Audi A3 1.4 TFSI e-tron Sportback Ambition
Vorwort
Es gibt ja bekanntlich für alles ein erstes mal. Die erste Zitrone, die erste Pizza, der erste Kuss, die ersten 220 Volt durch den Finger und das wichtigste überhaupt: DAS erste mal. Auch für mich war's mal wieder soweit für ein erstes mal, ich durfte das erste mal ein H-Auto fahren. Also so eines, das den Verbrennungsmotor und den elektrischen Antrieb so kombiniert, dass am Schluss das Beste aus beiden Welten dabei rumkommt. Und als Kirsche obendrauf, dieser automobile Frankenstein soll angeblich auch noch den Durst eines Spielzeugbaggers haben. Nun, trotz der vollmundigen Versprechungen, welche die (Plug-In) H-Technologie mit sich bringt, waren meine Erwartungen etwas gedämpft. Zu Recht?
Was denn?
Ein Audi A3 1.4 TFSI e-tron, bestehend aus einem aufgeladenen 1.4 Liter grossen Benzinverbrenner mit 150PS und einem Elektromotor mit nochmal 102PS, total 350Nm und theoretisch 252PS "Systemleistung". An der ganzen Technik pappt ein 6-Gang Doppelkupplungsgetriebe welches die Kräfte auf die vorderen 18"-Hufe leitet.
Laufleistung
6400km
Wie weit?
ca. 140km.
Handbuch gelesen?
Nicht, nein.
Erster Eindruck
Unverkennbar ein Audi. Gewohnt schickes Gewand ohne Schnörkel. Man sieht ihm, im Gegensatz zu anderen Autos mit einer drei im Namen, nicht an, dass er Öko ist. Keine grünen und blauen Badges an jeder Ecke die ihre Mehrbesserheit optisch penetrant in die Welt rausschreien. Etwas bieder, aber in dem Kontext nicht unsympathisch.
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP, aktiver Spurhalteassistent.
Innenraum
Kennen wir ja eigentlich alles schon aus dem 2.0er TDI. Materialien gut, Bedienkonzept freundlich, alles gut ausgeleuchtet mit weissen LED's, die das Ambiente eines modernen Kühlschranks in den Innenraum bringen, hier fühlt sich die Wurst wohl. Alles in allem zwar etwas langweilig, dafür aber sinnvoll angeordnet und aufgeräumt. Wer keinen Stuck im Auto mag, wird hier glücklich. Glücklich wurde ich auch mit den Sitzen.
Da hat man in Ingolstadt keine Kosten und Mühen gescheut und wirklich gut konturierte Stühle in den bisexuellen A3 gepackt, welche auch auf langen Strecken sicherlich angenehme Dienste leisten. Bis hierhin merkt man noch nichts von dem elektrischen Gedöns. Doch halt! Was ist das denn?
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Hier werden keine Drehzahlen gemessert. Dafür aber Ampere gelöffelt. |
Bei den klassischen Rundinstrumenten wird's dann etwas komisch. Nicht wegen den 280km/h Endgeschwindigkeit. Anstelle des Drehzahlmenderez prangert hier ein Voltmeter das ökologische Gewissen an. Und zu meinem Erstaunen, die Batterie ist bei Erhalt des Autos so gut wie leer. Na gut, ich hab noch etwas Weg vor mir, das sollte reichen um ein paar Ampere in den Akku zu packen.
Die ersten Kilometer
Wie bereits bemerkt, rein Elektrisch geht im A3 nix auf den ersten Kilometern. Beim Drücken auf den Startknopf springt sofort der Vierzylinder im Bug an. Fühlt sich also nicht unbedingt anders an als ein normaler A3.
Nach 10 Kilometern
Immer noch nix rein elektrisch. Der Druck auf den E-Knopf in der Mittelkonsole quittiert der A3 mit einer Meldung im Tacho, kein Anschluss unter dieser Nummer. Abgesehen davon das von e-tron noch nicht viel zu merken ist, ist der Audi aber ein ganz lieber. Zumindest unter Teillast ist der A3 einer von der leisen Sorte, dazu trägt einerseits die eher weiche Leistungsentfaltung und das tolle Fahrwerk bei. Ich stell mich auf eine entspannte Fahrt nach Hause ein.
Multimediaplunder
In diesem A3 war "nur" die schlicht Audi Soundsystem genannte Kapelle verbaut.
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Klimamediaschalta. |
Mit dem Hifikram im A3 war ich etwas im Zwiespalt. Klang das Ganze bei normaler Lautstärke etwas quengelig und näselnd, trumpfte die Anlage bei hohen Pegeln so richtig auf. Eine Snaredrum klang wie eine Snaredrum zu klingen hat und die Bässe gingen durch Mark und Bein. Ich muss dieser Anlage bei hohen Pegeln eine wirklich erstklassige Lebendigkeit attestieren. Umso mehr find ich es schade, dass es bei normaler Lautstärke im A3 klingt als ob man ein Handy in einem Blecheimer geschmissen hat. Damit komm' ich nicht wirklich klar, man möchte sich ja nicht dauernd Mötorhead in Konzertlautstärke reinziehen. Über die Bedienung des MMI bin ich schon mal drübergefahren, gefällt mir einfach immer noch nicht. Warum zum Kuckuck muss ich den dicken Regler nach links drehen, wenn ich in den Menüs nach unten will? Alle Welt dreht dafür nach rechts. Und wieso zum Geier können die Schalter im Audi nicht einfach nur klicken oder ploppen? Wieso müssen die so ein vertrauensvernichtendes, hartes Knackgeräusch machen? Liebe Leute bei Audi, Abteilung Innenraum; es fällt euch wirklich kein Ei aus dem Sack, wenn ihr mal was macht wie die anderen.
Die Fahrt
Wie schon gesagt, ich hatte keine überbordenden Erwartungen. Und diese eher überschaubare Erwartungshaltung dem E-A3 gegenüber wurde auch nicht enttäuscht. Mehr oder weniger. Gleich zu Anfang auf der Auffahrt zur Autobahn wollte ich natürlich wissen, was liefert dieser wattstarke A3 denn nun wirklich ab? Auf dem Voltmeter steht ja tatsächlich "BOOST MAX", ein Superlativ! Und dabei kommt mir spontan ein Lämpchen im Cockpit des Space Shuttle in den Sinn. Wenn das angeht, steht der ganz grosse Otto in der Mitte in Flammen und man kriegt mindestens einen grossen Koffer voll G-Kräfte von John Rambo höchstpersönlich in den Nacken geballert. Wie gesagt, meine Erwartungen waren nicht sehr gross, nein gar nicht. Aber hey, "BOOST MAX"!
Tatsächlich verhielt sich die Bewegung des weissen Zeigers beim Kickdown in eben den Bereich "BOOST MAX" für mich in etwa so: Das Getriebe schaltet gefühlte zwölf Gänge ordentlich flott runter, der 1.4er TFSI kotzt alles was er hat in das weisse Telefon rein und der E-Motor hält ihm die Haare dabei. Der subjektive Vortrieb hält sich in enttäuschenden Grenzen, hauptsächlich weil der Verbrenner dermassen gequält aus dem Motorraum sein Unwohlsein verkündet, dass man fast schon Mitleid empfindet. Nein, um Gottes Willen, das hat weder mit BOOST noch mit MAX was zu tun. Und der unangenehme Nebeneffekt dabei ist, dass die Batterieladestandsanzeige auch noch einen weiteren Strich dabei verliert, vermutlich um mir noch eins reinzuwürgen, was fällt mir auch ein hier Leistung abzurufen? Aber vielleicht habe ich in meiner Jugend einfach nur zu viel Knight Rider gekuckt. Der konnte ja quasi unendlich boosten und den hat man ja auch nie, wirklich nie an der Tanke stehen sehen. KITT fuhr vermutlich mit Michaels alten Lederjacken.
Weiter im Text, der Audi hat ja noch ein paar andere nette Gimmicks. Die Anlage ist mittlerweile permanent auf Konzertlautstärke, und wie gesagt, das kann sie richtig gut und das hilft mir ein wenig über die akustische Enttäuschung bei vollem Systemleistungsabruf hinweg. Der Tempomat ist von der passiven Sorte, also kein sozial angehauchtes Abstandsradar welches mich beim Auffahren auf LKW's sanft einbremst. Dafür hat dieser A3 einen aktiven Spurhalteassistent. Ich hatte ja letztens schon in einem Hyundai Tucson das Vergnügen mit solch einem elektronischen Fahrspurhalter. Und ich fand den dort gar nicht mal so toll, für mich schien das System noch nicht ganz fertig entwickelt und dies war in meinen Augen wiederum dem eher günstigen Segment des Herstellers geschuldet. Im Audi war das ganz anders. Das System war zwar mindestens so miserabel in seinem Job, aber dafür ist der Hersteller im Premiumsegment unterwegs. Und auch wenn ich jetzt hier Post von einem Anwalt aus Ingolstadt riskiere, aber das was ihr da in den A3 gebaut habt, das verdient keinen Aufpreis und ist einfach nur völlig doof. Auf der Geraden zu nervös, rumzuckend, gleichzeitig mit verhärteter Lenkung und in langgezogenen Kurven hat der Assi einfach irgendwann das Handtuch geschmissen. Sorry Leute, aber sowas find ich wirklich Scheisse, das könnt ihr sicherlich besser als die Mitbewerber in Korea. Hm?
So, wie man merkt, der e-tron hat sich's an diesem Maluspunkt bei mir etwas versaut. Wiederum punkten konnte er mit dem guten LED Adaptive Light und der wirklich stimmigen Fahrwerksabstimmung in allen Programmen. Nicht zu sanft, nicht zu straff und damit wirklich auf Premium-Nivea. (den Diesel-A3 habe ich etwas straffer in Erinnerung)
Zumindest für ein paar Kilometer. Dann kam nämlich der nächste Hammer.
Der eine oder andere kennt das, man hat sein Auto gewaschen und die Chemikalien im Wasser der modernen Waschanlagen garantieren beim ersten Regen eine Perfekte Milchglassimulation, sobald der Scheibenwischer dank Regensensor das erste mal über die Windschutzscheibe schmiert. Kein Problem, ein, zweimal an der Scheibenreinigung gezogen und schon löst sich das Problem irgendwann in Wohlgefallen auf. Nicht bei diesem A3. Ca. fünf Sekunden nachdem die Sauerei von der Aussenseite der Scheibe weg war, beschlugen sämtliche Innenscheiben umgehend und ich war mal kurz auf Blindflug, trotz laufender Klimaanlage. Nun ja, wenn man gerade mit "MAX BOOST" in Richtung Weltall fliegt, ist das relativ wurscht, weil da hat's ja links und rechts ca. drei Millionen Kilometer Platz und auch nicht soviel Verkehr wie auf der A13. Aber wenn man gerade nachts und bei strömendem Regen über die Autobahn schwimmt, dann ist das alles nur so semigeil. Klar, nach ein paar Sekunden waren die Scheiben wieder klar und der Spuk vorbei. Leider änderte das nichts an der Tatsache, dass ich den Eindruck hatte, hier wurde etwas massivst fehlkonstruiert. Und nicht, dass dies ein einmaliger Faux-pas des A3 war, nein, diese Nummer konnte man beliebig oft wiederholen. Fand ich nicht so toll.
Nach ca. 100 Kilometern Fahrt sprang dann auch der zweite Balken in der Batterieladestandsanzeige wieder in das Voltmeter rein. Bremsen hilft beim Laden, vor allem wenn man grad nicht sieht, wo man hinfährt. Diesen Zuwachs an elektrischer Hilfskraft habe ich dann an der ersten Kreuzung auf einer langen Geraden dazu genutzt, einen flotten Start hinzulegen. "MAX BOOST", Pedal in den Teppich und kucken was kommt. Zugegeben, wenn die volle Leistungsmannschaft im e-tron versammelt ist, dann geht der aus dem Stand schon ordentlich vorwärts. Aber halt auch nicht ohne die Bereifung an der Vorderachse übelst zu malträtieren. 350Nm sind ne Menge Holz für einen Frontkratzer. Und ja, der 1.4er TSI klingt dabei wirklich nicht gut. So gerne ich Leistung habe und so wie ich auch einem wimmernden Reifen nicht abgeneigt bin, aber hierfür bevorzuge ich den Sound eines sportlicheren Triebwerks. Der A3 ist von den reinen Fahrleistungen zwar schon als sportlich einzustufen, aber akustisch klingt das einfach nur wie ein Sack voll Bohrmaschinen aus China.
Nun, das mit der platten Batterie sollte man ja nicht überbewerten. Schliesslich ist der e-tron ja ein sogenannter Plug-In, man kann seine Akkus also an der Steckdose laden. Dafür klappt man einfach die vier Ringe im Frontgrill beiseite und steckt ihm ein entsprechendes Kabel mitten in die Visage. Damit lässt sich dann vermutlich auch wirklich rein elektrisch Weg zurücklegen, ohne dass man dafür den 1.4er TFSI bemühen muss. Aber ganz ehrlich, das ist mir persönlich irgendwie zu strunzig. Wenn ich schon ein Kabel in ein Auto stecken muss, dann möcht' ich nen Tesla haben. Der hat wenigstens Wumms, kommt nicht so schizophren daher und ist im Auftritt ebenfalls eher von der dezenten Sorte.
Bäh. Und nur so etwas, was mir immer wieder mal durch den Kopf semmelt, wenn ich dieses H-Wort höre. Wie ökologisch ist eigentlich die Herstellung und der Recyclingprozess einer solch dicken Batterie und eines Verbrennungsmotors? Das ist nicht das beste aus beiden Welten, sondern eher das ökologisch dümmste.
Fazit
Eins vorweg; der A3 ist unter dem Strich ein richtig gutes Auto. Mit dem e-tron hat Audi den A3 aber zumindest für mich vermasselt. Das Antriebskonzept hält für mich nicht, was es verspricht. Und auf keinen Fall, ja nie und nimmer das hier:
32% Emissionsfrei?? Wann bitte ist das denn passiert? Der Strom in den Akkus wurde ja schliesslich durch den 1.4er TFSI mittels flüssigen Dinosauriern generiert. Das Auto lief zumindest bei mir auf der ganzen Strecke nie rein elektrisch. Und bitte, auch wenn er irgendwann vor meiner Zeit mit Haushaltsstrom geladen wurde; der raucht zwar nicht wenn er aus der Steckdose kommt aber deswegen ist er aber noch lange nicht emissionsfrei. Sorry Leute, aber das ist wirklich Blödsinn. Falls mir jemand der Audi AG hier eine plausible Rechnung machen kann, ich bin offen für eine Erleuchtung und werde dies hier auch gern publizieren.
Kaufen?
So, und jetzt nagle ich den Sarg des e-tron für mich persönlich endgültig zu. Wenn ich dieses Auto mehr oder weniger identisch bei Audi konfiguriere und kucke, wie viele Gummibärchen ich für diesen immensen Haufen Schotter kriege, dann fällt mir echt der Kiefer durch die Tischplatte. Für einen 1.4er TFSI mit teilzeitangestelltem elektrischem Hilfsantrieb? Seid ihr besoffen? Ne, aber danke.
Tja, fahr doch mal einen richtigen Hybriden, nicht so eine Schummelpackung. Vielleicht änderst Du Deine Meinung zum HSD. Obwohl ich weiß (vermutlich) schon was Dir dann alles nicht gefällt.
AntwortenLöschenDesign, Multimediaplunder, Sitze und die seltsame Meerschweinchenbadewanne zum Handy aufladen in der Mittelkonsole...aber hey, in einem Land, indem man Unterwäsche am Automaten kaufen kann, ticken die Uhren eben anders. Der Prius fährt jedenfalls Klasse und sparsam.
Ich bin ja wirklich offen für vieles und lasse mich auch gerne mal positiv wie negativ überraschen. Aber H-Autos packen mich nicht. Und es mag sein, dass sich der Prius klasse fährt und günstig im Unterhalt sein mag (hab ihn nicht gefahren, kann's also wirklich nicht beurteilen). Aber, gerade der Prius ist für mich schon optisch ein Tritt mit Anlauf in die Eier. Oder wie es eine Beifahrerin von mir letzte Woche noch bemerkte, als wir hinter einem aktuellen Prius hinterher gefahren sind; "Was soll denn die Scheisse? Spinnen die?". O-Zitat.
LöschenUnd ja ich weiss, in Japan läuft vieles anders, nicht nur in den Supermärkten und im öffentlichen Verkehr. Trotzdem, von mir aus kann der Prius noch Sprit in den Tank zurück spülen, ich würd' mir trotzdem lieber in den rechten Fuss schiessen, als dass ich mir sowas für Geld in die Garage packen würde. Weil, schlussendlich ist der Autokauf auch etwas fürs Auge und meinen Geschmack trifft der Prius nicht. Niemals. Nein. Nope. Und wenn er einen eingebauten Frittenautomaten mit einer lebenslangen Frittenflatrate hätte. Nicht. Sorry.