Mercedes Benz C200 CDI
Vorwort
Ich gebe zu, ich bin mittlerweile schon etwas verweichlicht. Ich kann nicht abstreiten, dass ich gerne auch mal ein komfortables Auto fahre und nicht immer diese bandscheibenatomisierenden Sportgeräte oder nervöse Kleinstwagen favorisiere. Hätte ich für die bevorstehenden 700km einen Dreizylinder Saugpolo oder einen A1 bekommen, wäre meine Laune nicht unbedingt besser geworden. Hier stand aber schon bei der Annahme des massiven Schlüssels fest, das wird mit grosser Wahrscheinlichkeit eine entspannte Fahrt.
Was denn?
Ein Mercedes Benz C200 CDI aus der 204er Baugruppe mit dem 2.2 Liter grossen Diesel. 136PS, handgerührt und vom Heck getrieben.
Laufleistung
93500km.
Wie weit?
ca. 700km, grösstenteils Autobahn.
Handbuch gelesen?
Nein, ich bin mit dem Benz dieser Baureihe bestens vertraut.
Nein, ich bin mit dem Benz dieser Baureihe bestens vertraut.
Erster Eindruck
Abgesehen von der etwas gefälligeren AMG Optik; kenn ich schon. Setz mich jeden Tag in so ein Ding rein. Aber ob das etwas wird mit nem schmalbrüstigen Turbodiesels anstelle des grossen V6 Saugbenziners? Und Handschaltung? Ewww...
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP.
Innenraum
Plaste, Kunstleder, Alu. Der Materialmix im kleinen Diesel offenbart keine wirklichen Überraschungen. Dafür, dass es sich aber hier um die günstigste und minimalste Ausstattungslinie handelt, geht das alles ziemlich OK.
Die Bedienung ist vom Konzept her nicht mehr ganz so zeitgemäss, wer braucht heute noch ein Wähltastenfeld für ein Telefon in der Mittelkonsole? Aber trotzdem, das rumkommandieren des 204er immer noch weit entfernt von kompliziert oder unlogisch angeordnet.
Plaste, Kunstleder, Alu. Der Materialmix im kleinen Diesel offenbart keine wirklichen Überraschungen. Dafür, dass es sich aber hier um die günstigste und minimalste Ausstattungslinie handelt, geht das alles ziemlich OK.
Die Bedienung ist vom Konzept her nicht mehr ganz so zeitgemäss, wer braucht heute noch ein Wähltastenfeld für ein Telefon in der Mittelkonsole? Aber trotzdem, das rumkommandieren des 204er immer noch weit entfernt von kompliziert oder unlogisch angeordnet.
Augenblicklich tauschen würde ich diese Sitze gegen jene, welche in meinem eigenen 204er verbaut sind. Wesentlich besser konturiert und angenehm straff gepolstert fand ich die Stühle auch nach 350km am Stück immer noch sehr angenehm. Ebenfalls auffallend; der Innenraum sieht auch nach 93TSD Kilometern immer noch top aus und ist frei von Abnutzungserscheinungen oder klappernden Defekten. Allerdings, in dem kleinen C ist auch nix verbaut, was das Klappern anfangen könnte. Wie z.B. ein Glasschiebedach oder das Sitzgestell eines komplett elektrifizierten Sitzes.
Die ersten Kilometer
Schon schräg, wenn man sich in dasselbe Auto reinsetzt, dass man selber jeden Tag fährt, aber sich dann rausstellt, dass es sich um ein ganz anderes Auto handelt. Die erste blöde Ungewohntheit ist, dass es sich hier um einen Handschalter handelt.
Das gibt mir etwas zu schaffen, selber schalten im Benz? Da wird man sich seiner eigenen fahrerischen Faulheit mal so richtig bewusst.
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Schalt mich selbst du faule Sau! |
Nach 10 Kilometern
Was soll ich sagen, auch mit diesem Diesel werde ich keine Schweine hüten wollen. Rau, träge und brummig verrichtet die Maschine ihren Dienst zwar ordentlich, aber passt irgendwie so gar nicht zu dem sonst so solide anmutenden Kombi. Auch die Lenkung erscheint mir bei weitem nicht so handlich wie im grossen V6. Ich gewöhne mich nur langsam an diesen etwas müde daherkommenden C200.
Multimediaplunder
Leider ist in dem kleinen C nicht das richtig gute Comand System verbaut, sondern nur das kleine Audio 20 mit einem separat angedockten Becker Navi.
Soundtechnisch geht das System grade noch so i.O. Die ganz tiefen Bässe gehen an dem System ohne weitere Beachtung vorbei, dafür klingt das Ganze aber trotzdem noch ausgewogen, unaufdringlich und einigermassen pegelfest.
Die Fahrt
Ist der C200 mal in Schwung (und das kann dauern), ist er zweifellos ein Benz. Eher komfortabel abgestimmt und von der sanften Sorte. Was mir allerdings sofort auffällt ist der Geräuschpegel im kleinen Diesel im Vergleich zu meinem Saugbenziner. Nicht nur, dass der Selbstzünder von sich aus schon ein lauterer Genosse ist, man merkt auch, dass bei der Geräuschdämmung im C200 gespart wurde. Das macht den c200 immer noch zu einem der leiseren Autos in seiner Klasse, zeigt aber auch, dass die Plattform schon ein paar Jährchen auf dem langen Buckel hat. Mit der Zeit fallen auch noch andere dezente Sparmassnahmen ins Auge, so z.B. die Türverkleidungen, welche mit härterem und weniger wertigem Kunststoff ausgeführt sind. Trotzdem, der kleine Diesel fährt sich nicht unangenehm und ist meilenweit entfernt von dem Eindruck eines Billigeimers.
Nach einigen Kilometern auf freien deutschen Autobahnen fällt dann natürlich auch noch etwas anderes ins Gewicht, im wahrsten Sinne des Wortes. Offizielle 1615kg auf einen kurzatmigen Diesel mit 136PS, das ist keine wirklich souveräne Kombination. So kämpft sich der lange Lulatsch spürbar abgemüht Steigungen hoch und Überholmanöver wollen auch lange vorher geplant sein. Spontanes Überholen liegt einfach nicht drin und ich erwische mich des Öfteren beim Griff zum Blinkerhebel, schalte dann aber doch nochmal einen Kuchen runter. Immerhin, die 300Nm des Triebwerks kommen früh, gut dosiert und stehen vom subjektiven Eindruck auch über das gesamte nutzbare Drehzahlband zu Verfügung. Wobei, bei 4000 Umdrehungen macht die Maschine spürbar dicht und knurrt nach dem nächsthöheren Gang. Wie gesagt, Diesel und Sport, das passt halt einfach nicht. Was auch nicht passt ist das Schaltgetriebe. Nicht, dass es in seiner Funktion nicht gut wäre, es schaltet sich präzise und wie Butter. Aber die lange Übersetzung arbeitet gegen den müden Diesel und damit ist häufiges Schalten auch auf der Autobahn fast schon Programm. Man kann das natürlich auch lassen, den 6. reinpacken und der Dinge harren, die da kommen. Für meinen Fahrstil und mein Gemüt ist das aber nix. Vielleicht brauche ich da noch 10 Jahre des körperlichen Zerfalls bis ich diese Form der Akzeptanz und Resignation in einem Auto akzeptiere. Oder aber ich fluche weiterhin in den Tacho rein. Apropos Tacho, über die Ablesbarkeit bei Tag kann man durchaus diskutieren...
Nach einiger Zeit muss ich etwas eingestehen. Die Verwandtschaft des C200 zum meinem C350 ist nicht so eine enge, wie ich es gerne gehabt hätte. Die auch beim C350 noch überschaubaren sportlichen Ambitionen sind beim C200 komplett weg vom Fenster. Sport ist ganz offensichtlich nicht seine Welt, dafür aber scheint der kleine C eine sichere Festung zu sein. Das Fahrverhalten ist so gutmütig wie ein lauwarmes Glas Milch mit Honig. Und diese Wirkung hat er auch auf den Fahrer, man möchte hier keinen Sport machen, nicht hetzen und auch das mit dem Überholen lässt man irgendwann automatisch. Entspannt mit dem Verkehr mitschwimmen, den Diesel in Ruhe lassen und damit auch Ruhe bewahren. Moment, erzieht mich der CDI etwa um zu einem Schleicher? Brauch ich demnächst einen Hut, Hosenträger und Wackeldackel? Und Zigarren?
Nein, meine Sorge verflüchtigt sich augenblicklich, als ich den C200 wieder abgebe und mit meinem C350 die Heimfahrt antrete. Hier fühle ich mich noch ein Quäntchen wohler, die Maschine ist unendlich viel munterer und so unsportlich erscheint mit mein Dickschiff plötzlich gar nicht mehr. Also, alles gut.
Nach einigen Kilometern auf freien deutschen Autobahnen fällt dann natürlich auch noch etwas anderes ins Gewicht, im wahrsten Sinne des Wortes. Offizielle 1615kg auf einen kurzatmigen Diesel mit 136PS, das ist keine wirklich souveräne Kombination. So kämpft sich der lange Lulatsch spürbar abgemüht Steigungen hoch und Überholmanöver wollen auch lange vorher geplant sein. Spontanes Überholen liegt einfach nicht drin und ich erwische mich des Öfteren beim Griff zum Blinkerhebel, schalte dann aber doch nochmal einen Kuchen runter. Immerhin, die 300Nm des Triebwerks kommen früh, gut dosiert und stehen vom subjektiven Eindruck auch über das gesamte nutzbare Drehzahlband zu Verfügung. Wobei, bei 4000 Umdrehungen macht die Maschine spürbar dicht und knurrt nach dem nächsthöheren Gang. Wie gesagt, Diesel und Sport, das passt halt einfach nicht. Was auch nicht passt ist das Schaltgetriebe. Nicht, dass es in seiner Funktion nicht gut wäre, es schaltet sich präzise und wie Butter. Aber die lange Übersetzung arbeitet gegen den müden Diesel und damit ist häufiges Schalten auch auf der Autobahn fast schon Programm. Man kann das natürlich auch lassen, den 6. reinpacken und der Dinge harren, die da kommen. Für meinen Fahrstil und mein Gemüt ist das aber nix. Vielleicht brauche ich da noch 10 Jahre des körperlichen Zerfalls bis ich diese Form der Akzeptanz und Resignation in einem Auto akzeptiere. Oder aber ich fluche weiterhin in den Tacho rein. Apropos Tacho, über die Ablesbarkeit bei Tag kann man durchaus diskutieren...
Nach einiger Zeit muss ich etwas eingestehen. Die Verwandtschaft des C200 zum meinem C350 ist nicht so eine enge, wie ich es gerne gehabt hätte. Die auch beim C350 noch überschaubaren sportlichen Ambitionen sind beim C200 komplett weg vom Fenster. Sport ist ganz offensichtlich nicht seine Welt, dafür aber scheint der kleine C eine sichere Festung zu sein. Das Fahrverhalten ist so gutmütig wie ein lauwarmes Glas Milch mit Honig. Und diese Wirkung hat er auch auf den Fahrer, man möchte hier keinen Sport machen, nicht hetzen und auch das mit dem Überholen lässt man irgendwann automatisch. Entspannt mit dem Verkehr mitschwimmen, den Diesel in Ruhe lassen und damit auch Ruhe bewahren. Moment, erzieht mich der CDI etwa um zu einem Schleicher? Brauch ich demnächst einen Hut, Hosenträger und Wackeldackel? Und Zigarren?
Nein, meine Sorge verflüchtigt sich augenblicklich, als ich den C200 wieder abgebe und mit meinem C350 die Heimfahrt antrete. Hier fühle ich mich noch ein Quäntchen wohler, die Maschine ist unendlich viel munterer und so unsportlich erscheint mit mein Dickschiff plötzlich gar nicht mehr. Also, alles gut.
Fazit
Noch nie war es langweiliger, einen Benz zu fahren. Und ich denke, das ist gut so, weil als solcher wurde der C200 konzipiert. Das ist eines jener Autos, die einem ohne Punkt und Komma von A nach B bringen und dabei so unscheinbar sind, wie es "ein Auto" nur sein kann. Und, trotz der stattlichen Länge ist der C dank dem grossen Lenkeinschlag überraschend wendig und auch wirklich übersichtlich. Die letzten 30cm kann man getrost der guten Parkdistanzpiepse überlassen. Für mich disqualifiziert sich damit der C200 hauptsächlich wegen seiner Motorisierung und damit gibt er auch jene Souveränität auf, welche für den Ruf eines Benz' schon fast verpflichtend ist. Ich möchte in einem Stern nicht den Motor an seiner Leistungsgrenze bewegen müssen, nur um an einer Steigung einen LKW zu überholen. Dafür gibt es genügend Kleinstwagen und Kleinlaster.
Kaufen?
Ja, nein, ich mein, jein. Die C-Klasse aus der Baureihe 204 scheint gerade in der letzten Generation (Mopf) auch als Gebrauchter ein solides, zuverlässiges und problemlos zu fahrendes Auto zu sein. Der Innenraum hat gute Nehmerqualitäten und vorausgesetzt man pflegt so ein Auto auch von Zeit zu Zeit, sieht auch die Aussenhülle nach 100TSD km nicht aus wie Sau. Abraten würde ich aber auf jeden Fall zu dem kleinen Diesel und der Handschaltung. Vor allem in Kombination. Dann lieber eine der nächsthöhere Motorisierungen wählen und die 7-Gang Wandlerautomatik. So wie z.B. der 156PS Turbobenziner im C180 aus der 205er Baureihe. Den hatte ich wesentlich agiler in Erinnerung. Damit wird der C zwar immer noch nicht zum Sportler, erhält dafür aber zumindest ein wenig mehr Souveränität und Gelassenheit.
Ja, nein, ich mein, jein. Die C-Klasse aus der Baureihe 204 scheint gerade in der letzten Generation (Mopf) auch als Gebrauchter ein solides, zuverlässiges und problemlos zu fahrendes Auto zu sein. Der Innenraum hat gute Nehmerqualitäten und vorausgesetzt man pflegt so ein Auto auch von Zeit zu Zeit, sieht auch die Aussenhülle nach 100TSD km nicht aus wie Sau. Abraten würde ich aber auf jeden Fall zu dem kleinen Diesel und der Handschaltung. Vor allem in Kombination. Dann lieber eine der nächsthöhere Motorisierungen wählen und die 7-Gang Wandlerautomatik. So wie z.B. der 156PS Turbobenziner im C180 aus der 205er Baureihe. Den hatte ich wesentlich agiler in Erinnerung. Damit wird der C zwar immer noch nicht zum Sportler, erhält dafür aber zumindest ein wenig mehr Souveränität und Gelassenheit.
Kommentare
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