durchschnitt zu orientieren, wie es der letzte Mondeo tat.
Wo der i40 aber etwas abstinkt ist bei der Lenkung. Diese ist zwar extrem leichtgängig und soweit auch frei von irgendwelchem Gezerre des Diesels, dafür ist es aber etwas gewöhnungsbedürftig, mit welch hohem Rückstellmoment die Lenkung arbeitet. Sie zieht z.B. nach dem Rechtsabbiegen extrem schnell gerade und teilweise hatte ich schon fast den Eindruck, das Auto zieht nach links. Komischerweise liess sich das aber nicht auf allen Strassen nachvollziehen, auch hier erschliesst sich mir die Logik jener Lenkungsabstimmung nicht so ganz. Könnte es sein, dass sich die Lenkung und die Automatik die Intelligenz an Bord teilen müssen? Mag das Getriebe einfach darum nicht immer hochschalten, weil der Bordrechner immer noch ausknobelt, ob das Auto nun geradeaus oder um eine Ecke gefahren wird? Mir scheint, hier mangelt es ein wenig an der Fähigkeit zum Multitasking, ich hatte da mal die eine oder andere Schrecksekunde deswegen. Aber man gewöhnt sich ja mit der Zeit auch an einen rostigen Morgenstern in der Leiste.
Jungs, das ist kein Mist!
Für's Fahrwerk habe ich letztens eine mir nicht unbekannte Bergstrasse wiederentdeckt. Ich bin da schon ewig nicht mehr hochgefahren und mittlerweile sind da noch zig Schlaglöcher, Flicken und Bodenwellen hinzugekommen. Ja, diese Rumpelpiste gilt ab sofort als feste Referenz. Der i40 ging fast schon unverschämt gelassen da hoch, das Fahrwerk bleibt ruhig, die Automatik schaltet tatsächlich so intelligent, dass immer genug Leistung und Drehmoment zur Verfügung steht. Auch skandalöse Strassenschäden steckt der i40 gelassen weg, auch ohne dass es im Innenraum scheppert wie ein russischer Laster voller Geschirr, der gerade in eine Schlucht stürzt.
Apropos Sport; das ist nicht die Liga des i40. Und liebe Entwickler bei Hyundai, da ändert eine Sporttaste auch nix dran. Vor allem nicht, wenn dabei nur die Kennlinie des Gaspedals verändert wird. Wenn ich mit nem Edding "Adidas" auf einen Wanderschuh kritzle, kann ich damit auch nicht unbedingt einen Marathon laufen. Abgesehen davon, dass ich sowieso nach einem Kilometer keuchend am Boden liegen würde und nach dem zweiten Kilometer in den erstbesten Busch kotze. Das hat aber nix mit Schuhen zu tun, sondern mit meiner eher überschaubaren Fitness. Der i40 ist ein Langstreckenbomber und ich denke, darin ist er richtig gut.
Wo ich noch etwas motzen muss ist bei der Übersichtlichkeit. Die A-Säule ist ziemlich breit geraten und musste mich so einige Male beim Abbiegen aus dem Sitz hieven, um nicht irgendwo einen Radfahrer oder eine mittelgrosse Kuh zu übersehen. Aber vielleicht bin ich auch nur eine bewegungsscheue und faule Sau.
Nachdem ich das Auto gefahren bin habe ich noch etwas in der allwissenden Internetmüllhalde recherchiert, dort finden sich einige sichtlich genervte i40 Besitzer. Manch einer moniert an der klapprigen Innenraumverarbeitung oder auch an Mängeln an der Karosserie. Das mit den Innenraummaterialien ist in meinen Augen in dieser Fahrzeugklasse (und teils auch darüber) üblich und dass z.B. die Lackierung der Stossfänger und den Kotflügeln leicht unterschiedlich ausfällt habe ich auch schon bei so manchem europäischen und asiatischen Fabrikat festgestellt.
Ich konnte nur einen einzigen Mangel feststellen, beim Einlegen des Rückwärtsganges versagte das kleine Lämpchen an der Schaltkulisse. Ich hab dann mal geklopft um zu schauen, ob jemand zu Hause ist und siehe da, das Lämpchen ging an.
Fazit
Der i40 lehnt sich ganz stark an den Europäern an, und da könnte so mancher ins Wanken kommen. Als Komplettpaket ist der grosse Hyundai wirklich klasse, fährt sich angenehm und wenn man über die kleinen Defizite in der Verarbeitung hinwegsieht, kann man nicht abstreiten, dass es sich hier um ein richtig gutes Auto handelt. Praktisch ist er, er hat Platz, ist funktional, die Türen lassen sich sehr weit öffnen und er schluckt nicht nur eine Menge unnützes Zeug aus der Ikea, sondern auch mal eine vom Staat vernachlässigte und ungeliebte Strasse.
Mach auf die Tür, die Tor mach weit...
@Kim Jong un
das haste jetzt davon, deine Nachbarn bauen solche Autos und ihr klempnert den Fiat Doblo in Lizenz, den sich keine Sau leisten kann.
Pyeonghwa Motor ppoggugi. GUGI! Peng!
Kaufen?
Als ich gehört habe, was der Besitzer für dieses Auto bezahlt hatte, musste ich mal kurz nachfragen; Echt?? Nur so viel? Das scheint mir absolut konkurrenzlos, die versammelte europäische Konkurrenz kostet locker die Hälfte mehr. Dafür kann man auch mal etwas klappriges Plastik und eine Klosymphonie aus Japan in Kauf nehmen. Als Familienbomber wie auch als Kilometerfresser für den Aussendienstler scheint der i40 konzipiert zu sein, wenn dem so wäre, dann hat Hyundai einen ziemlich guten Job gemacht. Aber für den, der einfach nur gerne Auto fährt und dabei Spass hat, für den ist der i40 schlicht das falsche Auto.
Kleiner Tip; es lohnt sich anscheinend, Preise zu vergleichen und die Händler nach Rabatten zu fragen.
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