Renault Mégane dCi110 EDC
Vorwort
Die Franzosen haben ja in vielerlei Hinsicht eine eigene Auffassung, wie ein Auto gebaut werden sollte. Einfach gesagt, sie mögen keine Konventionen, die bei anderen Herstellern längst als etabliert gelten, genauso wie es in ganz Paris anscheinend kein einziges Stoppschild gibt. Und manchmal habe ich den Eindruck, als ob sie gewisse Autos einfach aus Trotz so bauen wie sie sie eben bauen, mit einer gehörigen Portion Wut auf die Konkurrenz im Bauch.
Was denn?
Ein Renault Mégane dCi110 EDC, befeuert von einem 1.5 Liter Diesel mit 110PS. Und, er hat so eine Art Automatik.
Laufleistung
81'300km.
Wie weit?
Keine Ahnung, jeder Kilometer fühlte sich an wie 10.
Handbuch gelesen?
Non.
Erster Eindruck
Ein Auto, dass nur von seinem Zeichner geliebt werden kann. Ein Baguette und Butter Auto, ohne Knoblauch, ohne alles.
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP, Bremsassistent.
Innenraum
Das war's dann auch mit den Konventionen. Tacho und Drehzahlmesser sind zwar dort, wo man sie vermutet, stehen aber in einem Winkel in dem Analog/LCD Kombiinstrument, dass man auf den Sitz stehen müsste, damit man sie "normal" ablesen kann. Was wäre verkehrt daran gewesen, wenn sie parallel zu der Blickrichtung des Fahrers gestanden hätten? Zudem, ein Drehzahlmesser mit einem gelben Zeiger, ein hellweiss hinterlegter Tacho und ein blauweiss illuminiertes Kombidisplay zeugen von Meinungsverschiedenheiten in der Innenraumentwicklung von Renault, weniger von der Ansicht, dass der Fahrer sein Auto als unkompliziert empfinden sollte.
Wie auch schon im Clio ist der Hauptschalter für den Tempopiloten in der Mittelkonsole hinter der Handbremse angebracht. Die eigentliche Bedienung jenes hilfreichen Gefährten erfolgt über vier Lenkradtasten. Was wäre auch daran verkehrt gewesen, den Hauptschalter auch auf's Lenkrad zu pappen?
Die ersten Kilometer
Die kalte Dieselmaschine ist bis anhin das übelste, was jemals meinem Befehl zum Start nachgekommen ist. Der Franzose schüttelt und rüttelt sich im kalten Zustand ohne Übertreibung wie ein sechzig Jahre alter Traktor. Apropos Start;
Nach 10 Kilometern
Meine Güte, dieses Auto ist die Höchststrafe. Der Diesel ist in der Leistungsabgabe ziemlich unmotiviert und das Getriebe feuert einen schlechten Scherz nach dem anderen ab. Die Wahl der Fahrstufe scheint eher zufällig, ich fühle mich tatsächlich etwas veralbert.
Multimediaplunder
Und weiter geht's mit dem unfreiwillig komischen Franzosen. Das Auto war ausgestattet mit dem Radiosat Classic CD Mediapaket. Das heisst, ein mittelgrosser Bildschirm thront auf dem Armaturenbrett und zeigt dort sinnvollerweise auch Navigationsdaten an. Das tut er übrigens auch dann, wenn's gar nix zu navigieren gibt. Fordert man den Wechsel z.B. auf die Anzeige des aktuellen Radiosenders, kippt das Display innert weniger Sekunden wieder zurück auf die Navigationsansicht. Hä?
Bedient wird das System über zwei Bedienteile;
Dieses Sammelsurium an Knöpfen unterhalb der Schaltkulisse beinhaltet einerseits die Bedienung des Navis sowie der Wiederholungsfunktion des CD-Players. Ca. 15 Funktionspunkte.
Und dieser bucklige Geselle beherbergt die primären Funktionen des Radios bzw. der bei mir nicht funktionierenden Bluetoothtelefonie, in Summe sind mindestens 10 Funktionen hier zu finden. Tja, wenn sie denn zu finden wären, der Gefährte ist nämlich direkt hinter dem Lenkrad angebracht, fährt man geradeaus, sieht man von den jeweiligen Tasten gar nichts und muss sich quasi blind orientieren. Man könnte wirklich den Eindruck erhalten, dass die Konstrukteure hier dem Fahrer etwas Böses wollten, ich jedenfalls wurde mit dem Quasimodo der Lenkradfernbedienungen nicht warm und ich würde es auch nach einer Eingewöhnungszeit auch nicht werden. Vorher würde ich dieses strunzdumme Ding abreissen und zum Fenster rausschmeissen.
Einen Aux Anschluss bietet die Mediazentrale auch, jedoch, der sonst schon etablierte 3.5mm Klinkenanschluss scheint den Franzosen auch nicht zu goutieren, sie setzen auf zwei Cinch-Anschlüsse in der Ablage unter dem Radio. Vielen Dank auch im Mietwagen, sowas hat kein Mensch im Reisegepäck. Bluetooth Audio ging nicht. Der Klang im Röno war mir schlussendlich egal. Ich fühlte mich schon wieder verschaukelt und bekam so langsam gesundheitliche Probleme mit dem Mégane.
Achja, nix klappert oder quietscht.
Die Fahrt
Der Horror. Meine Güte, dieses Auto hat einfach so überhaupt nichts, was meine Mundwinkel aus irgendeinem guten Grund nach hinten gezogen hätte. Der Motor ist ein unwilliger und lauter Geselle und das Getriebe scheint einfach keine Lust auf seine Arbeit zu haben. Dafür ist die Lenkung sehr ambitioniert, das Rückstellmoment ist so hoch, dass man meinen könnte, dass es hier aus Prinzip nur geradeaus gehen darf. Das Navi ist der Herr im Haus und beansprucht das eigentlich einwandfrei ablesbare und sinnvoll positionierte Display voll und ganz für sich.
Irgendwo hat der Mégane auch ein Fahrwerk der Standardklasse verbaut. Weder sportlich noch komfortabel. Und das harmoniert wiederum super mit dem Antrieb, der ist auch weder sportlich noch komfortabel. Hurra, eine Konsequenz!
Ich wollte den Mégane auch nicht länger fahren als unbedingt nötig, deswegen verzichte ich hier auf eine ausführliche Beschreibung der eher kurzen Fahrt. Ich war heilfroh, konnte ich den Schlitten wieder da hinstellen, wo ich ihn aufgepickt habe.
Das soll man nicht falsch verstehen, ich liebe so manchen Franzosen mit all bzw. trotz seinen Eigenheiten wirklich. Aber der Mégane wird nie zu dieser Gilde dazugehören.
Fazit
Der Mégane ist ein Auto. Vier Räder, Lenkrad, Sitze, Motor. Das war's dann auch schon. Das eigenwillige fast schon trotzige Bedienkonzept im Innenraum treibt mich in den Wahnsinn. Ebenso wie der unwillige Motor mit seinem besten Freund, dem unwilligen Getriebe. Nicht dass der Mégane eine vollumfängliche Fehlkonstruktion wäre, er hat genügend Platz und fährt vorwärts, rückwärts und wenn's sein muss auch um die Ecken rum. Aber ich werde mit so mancher Eigenheit des Renault nicht warm, im Gegenteil. Die einzigen Emotionen die der Mégane bei mir hinterlässt sind Erstaunen und ein kopfschüttelndes Nein.
Kaufen?
Nein! Doch! Oohhh!
Méganein!
Die Franzosen haben ja in vielerlei Hinsicht eine eigene Auffassung, wie ein Auto gebaut werden sollte. Einfach gesagt, sie mögen keine Konventionen, die bei anderen Herstellern längst als etabliert gelten, genauso wie es in ganz Paris anscheinend kein einziges Stoppschild gibt. Und manchmal habe ich den Eindruck, als ob sie gewisse Autos einfach aus Trotz so bauen wie sie sie eben bauen, mit einer gehörigen Portion Wut auf die Konkurrenz im Bauch.
Was denn?
Ein Renault Mégane dCi110 EDC, befeuert von einem 1.5 Liter Diesel mit 110PS. Und, er hat so eine Art Automatik.
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Was für ein Arsch. |
Laufleistung
81'300km.
Wie weit?
Keine Ahnung, jeder Kilometer fühlte sich an wie 10.
Handbuch gelesen?
Non.
Erster Eindruck
Ein Auto, dass nur von seinem Zeichner geliebt werden kann. Ein Baguette und Butter Auto, ohne Knoblauch, ohne alles.
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP, Bremsassistent.
Innenraum
Wo soll ich anfangen, auf den ersten Blick erscheint irgendwie alle Hoffnung verloren. Erstmal das Gute; die Materialien sind für die Fahrzeugklasse soweit OK, auch findet sich ein Radio und eine automatische Klimaanlage im Bereich der Mittelkonsole. Das Bremspedal ist links und das Gas rechts. Der Wählhebel für das Getriebe ist ebenfalls da, wo man ihn als erstes sucht.
Das war's dann auch mit den Konventionen. Tacho und Drehzahlmesser sind zwar dort, wo man sie vermutet, stehen aber in einem Winkel in dem Analog/LCD Kombiinstrument, dass man auf den Sitz stehen müsste, damit man sie "normal" ablesen kann. Was wäre verkehrt daran gewesen, wenn sie parallel zu der Blickrichtung des Fahrers gestanden hätten? Zudem, ein Drehzahlmesser mit einem gelben Zeiger, ein hellweiss hinterlegter Tacho und ein blauweiss illuminiertes Kombidisplay zeugen von Meinungsverschiedenheiten in der Innenraumentwicklung von Renault, weniger von der Ansicht, dass der Fahrer sein Auto als unkompliziert empfinden sollte.
Wie auch schon im Clio ist der Hauptschalter für den Tempopiloten in der Mittelkonsole hinter der Handbremse angebracht. Die eigentliche Bedienung jenes hilfreichen Gefährten erfolgt über vier Lenkradtasten. Was wäre auch daran verkehrt gewesen, den Hauptschalter auch auf's Lenkrad zu pappen?
Die Sitze sind von rechts- und linkswegen da wo sie hingehören. Ob sie Langstreckenkomfort besitzen kann ich aufgrund der kurzen Fahrt nicht abschliessend sagen, der Seitenhalt war eher bescheiden und die Verstellmöglichkeiten minimalistisch.
Die ersten Kilometer
Die kalte Dieselmaschine ist bis anhin das übelste, was jemals meinem Befehl zum Start nachgekommen ist. Der Franzose schüttelt und rüttelt sich im kalten Zustand ohne Übertreibung wie ein sechzig Jahre alter Traktor. Apropos Start;
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Clé. |
Diese Hotelfernseherfernbedienung ist tatsächlich sowas wie der Schlüssel. Starten kann man den Franzosen, indem man dieses kreditkartengrosse Ding in der Mittelkonsole in einen Schlitz unter das Radiobedienteil steckt. Bevor das nicht drin ist, lässt sich der Mégane nicht starten. Man kann das Gerät aber bei laufendem Motor rausziehen, es passiert halt einfach nix, der Motor rüttelt weiter. Ausmachen kann man den Motor ohne den Schlüssel auch nicht. Wo ist da die Logik, ein halbes Keyless Go? Und wozu soll der Knopf für die Fahrzeugaussenbeleuchtung gut sein? Kann das nicht einfach auch dann passieren, wenn ich den Hobel aufschliesse?Nach 10 Kilometern
Meine Güte, dieses Auto ist die Höchststrafe. Der Diesel ist in der Leistungsabgabe ziemlich unmotiviert und das Getriebe feuert einen schlechten Scherz nach dem anderen ab. Die Wahl der Fahrstufe scheint eher zufällig, ich fühle mich tatsächlich etwas veralbert.
Multimediaplunder
Und weiter geht's mit dem unfreiwillig komischen Franzosen. Das Auto war ausgestattet mit dem Radiosat Classic CD Mediapaket. Das heisst, ein mittelgrosser Bildschirm thront auf dem Armaturenbrett und zeigt dort sinnvollerweise auch Navigationsdaten an. Das tut er übrigens auch dann, wenn's gar nix zu navigieren gibt. Fordert man den Wechsel z.B. auf die Anzeige des aktuellen Radiosenders, kippt das Display innert weniger Sekunden wieder zurück auf die Navigationsansicht. Hä?
Bedient wird das System über zwei Bedienteile;
Dieses Sammelsurium an Knöpfen unterhalb der Schaltkulisse beinhaltet einerseits die Bedienung des Navis sowie der Wiederholungsfunktion des CD-Players. Ca. 15 Funktionspunkte.
Und dieser bucklige Geselle beherbergt die primären Funktionen des Radios bzw. der bei mir nicht funktionierenden Bluetoothtelefonie, in Summe sind mindestens 10 Funktionen hier zu finden. Tja, wenn sie denn zu finden wären, der Gefährte ist nämlich direkt hinter dem Lenkrad angebracht, fährt man geradeaus, sieht man von den jeweiligen Tasten gar nichts und muss sich quasi blind orientieren. Man könnte wirklich den Eindruck erhalten, dass die Konstrukteure hier dem Fahrer etwas Böses wollten, ich jedenfalls wurde mit dem Quasimodo der Lenkradfernbedienungen nicht warm und ich würde es auch nach einer Eingewöhnungszeit auch nicht werden. Vorher würde ich dieses strunzdumme Ding abreissen und zum Fenster rausschmeissen.
Einen Aux Anschluss bietet die Mediazentrale auch, jedoch, der sonst schon etablierte 3.5mm Klinkenanschluss scheint den Franzosen auch nicht zu goutieren, sie setzen auf zwei Cinch-Anschlüsse in der Ablage unter dem Radio. Vielen Dank auch im Mietwagen, sowas hat kein Mensch im Reisegepäck. Bluetooth Audio ging nicht. Der Klang im Röno war mir schlussendlich egal. Ich fühlte mich schon wieder verschaukelt und bekam so langsam gesundheitliche Probleme mit dem Mégane.
Achja, nix klappert oder quietscht.
Die Fahrt
Der Horror. Meine Güte, dieses Auto hat einfach so überhaupt nichts, was meine Mundwinkel aus irgendeinem guten Grund nach hinten gezogen hätte. Der Motor ist ein unwilliger und lauter Geselle und das Getriebe scheint einfach keine Lust auf seine Arbeit zu haben. Dafür ist die Lenkung sehr ambitioniert, das Rückstellmoment ist so hoch, dass man meinen könnte, dass es hier aus Prinzip nur geradeaus gehen darf. Das Navi ist der Herr im Haus und beansprucht das eigentlich einwandfrei ablesbare und sinnvoll positionierte Display voll und ganz für sich.
Irgendwo hat der Mégane auch ein Fahrwerk der Standardklasse verbaut. Weder sportlich noch komfortabel. Und das harmoniert wiederum super mit dem Antrieb, der ist auch weder sportlich noch komfortabel. Hurra, eine Konsequenz!
Ich wollte den Mégane auch nicht länger fahren als unbedingt nötig, deswegen verzichte ich hier auf eine ausführliche Beschreibung der eher kurzen Fahrt. Ich war heilfroh, konnte ich den Schlitten wieder da hinstellen, wo ich ihn aufgepickt habe.
Das soll man nicht falsch verstehen, ich liebe so manchen Franzosen mit all bzw. trotz seinen Eigenheiten wirklich. Aber der Mégane wird nie zu dieser Gilde dazugehören.
Fazit
Der Mégane ist ein Auto. Vier Räder, Lenkrad, Sitze, Motor. Das war's dann auch schon. Das eigenwillige fast schon trotzige Bedienkonzept im Innenraum treibt mich in den Wahnsinn. Ebenso wie der unwillige Motor mit seinem besten Freund, dem unwilligen Getriebe. Nicht dass der Mégane eine vollumfängliche Fehlkonstruktion wäre, er hat genügend Platz und fährt vorwärts, rückwärts und wenn's sein muss auch um die Ecken rum. Aber ich werde mit so mancher Eigenheit des Renault nicht warm, im Gegenteil. Die einzigen Emotionen die der Mégane bei mir hinterlässt sind Erstaunen und ein kopfschüttelndes Nein.
Kaufen?
Nein! Doch! Oohhh!
Méganein!
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