Die Faszination der Maschine - 1. Teil
Vorwort
Was finden Männer (und auch mal Mädels) an Baggern so toll?
Was ist an Supersportwagen so faszinierend?
Wieso jagt der Mensch so gerne Sachen in die Luft?
Warum machen laute Autos mehr Spass wie leise?
Der Mensch (ich bin da keine Ausnahme) ist seit jeher fasziniert von grossen Konstrukten, Maschinen welche für ihren Betrieb entweder eine ungeheure Energie verbrauchen oder im Betrieb eine Menge Energie erzeugen bzw. freisetzen. Doch woher kommt dieses Verlangen nach dem dicken Hebel, dem Gaspedal oder nach dem berühmten roten Knopf?
Das schlagartige Freisetzen von Energie scheint ebenfalls einen gewissen Reiz zu haben, wobei das Drücken eines Lichtschalters jetzt nicht unbedingt im Nacken kribbelt. Aber die Männer, die damals (und leider auch heute noch) einer atomaren Kettenreaktion ihren freien Lauf gelassen haben, hatten wohl doch einen messbaren Adrenalinschub. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass ein solcher Wumms einfach mal emotionslos an einem vorbeigeht. Ein kurzer Atemaussetzer ist da wohl das Mindeste.
Die Bombe und ihre zerstörerische Wirkung ist jetzt nicht 1:1 mit der Faszination zu vergleichen, welche üppig motorisierte Autos oder auch Motorräder schon im Stand ausstrahlen. Aber der Reiz, solch ein Kraftwerk rennen zu lassen, der wird in einem unbestimmten Massstab wohl derselbe sein. Breite Kotflügel, dicke Auspuffrohre, martialische Optik. Dies alles ist in vielen Fällen ein Garant dafür; diese Fuhre hat Leistung und beschleunigt wesentlich besser als der Durchschnitt. Nicht umsonst sieht man auch des Öfteren Leute in grossen Massen um solche automobilen Kraftwerke stehen, meist mit offenen Mündern oder mit einem fast schon kindlichen Grinsen über beide Ohren. Sie können nur erahnen, wozu solch ein Gerät imstande ist und im Kopf stellt sich so manchem die Frage; wie das wohl ist, wenn man da Vollgas gibt? Bei der Supra oben hätt ich mich jedenfalls schwer getäuscht, jedenfalls bis das Ding angefangen hat, Explosionsgeräusche zu machen. Sleeper find ich wahnsinnig faszinierend...
Aber anscheinend muss die Maschine nicht unbedingt in Bewegung sein;
Wie kommt es, dass sich hier solche Menschenmassen um dieses hässliche, laute und rauchende Ding versammeln, als wäre der Messias persönlich vom Himmel gefallen und verteilt nun kostenlos Spaghetti Napoli a Discrétion? Dieser Motor ist gute 80 Jahre alt und scheint vom technischen Stand aus der Zeit zu stammen, wo man gerade das erste mal mit Absicht Feuer gemacht hat, da war Effizienz noch kein Thema! Aber; der Boden zittert, die Maschine ist laut und furchteinflössend. Die Massen stehen staunend da und lauschen dem hypnotischen Groove dieses Ungetüms. Würd' ich auch tun und dabei Grinsen wie blöd. Und nein, das liegt jetzt nicht daran, dass ich ein Kerl bin;
Die kleine Madeline klinkt sich fast aus, als sie eine unvorstellbar grosse Maschine in Aktion sieht, für manche einfach nur ein banaler Zug, für sie anscheinend das Grösste überhaupt. Sehr süss...
Aber woher kommt diese Faszination her, wieso reizt solch ein Konstrukt mehr, als eine diamantenbesetzte Bohrmaschine und wieso setzt z.B. ein Lamborghini Aventador schon im Stand mehr Emotionen frei als ein VW Passat der bei 200km/h in Flammen steht? Fahren tun sie alle und bei den heutzutage immer dichteren Verkehrssituationen macht es wenig Sinn, mit 500PS und mehr unterwegs zu sein, wo man doch fürs Brötchenholen lediglich ein Bruchteil jener Leistung benötigt.
Ich versuche, dies in Worte zu kleiden. Dafür gehe ich mal ziemlich tollkühn zurück in der Geschichte. Und man möge mir verzeihen, aber in Geschichte hatte ich jahrelang einen wunderschönen Fensterplatz, dafür hatten wir zu Hause einen grossen Fernseher.
Damals...
Schon im alten Rom konnte man dieses seltsame Phänomen beobachten, wenn der gutbetuchte und wettstreitlustige Römer vor seinem kunstvoll bemalten und verzierten Streitwagen nicht nur eins oder zwei, sondern vier oder noch mehr Zossen eingespannt hatte. Nicht, dass vier Pferde viermal schneller rennen könnten als nur eins (abgesehen vom Antritt beim Hüah!), aber die Beherrschung und die Kontrolle über ein Quartett sichtlich nervöser Vollblüter zu haben ist definitiv die grössere Herausforderung als dass es ein klappriger Esel mit zwanzig Fliegen am Hintern jemals wäre.
Böse Zungen und wohl auch Sigmund Freud würden jetzt noch die These hinzufügen, dass der Pferdefreund versucht, damit ein anatomisches Defizit auszugleichen. Das mag sogar vereinzelt zutreffen...
Kurzes Kopfkino; der Ausblick von einem Kutscher, wenn vor ihm vier Pferde so richtig die Sau rauslassen, schnaubend, stampfend, schwitzend, mit Dreck schmeissend und übel riechend, dieses Bild stell ich mir schon etwas beängstigend, aber gleichzeitig faszinierend vor, in Gedanken fällt mir da auch gerade der Unterkiefer auf den Tisch. Ich setz das mal auf meine Bucketlist...
Btw, ich bin eigentlich kein riesiger Fan des Reitens von Pferden, aufgrund eines kleinen Sprachfehlers kann ich kein Brrrrrrr! machen, und damit hätte ich keinerlei Pferdebremse. Das stört beim Umgang mit Pferden, aber sonst zum Glück gar nicht.
Zurück in das alte Rom; gemessen an dem Multipferdstreitwagen jener Zeit findet sich eine unverkennbare Analogie zu den heutigen Supersportwagen, Dragstern oder Sportmotorrädern. Hier lauert nämlich auch noch der Tod. Vier angepisste Pferde setzen eine Menge Energie frei, wenn man sie von den Zügeln lässt. Gleichauf ist dieses Mass an Energie durchaus in der Lage, einen Menschen unter üblen Schmerzen und einer Riesensauerei ins Nirvana zu befördern. Lediglich das Festhalten jener Zügel und die Kenntnis über das Gemüt seiner Pferde trennt den Kutscher einigermassen vom sicheren Tod. Dasselbe Verlangen nach Kontrolle findet sich auch heute bei demjenigen, der sich in ein rohes, ungestümes, stinkendes und lautes Auto setzt, wo sogar die Bedienungsanleitung davor warnt, alle Pferde unter der Haube von den Zügeln zu lassen. Wie, das Ding kann mich umbringen? Warum sagt ihr mir das keiner? Wo ist der Schlüssel? Und wo mach mach ich das ESP aus, um die Grenze der Maschine oder von mir selbst zu finden? So zumindest klingt das bei mir im Hinterstübchen, wenn mein Verstand grad mal wieder ein Nickerchen macht, das kommt ab und zu mal vor.
Der Wettkampf
Der Aspekt des Wettkampfs. Damit hier keine Missverständnisse auftreten, ich spreche da von Anlässen auf abgesperrten Rennstrecken unter reglementierten Bedingungen. Auf der Strasse lasse ich den Begriff Wettkampf aber nur ungern gelten, für mich sehen solche "Wettkämpfe" eher nach Schwanzvergleich aus, das hat idR nix mit einem sportlichem Messen und noch weniger etwas mit Mass zu tun. Vielmehr gründet sowas in der Natur des Menschen, er verhält sich öfters einfach dämlich und manchmal scheint ein Stück Brot intelligenter. Intelligente Brote würden auch nie eine Bombe bauen, mit der man andere Brote schocktoasten kann. Nach der Logik bin auch ich dümmer als Brot...
Der sportliche Wettkampf scheint bei allen Beteiligten im Hinblick auf die Faszination der Maschine auch noch wie ein Verstärker zu wirken. Der Fahrer muss nicht nur den Umstand bewerkstelligen, dass er sein Gefährt möglichst gut unter Kontrolle hat, er muss auch noch beweisen, dass er dies besser kann als alle anderen und sollte dabei möglichst nicht seine fahrerischen oder die technischen Defizite seines Gefährts durch eine lebensverachtende Fahrweise kompensieren. Ich denke, das Beschreiten, noch besser, die Fähigkeit des Tanzes auf diesem schmalen Pfad macht die Kunst und das Können eines guten Rennfahrers aus. Und vielfach findet sich dahinter auch ein starker Charakter, der nicht nur versucht, die Grenzen der Gegner zu überschreiten, sondern auch seine eigenen Grenzen immer wieder ein Quäntchen höher steckt. Ein wunderschönes Schauspiel aus Ehrgeiz und Können, gepaart mit einer vermeintlich toten Maschine, die damit zum Leben erweckt wird.
Für den Zuschauer wird solch ein Wettkampf zum hautnahen Erlebnis, wenn er an der Strecke selber anwesend ist, Gänsehaut ist in den Zuschauerreihen keine Seltenheit. Die Motoren sind in der Regel laut (zum Glück!!) und man kriegt aufgrund der wundervollen Akustik eindeutig mit, dass die Maschinen wie auch die Fahrer Höchstleistungen erbringen. Würden die Fahrer mit Halbgas um die Strecke schleichen, wären die Zuschauerränge wohl ziemlich schnell gähnend leer.
Übrigens, aus diesem Eindruck heraus mutmasse ich auch, dass eine Rennsportveranstaltung mit rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen keine grossen Zuschauermassen motivieren würde. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass mich die Akustik von 20 furiosen Stabmixern gebannt in einem unbequemen Tribünensessel halten würde, schon gar nicht bei Regen. Ne, da würd ich mir ne Wurst holen und dann langsam in Richtung Parkplatz laufen. Während auf der Strecke der 24h Ladegerät-Grandprix läuft...
Man kann also quasi das Limit hören, und meistens klingt das auch noch recht gut. Und der Zuschauer kann auch spüren und sehen, wie die Fahrer sich selbst alles abverlangen, nur um sich nachher im Schampus zu duschen. Das grenzt eigentlich an Säufertum, sind wir wieder zurück im alten Rom? Nein, aber trotzdem sollen auch Brutus und die moderne Wurst von heute ihren Platz in der heutigen Geschichte haben;
Das Glücksgefühl
Ich glaube (Theorie), irgendwo in der Faszination für die grosse Maschine gründet das vielbesagte Grinsen und die damit einher gehenden Glücksgefühle, wenn man bei einem leistungsstarken Gefährt das Pedal in den Teppich parkt bzw. an dem Faden zieht und die Längsbeschleunigung im Nacken spürt. Man kann quasi fühlen, wie man dem Tod ein Schnippchen schlägt, weil man in der Lage ist (oder sich das zumindest selber einredet), das Mass der Energieabgabe selber zu bestimmen ohne gleich am nächsten Baum den Löffel wegzulegen. Und vielfach geht das Hand in Hand mit einem mehr oder weniger gut kontrollierbaren Adrenalinschub. Auch der Aspekt, dass die Längs- und Querbeschleunigung eine Menge Glücksgefühle vermittelt, aber das Verzögern bzw. Bremsen fast genau das Gegenteil (leichter Frust?), das legt den Gedanken nahe, dass Bremsen gleichzusetzen ist mit der Kapitulation vor der Herausforderung, auch wenn Bremsen in den allermeisten Fällen verhindert, dass man in einem Krankenhaus aufwacht. Wenn's gut läuft.... Bremsen ist nix schlechtes! Und, es ist auch keine Schande, wenn man kapituliert, weil man um sein Leben fürchtet. Das nennt man Gesundbleiben und hat schon so manche Rente zur sinnvollen Investition gemacht.
Und dann kommt noch ein zweiter Aspekt in der Suche nach dem Glück, der Mensch ist heutzutage in der Lage, komplexe Maschinen in allen Grössen und Funktionszwecken zu beherrschen. Was muss es für einen Linienpiloten ein Gefühl sein, bei einen A380 auf dem Runway die Schubhebel nach vorne zu drücken und rund 570 Tonnen Stahl, Treibstoff und etwas Biomasse die Startbahn runterzuballern und dann in die Luft zu hieven. Je grösser das Gerät, je höher die Bewegungsenergie und Masse, desto grösser scheint die Faszination über dessen Beherrschung(?). Ich denke, beim Start ist der Pilot einer grossen Linienmaschine relativ glücklich und gut drauf.
Unabhängig aller psychologischen und körperchemischen Aspekte vermitteln uns grosse Maschinen und die Kontrolle über unvorstellbar grosse Energiemengen eine Faszination und anscheinend auch Spass, ansonsten würden wir diesen Kitzel nicht immer und immer wieder suchen und auch neu erfinden.
Die Grösse?
Sie geht manchmal händchenhaltend mit dem Zustand der Megalomanie und hüpft durch eine Blumenwiese, welche gerade von einem riesigen Trecker mit einem grossen Cummins Diesel niedergemäht wird.
Die Grösse der Maschine ist alleine nicht das A&O, es kommt auch auf die Technik an. (Btw; das kommt gleich in den Suchindex). Das Zusammenspiel und die Balance zwischen diesen beiden Faktoren scheint der heilige Gral zu sein, beim Pimpern wie auch beim Knattern. Ein Zugführer hat mit letztens lebhaft beschrieben, was es ein Gefühl ist, zig hundert Tonnen Stahl mit einem Handgriff in Bewegung zu setzen, die Lokomotive ächzend, die Transformatoren hinter dem Führerstand laut knallend und funkensprühend. Ich konnte dies sofort nachvollziehen, obwohl ich extremst selten Zug fahre...
Und jeder, der mal einen 606er BigBlock im Leerlauf gehört hat wird sicherlich nicht abstreiten, so etwas mal fahren zu wollen oder wenigstens mal im Stand auf's Gas zu latschen. Nicht weil's komfortabel, luxuriös, sportlich oder technisch perfekt sein sollte. Nein;
Gross macht Spass. Laut macht Spass. Viel Leistung macht auch Spass. Mehr davon im zweiten Teil.
Was finden Männer (und auch mal Mädels) an Baggern so toll?
Was ist an Supersportwagen so faszinierend?
Wieso jagt der Mensch so gerne Sachen in die Luft?
Warum machen laute Autos mehr Spass wie leise?
Der Mensch (ich bin da keine Ausnahme) ist seit jeher fasziniert von grossen Konstrukten, Maschinen welche für ihren Betrieb entweder eine ungeheure Energie verbrauchen oder im Betrieb eine Menge Energie erzeugen bzw. freisetzen. Doch woher kommt dieses Verlangen nach dem dicken Hebel, dem Gaspedal oder nach dem berühmten roten Knopf?
Dinge, die die Welt so überhaupt nicht braucht...
Das schlagartige Freisetzen von Energie scheint ebenfalls einen gewissen Reiz zu haben, wobei das Drücken eines Lichtschalters jetzt nicht unbedingt im Nacken kribbelt. Aber die Männer, die damals (und leider auch heute noch) einer atomaren Kettenreaktion ihren freien Lauf gelassen haben, hatten wohl doch einen messbaren Adrenalinschub. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass ein solcher Wumms einfach mal emotionslos an einem vorbeigeht. Ein kurzer Atemaussetzer ist da wohl das Mindeste.
Bombe mit Rädern. Holy fuckin' shit...
Die Bombe und ihre zerstörerische Wirkung ist jetzt nicht 1:1 mit der Faszination zu vergleichen, welche üppig motorisierte Autos oder auch Motorräder schon im Stand ausstrahlen. Aber der Reiz, solch ein Kraftwerk rennen zu lassen, der wird in einem unbestimmten Massstab wohl derselbe sein. Breite Kotflügel, dicke Auspuffrohre, martialische Optik. Dies alles ist in vielen Fällen ein Garant dafür; diese Fuhre hat Leistung und beschleunigt wesentlich besser als der Durchschnitt. Nicht umsonst sieht man auch des Öfteren Leute in grossen Massen um solche automobilen Kraftwerke stehen, meist mit offenen Mündern oder mit einem fast schon kindlichen Grinsen über beide Ohren. Sie können nur erahnen, wozu solch ein Gerät imstande ist und im Kopf stellt sich so manchem die Frage; wie das wohl ist, wenn man da Vollgas gibt? Bei der Supra oben hätt ich mich jedenfalls schwer getäuscht, jedenfalls bis das Ding angefangen hat, Explosionsgeräusche zu machen. Sleeper find ich wahnsinnig faszinierend...
Aber anscheinend muss die Maschine nicht unbedingt in Bewegung sein;
Die kann auch Dubstep...
Wie kommt es, dass sich hier solche Menschenmassen um dieses hässliche, laute und rauchende Ding versammeln, als wäre der Messias persönlich vom Himmel gefallen und verteilt nun kostenlos Spaghetti Napoli a Discrétion? Dieser Motor ist gute 80 Jahre alt und scheint vom technischen Stand aus der Zeit zu stammen, wo man gerade das erste mal mit Absicht Feuer gemacht hat, da war Effizienz noch kein Thema! Aber; der Boden zittert, die Maschine ist laut und furchteinflössend. Die Massen stehen staunend da und lauschen dem hypnotischen Groove dieses Ungetüms. Würd' ich auch tun und dabei Grinsen wie blöd. Und nein, das liegt jetzt nicht daran, dass ich ein Kerl bin;
Whoaaa...
Die kleine Madeline klinkt sich fast aus, als sie eine unvorstellbar grosse Maschine in Aktion sieht, für manche einfach nur ein banaler Zug, für sie anscheinend das Grösste überhaupt. Sehr süss...
Aber woher kommt diese Faszination her, wieso reizt solch ein Konstrukt mehr, als eine diamantenbesetzte Bohrmaschine und wieso setzt z.B. ein Lamborghini Aventador schon im Stand mehr Emotionen frei als ein VW Passat der bei 200km/h in Flammen steht? Fahren tun sie alle und bei den heutzutage immer dichteren Verkehrssituationen macht es wenig Sinn, mit 500PS und mehr unterwegs zu sein, wo man doch fürs Brötchenholen lediglich ein Bruchteil jener Leistung benötigt.
Ich versuche, dies in Worte zu kleiden. Dafür gehe ich mal ziemlich tollkühn zurück in der Geschichte. Und man möge mir verzeihen, aber in Geschichte hatte ich jahrelang einen wunderschönen Fensterplatz, dafür hatten wir zu Hause einen grossen Fernseher.
Damals...
Schon im alten Rom konnte man dieses seltsame Phänomen beobachten, wenn der gutbetuchte und wettstreitlustige Römer vor seinem kunstvoll bemalten und verzierten Streitwagen nicht nur eins oder zwei, sondern vier oder noch mehr Zossen eingespannt hatte. Nicht, dass vier Pferde viermal schneller rennen könnten als nur eins (abgesehen vom Antritt beim Hüah!), aber die Beherrschung und die Kontrolle über ein Quartett sichtlich nervöser Vollblüter zu haben ist definitiv die grössere Herausforderung als dass es ein klappriger Esel mit zwanzig Fliegen am Hintern jemals wäre.
Man beachte Ben Hurs Gesichtsausdruck, wer hat gefurzt?
Böse Zungen und wohl auch Sigmund Freud würden jetzt noch die These hinzufügen, dass der Pferdefreund versucht, damit ein anatomisches Defizit auszugleichen. Das mag sogar vereinzelt zutreffen...
Kurzes Kopfkino; der Ausblick von einem Kutscher, wenn vor ihm vier Pferde so richtig die Sau rauslassen, schnaubend, stampfend, schwitzend, mit Dreck schmeissend und übel riechend, dieses Bild stell ich mir schon etwas beängstigend, aber gleichzeitig faszinierend vor, in Gedanken fällt mir da auch gerade der Unterkiefer auf den Tisch. Ich setz das mal auf meine Bucketlist...
Btw, ich bin eigentlich kein riesiger Fan des Reitens von Pferden, aufgrund eines kleinen Sprachfehlers kann ich kein Brrrrrrr! machen, und damit hätte ich keinerlei Pferdebremse. Das stört beim Umgang mit Pferden, aber sonst zum Glück gar nicht.
Zurück in das alte Rom; gemessen an dem Multipferdstreitwagen jener Zeit findet sich eine unverkennbare Analogie zu den heutigen Supersportwagen, Dragstern oder Sportmotorrädern. Hier lauert nämlich auch noch der Tod. Vier angepisste Pferde setzen eine Menge Energie frei, wenn man sie von den Zügeln lässt. Gleichauf ist dieses Mass an Energie durchaus in der Lage, einen Menschen unter üblen Schmerzen und einer Riesensauerei ins Nirvana zu befördern. Lediglich das Festhalten jener Zügel und die Kenntnis über das Gemüt seiner Pferde trennt den Kutscher einigermassen vom sicheren Tod. Dasselbe Verlangen nach Kontrolle findet sich auch heute bei demjenigen, der sich in ein rohes, ungestümes, stinkendes und lautes Auto setzt, wo sogar die Bedienungsanleitung davor warnt, alle Pferde unter der Haube von den Zügeln zu lassen. Wie, das Ding kann mich umbringen? Warum sagt ihr mir das keiner? Wo ist der Schlüssel? Und wo mach mach ich das ESP aus, um die Grenze der Maschine oder von mir selbst zu finden? So zumindest klingt das bei mir im Hinterstübchen, wenn mein Verstand grad mal wieder ein Nickerchen macht, das kommt ab und zu mal vor.
Der Wettkampf
Der Aspekt des Wettkampfs. Damit hier keine Missverständnisse auftreten, ich spreche da von Anlässen auf abgesperrten Rennstrecken unter reglementierten Bedingungen. Auf der Strasse lasse ich den Begriff Wettkampf aber nur ungern gelten, für mich sehen solche "Wettkämpfe" eher nach Schwanzvergleich aus, das hat idR nix mit einem sportlichem Messen und noch weniger etwas mit Mass zu tun. Vielmehr gründet sowas in der Natur des Menschen, er verhält sich öfters einfach dämlich und manchmal scheint ein Stück Brot intelligenter. Intelligente Brote würden auch nie eine Bombe bauen, mit der man andere Brote schocktoasten kann. Nach der Logik bin auch ich dümmer als Brot...
Der sportliche Wettkampf scheint bei allen Beteiligten im Hinblick auf die Faszination der Maschine auch noch wie ein Verstärker zu wirken. Der Fahrer muss nicht nur den Umstand bewerkstelligen, dass er sein Gefährt möglichst gut unter Kontrolle hat, er muss auch noch beweisen, dass er dies besser kann als alle anderen und sollte dabei möglichst nicht seine fahrerischen oder die technischen Defizite seines Gefährts durch eine lebensverachtende Fahrweise kompensieren. Ich denke, das Beschreiten, noch besser, die Fähigkeit des Tanzes auf diesem schmalen Pfad macht die Kunst und das Können eines guten Rennfahrers aus. Und vielfach findet sich dahinter auch ein starker Charakter, der nicht nur versucht, die Grenzen der Gegner zu überschreiten, sondern auch seine eigenen Grenzen immer wieder ein Quäntchen höher steckt. Ein wunderschönes Schauspiel aus Ehrgeiz und Können, gepaart mit einer vermeintlich toten Maschine, die damit zum Leben erweckt wird.
Senna vs. Mansell
Für den Zuschauer wird solch ein Wettkampf zum hautnahen Erlebnis, wenn er an der Strecke selber anwesend ist, Gänsehaut ist in den Zuschauerreihen keine Seltenheit. Die Motoren sind in der Regel laut (zum Glück!!) und man kriegt aufgrund der wundervollen Akustik eindeutig mit, dass die Maschinen wie auch die Fahrer Höchstleistungen erbringen. Würden die Fahrer mit Halbgas um die Strecke schleichen, wären die Zuschauerränge wohl ziemlich schnell gähnend leer.
Übrigens, aus diesem Eindruck heraus mutmasse ich auch, dass eine Rennsportveranstaltung mit rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen keine grossen Zuschauermassen motivieren würde. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass mich die Akustik von 20 furiosen Stabmixern gebannt in einem unbequemen Tribünensessel halten würde, schon gar nicht bei Regen. Ne, da würd ich mir ne Wurst holen und dann langsam in Richtung Parkplatz laufen. Während auf der Strecke der 24h Ladegerät-Grandprix läuft...
Man kann also quasi das Limit hören, und meistens klingt das auch noch recht gut. Und der Zuschauer kann auch spüren und sehen, wie die Fahrer sich selbst alles abverlangen, nur um sich nachher im Schampus zu duschen. Das grenzt eigentlich an Säufertum, sind wir wieder zurück im alten Rom? Nein, aber trotzdem sollen auch Brutus und die moderne Wurst von heute ihren Platz in der heutigen Geschichte haben;
Wurst mit einer kleinen Benzinnote gefällig?
Das Glücksgefühl
Ich glaube (Theorie), irgendwo in der Faszination für die grosse Maschine gründet das vielbesagte Grinsen und die damit einher gehenden Glücksgefühle, wenn man bei einem leistungsstarken Gefährt das Pedal in den Teppich parkt bzw. an dem Faden zieht und die Längsbeschleunigung im Nacken spürt. Man kann quasi fühlen, wie man dem Tod ein Schnippchen schlägt, weil man in der Lage ist (oder sich das zumindest selber einredet), das Mass der Energieabgabe selber zu bestimmen ohne gleich am nächsten Baum den Löffel wegzulegen. Und vielfach geht das Hand in Hand mit einem mehr oder weniger gut kontrollierbaren Adrenalinschub. Auch der Aspekt, dass die Längs- und Querbeschleunigung eine Menge Glücksgefühle vermittelt, aber das Verzögern bzw. Bremsen fast genau das Gegenteil (leichter Frust?), das legt den Gedanken nahe, dass Bremsen gleichzusetzen ist mit der Kapitulation vor der Herausforderung, auch wenn Bremsen in den allermeisten Fällen verhindert, dass man in einem Krankenhaus aufwacht. Wenn's gut läuft.... Bremsen ist nix schlechtes! Und, es ist auch keine Schande, wenn man kapituliert, weil man um sein Leben fürchtet. Das nennt man Gesundbleiben und hat schon so manche Rente zur sinnvollen Investition gemacht.
da geht sogar dem Verwalter die Muffe...
Unabhängig aller psychologischen und körperchemischen Aspekte vermitteln uns grosse Maschinen und die Kontrolle über unvorstellbar grosse Energiemengen eine Faszination und anscheinend auch Spass, ansonsten würden wir diesen Kitzel nicht immer und immer wieder suchen und auch neu erfinden.
Die Grösse?
Sie geht manchmal händchenhaltend mit dem Zustand der Megalomanie und hüpft durch eine Blumenwiese, welche gerade von einem riesigen Trecker mit einem grossen Cummins Diesel niedergemäht wird.
Die Grösse der Maschine ist alleine nicht das A&O, es kommt auch auf die Technik an. (Btw; das kommt gleich in den Suchindex). Das Zusammenspiel und die Balance zwischen diesen beiden Faktoren scheint der heilige Gral zu sein, beim Pimpern wie auch beim Knattern. Ein Zugführer hat mit letztens lebhaft beschrieben, was es ein Gefühl ist, zig hundert Tonnen Stahl mit einem Handgriff in Bewegung zu setzen, die Lokomotive ächzend, die Transformatoren hinter dem Führerstand laut knallend und funkensprühend. Ich konnte dies sofort nachvollziehen, obwohl ich extremst selten Zug fahre...
Und jeder, der mal einen 606er BigBlock im Leerlauf gehört hat wird sicherlich nicht abstreiten, so etwas mal fahren zu wollen oder wenigstens mal im Stand auf's Gas zu latschen. Nicht weil's komfortabel, luxuriös, sportlich oder technisch perfekt sein sollte. Nein;
Wihuuu!
Gross macht Spass. Laut macht Spass. Viel Leistung macht auch Spass. Mehr davon im zweiten Teil.
Vielen Dank für diesen absolut Interessanten und wirklich klasse geschriebenen Artikel. Ich bin mittlerweile wirklich großer Fan der "Ente" und kann es immer kaum erwarten einen neuen Bericht zu lesen. Bei dem Artikel über "Maschinen" hast du dich aber selbst übertroffen. Absolut stimmig, sehr witzig und unterhaltsam geschrieben - ich freue mich bereits auf den nächsten Teil. Sofern du einmal Lust hättest und im Großraum München bist biete ich dir gerne an meinen Subaru BRZ zu fahren ;) Ein Bericht über den Toyobaru BRZ 86 würde mich wahnsinnig interessieren.
AntwortenLöschenViele Grüße, Basti
Danke Bastian, freut mich dass ich dich ein wenig unterhalten konnte. Den BRZ hab ich aufm Radar, auf den bin ich ziemlich gespannt. War gerade die Tage im grossen Kanton, ich denk dran wenn ich s'nächste mal auf ein Weissbier hochfahr ;)
LöschenWOW... eine Antwort von der Ente persönlich :D . Der Artikel war wirklich klasse - genau wie der vom WRX STI. Ich bin selbst seit Jahren begeisterter Subaru-Fahrer, demnach freut mich deine Begeisterung für diese Marke natürlich besonders ;) Sofern du auch an modifizierten Fahrzeugen interessiert bist und auch in der Nähe darfst du natürlich gern meinen BRZ für den Artikel verwenden. Und selbst wenn es nicht klappen sollte freue ich mich auf viele weitere Berichte. Viele Grüße und einen schönen Abend, Basti
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