Die Autozubehörabteilung im Baumarkt
Vorwort
Baumärkte sind ja was feines. Als ich den Audi noch hatte, war ich quasi Stammgast am Gestell mit Motorenöl. Jeder war schon mal drin und jeder hat das was gefunden, was er eigentlich gar nicht gesucht hatte. Statt einem Sack Blumenerde wurde es dann eine komplette Gartenmöbelsitzgarnitur. Oder eine dritte Bohrmaschine. Und dazu noch ein Werkzeugset. Alles unschlagbar günstig! Doch oft stellt sich das vermeintliche Schnäppchen als Schuss in den Ofen heraus. Einmal gebraucht und schon im Teig. So ist es auch mir diese Woche ergangen, mit einem quietschorangen Starthilfegerät eines namentlich nicht erwähnten Herstellers.
Der Bedarf
Es musste alles sehr schnell gehen. Da kam ein Anruf von einem sehr netten LKW-Fahrer, er habe eine gute und eine schlechte Nachricht für mich. Die gute war, er habe ein rot weisses Auto auf dem Hänger, auf dessen Lieferschein mein Name steht. Die schlechte war, es springt nicht so gerne an. Die Batterie sei platt und überhaupt sei es vermutlich zu kalt dafür, dass der Vergaser seine Arbeit zuverlässig erledigen könne. Ich solle doch bitte ein paar Starthilfetools organisieren, damit wir den Schlitten nicht schieben müssen. Gesagt, getan, ab in den Baumarkt nach dem Motto;
Im Baumarkt
Vermutlich etwas zu euphorisch steuerte ich in einen der hiesigen Baumärkte rein, um eine Dose Starterspray und eine Starthilfebatterie zu besorgen, vorbei an Gartenstühlen, Plastikpflanzen und der Ölbar. Beim Spray konnte ich ja noch nicht viel falsch machen, aber vor dem Gestell mit den Starthilfegeräten war ich tatsächlich etwas überfordert und sowieso nicht ganz bei Trost, in ein paar Stunden sollte ja tatsächlich Romanoff in meiner heimischen Garage stehen. Also habe ich mich in einem üblen Anfall von geistiger Umnachtung für dieses kleine Kraftwerk entschieden und ihm noch ein paar Stunden Ladezeit gegönnt. Kurz bevor es um die Wurst ging, verkündete der Gerät, alles Roger, ich bin voll wie ein Eimer.
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Warnkleber überall! |
Schwer ist es und kann alles; Licht, Luft, Handy aufladen und für meine Zwecke halt eben, eine tote Batterie überbrücken. Oder eben, sollte alles können. Tatsächlich kam das dann alles ein wenig anders. Aber erstmal kam der LKW mit seiner kostbaren Fracht. Den giftgrünen Charger hat der gute Mann leider nicht auch noch bei mir abgeladen. Schade.
Den ersten Kontakt mit schweizerischen Strassen überliessen wir der Schwerkraft, für den Motorstart beanspruchte ich dann dieses orange Wundergerät aus dem Baumarkt. Batterie angeschlossen, Starterspray in den Vergaser rein und Schlüssel drehen. Aber statt dem satten Geräusch eines Anlassers aus dem Motorraum kam nach ein paar wenigen, müden Anlasserumdrehungen nur ein verhohlenes Paff! aus dem Startergerät, optisch untermalt von einer kleinen Rauchwolke von dort, wo der Hauptschalter sitzt. Und statt nach unverbranntem Benzin roch es nur nach dem Versagen von Billigkomponenten aus Asien. Aus einem Gerät, welches kurzfristig (und angeblich) 900 Ampere transportieren sollte, das reicht auch, um mal ein Haus abbrennen zu lassen. Mir dämmerte, da hab ich wohl einen schönen Mist gekauft. Strom kann eine Riesensauerei anrichten, wenn's schief geht.
Das habe ich nun davon!
Ich habe gespart. Ich habe nicht das teure Gerät aus dem Gestell genommen, ich habe mich für das Billigteil entschieden. Warum? Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Ich kann's nur darauf zurückführen, dass ich in Anbetracht der kommenden Ereignisse an diesem Tag, ich meinen sonst so messerscharfen Verstand verloren haben muss. Immerhin, mir ist nun auch klar, dass ich damit keine Handys oder dergleichen aufladen würde, ausser ich wollte herausfinden, wie schnell die Garantie eines Smartphones erlischt indem es in Flammen aufgeht.
Trotzdem, das Schicksal meinte es nicht so schlecht mit mir, auch wenn mir das an dem Tag sowieso völlig Banane gewesen wäre. Der Zufall wollte es, dass sowieso grade ein Kumpel mit dem Fiesta seiner Mutter am Ort des Nichtgeschehens (eines Motorstarts) eintraf und mittels dem klassischen Überbrücken erweckten wir den Chevy mit Ford-Strom zum Leben. Die darauffolgende Fahrt in die wohlige Tiefgarage war zwar kurz, aber eindrücklich. Und ja, es ist damit nun auch bewiesen, man kann ein Auto auch dann fahren, wenn es nicht versichert ist.
Fazit
Ja, wer hätte das gedacht, das billige Zeug taugt einfach nix. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass vermutlich jedes dieser Geräte beim ersten Gebrauch in Rauch aufgeht, aber ich für meinen Teil geh das Ding nächste Woche umtauschen, gegen etwas teureres von einem vertrauten Hersteller. Und dann investier ich noch ein paar Penunzen in einen Feuerlöscher. Der passt ja dann auch farblich zum Camaro. Willkommen zu Hause Dicker! Es freut mich, dass du stinkst wie ein Bagger und sehr zum Unwohl der Hausverwaltung auch schon dein Revier markiert hast.
Wir werden einen Menge Spass haben zusammen. Auch ohne rauchende Startbatterien.
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Yayyyyy! |
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