Alles Geschmackssache

 
Vorwort
Design und Formen sind ja wie das Gülleführen schlussendlich Geschmackssache. Und dass man ab und an mal über die Farbe eines Autos die Nase rümpft soll ja auch mal vorkommen. Nicht jeder mag mit dem Lineal gezeichnete Autos. Oder eben das Gurkengrün des Subarus vom Nachbarn. Aber manchmal ist sich die Mehrheit einig, wenn es darum geht, dass ein Schlitten einfach mal überhaupt nicht geht und eine furchtbare Beleidung für's Auge darstellt. Bei Häusern gibt es Bauvorschriften, man darf sein Haus nicht einfach pink mit lila Punkten anmalen und ein Dach in Form eines Cowboyhutes draufpacken. Bei Autos würden solche Vorschriften auch mal gut tun.
 
Der Ssangyong Rodius
 
Kleenex auf dem Armaturenbrett - weil's einfach zum Heulen ist
 
Dieses Ungetüm lässt einem erstmal sprachlos und aus lebenserhaltendem Reflex einen Schritt nach hinten machen. Und das liegt jetzt nicht an der farblich unpassenden Dachbox. Dieser Koffer kommt fürs Auge dermassen falsch rüber, wie eine Schwarzwäldertorte mit Senf statt Sahne und Essiggurken statt Kirschen. Pfui Teufel.
 
 
Von hinten wird das alles auch nicht besser. Warum man sich hier dazu entschlossen hat, dem Rodius auch noch einen Buckel zu verpassen wissen nur die Götter. Es scheint, als ob man den Rodius nicht mit Liebe, sondern mit abgrundtiefem Hass gezeichnet hat. Und dass man Designanleihen an den älteren Baureihen aus dem Hause Daimler genommen hat, lässt den Rodius nur noch mehr als Frankensteins Monster dastehen. Tötet das Ding mit Fackeln und Mistgabeln!
 
 
Der Toyota Prius
 
 
Es kann dem Käufer ja wurscht sein wie das Ding aussieht, Hauptsache es fährt halbelektrisch. Das wird sich der Designer vom Prius wohl gedacht haben, als er diese Ansammlung von falschen Proportionen zu Papier gebracht hat. Und mit "ES" ist auch schon alles gesagt, ES ist ein Ding der Unmöglichkeit.
 
 
Putzige Front, viel zu kleine Räder und ein Heck, welches den Drang nach einem vorsätzlichen Auffahrunfall auslöst. Egal wie, der Prius hat einfach keine Schokoladenseite, er ist von vorne wie hinten wie von der Seite einfach nur so schön wie eine Lawine im Schlafzimmer morgens um drei, es ruiniert einfach den Schlaf.
 
 
Der AMC Gremlin
 

Offensichtlich hatte man bei AMC Anfangs der 70er Jahre die Idee, man könnte nach der ausklingenden Muscle-Car Ära sowas wie einen Hatchback unters Volk bringen. Günstig soll er sein und natürlich kompakt. Und die Passagiere auf den hinteren Reihen sollen konsequent darüber im Unklaren gelassen werden, was denn so in der Welt passiert. Hat aber auch einen Vorteil, wenn man an einer Schaufensterpassage vorbeifährt, müssen wenigstens die Fondpassagiere dieses blechgewordene Elend nicht im Spiegelbild betrachten.
 
 
Die Rallystreifen widerspiegeln übrigens keine überbordende Sportlichkeit, sondern die schiere Verzweiflung der Designer, diese Mutter aller C-Säulen etwas weniger scheusslich daherkommen zu lassen. Immerhin, aus dem Schrott dieses Autos liessen sich zwei komplette Dodge Charger Karosserien rausklöppeln. Mit Spoilern.   
 
 
 
Der AMC Pacer
 
 
Und wieder AMC. Die 70er haben ja eine Menge Gutes hervorgebracht. Der Pacer gehört aber definitiv auch nicht dazu. Während Volkswagen Erfolge mit dem ersten Golf feierte, war man bei AMC vermutlich noch in den 60ern und einem LSD Trip hängen geblieben. Anscheinend hat man aus dem Debakel mit dem Gremlin nix gelernt. Ausser, dass die hinteren Passagiere auch gerne mal zum Fenster rausschauen, mit der aquariumgleichen Verglasung ist man aber ordentlich über's Ziel hinausgeschossen. Stellte man den Pacer in die Sonne, konnte man auf dem Rücksitz innert zweieinhalb bis drei Stunden problemlos ein erstklassiges Rinderfilet niedergaren. Der Pacer musste auch nicht auf dem Schrottplatz entsorgt werden, man konnte ihn einfach ins Altglas reinschmeissen.  
 
 
Rundlutschen war hier das grosse Motto. So hat man den ersten Entwurf des Pacers aus Nutella gemacht und in die Kaffeeecke bei der AMC Designabteilung gestellt. In einem Memo forderte man die Mitarbeiter dazu auf, jedesmal an dem Entwurf zu lecken, wenn man sich einen Kaffee holen wollte.  
 


 
Zum Glück hat jemand die Klappscheinwerfer weggeleckt.  
 
Der Ford Scorpio
 
 
Von vorne wie hinten, dieses Auto ist mehr deprimierter Frosch als Fahrzeug. Das Auto guckt, als ob es förmlich danach schreit; "Fahr mich bitte in die nächste Wand, damit dieses Elend endlich ein Ende hat!". Und ja, spätestens bei den obligatorischen Crashtests hätte man bei Ford bemerken müssen, dass das Auto nach einem Frontalaufprall besser aussieht als vorher.
 
 
Auch hinten hat man's bei Ford knallhart durchgezogen. Wenn er schon von vorne strunzdämlich aussieht, soll das von hinten auch nicht besser sein. Die Spoilerkante an der Heckklappe lässt mich vermuten, dass diese im Designbüro während einer Weihnachtsfeier entstanden ist. Irgendein besoffener Praktikant hat die wohl noch schelmisch kichernd auf den finalen Entwurf gepinselt und freut sich heute noch diebisch darüber, dass sie es bis in die Produktion geschafft hat.
 
Der Fiat Multipla
 
 
Die Hoffnungslosigkeit auf Rädern. Auch hier diente vermutlich ein Karton als Designgrundlage. Diese hat man dann von einem Fünfjährigen komplettieren lassen, welcher einfach ein paar Fenster draufgemalt und ein paar Stecknadeln als Scheinwerfer reingesteckt hat. Die Heckleuchten entspringen der künstlerischen Freiheit seiner Hostentasche und stammen übrigens von Haribo.
 
 
Und als ob die Aussenhaut nicht schon übel genug gewesen wäre, hat man den Innenraum auch gleich von demselben Fünfjährigen designen lassen. Dafür hat man ihm einfach eine grosse Tube Schnellkleber und eine Kiste voll mit Tupperware und Duplo Legoteilen hingestellt, zwei Stunden später hat man im Vorstand von Fiat das Go für die Produktion gegeben.
 
 
Immerhin, es hat eine Menge Becherhalter im Multipla. Da kann man sich gleich mal ein Sixpack Bier in den Innenraum packen, weil nüchtern ist dieser Blödsinn aus Plastik und Bussitzen ja kaum auszuhalten. Besoffen ist das alles nicht ganz so schlimm, allerdings darf man dann ja auch nicht mehr fahren. Was im Falle dieses Fiats eine Win-Win Situation ist. Das beste Fahrgefühl bot der Multipla in einer blickdichten Garage.
 
So sehr ich die Italiener liebe, wenn es um Design und Ästhetik geht, aber hier schien man irgendwie einen Hass auf die autofahrende Menschheit gehabt zu haben. Was haben wir euch denn getan?  
 
Der Pontiac Aztek
 

Und wieder die Amerikaner. Und wieder der Aztek. Nicht nur, dass dieses Auto genug gestraft gewesen wäre mit dem bescheuerten Namen. Nein, als er schon am Boden lag, hat man ihm gleich noch in den Bauch getreten. Das ganze Auto scheint, als ob man sich an ein grosses Zeichenbrett gesetzt hätte und statt mit einem Stift gezeichnet, in einem Anfall von Rage mit einer Axt drauf eingedroschen hat. Räder dran, zack fertig. 
 
 
Hier kann man von Glück reden, dass es dieses Auto nie bis nach Europa geschafft hat. Wir hätten damit nur noch mehr Aggressionen auf den Strassen gehabt und vermutlich wären die heutigen Waffengesetze auch komplett anders.
 
 
 
Der Nissan Cube
 

Zack, und wieder ein Schuhkarton als Designgrundlage. Futuristisch soll er sein. Wegweisend in Form und Funktion. Gottseidank hat niemand auf Nissan gehört, als sie diese mit Bullaugen und Glotzoptik versehene Ausgeburt der Anime-Hölle zum neuen Van-Standard erklärt und auf die Strasse gebracht haben.
 

Auch dieses Heckfenster, welches nahtlos in die Seitenfenster hinübergeht, lässt einem bestenfalls das Gehirn einfrieren, als ob man ein Eis zu schnell gegessen hat.
 
Der Ssangyong Actyon
 
 
Was zum Teufel? Musste das jetzt nach dem Rodius auch noch sein? Liebe Koreaner, WTF? Spätestens beim Zeichnen muss sich der Designer doch das Handgelenk gebrochen haben. Oder die Schulter ausgerenkt. Ab und zu sehe ich noch so ein Ding auf der Strasse und ich habe immer wieder dieselbe Reaktion, ich möchte so schnell wie möglich Abstand dazu gewinnen. Es kann nicht gesund sein, sowas über längere Zeit zu betrachten. Eigentlich ein Fall für die WHO. Und die UNO. Bombt die Dinger von der Strasse! 
 
 
Wuäch...
 

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