British Car Meeting Mollis 2016
Vorwort
Ich
mag die Briten, obwohl ich gestehen muss, noch nie in deren Heimat eine
Majestätsbeleidigung ins Auge gefasst zu haben. Z.B. ob Prinz Charles mit
seinen Löffeln auch von Timbuktu aus BBC empfangen kann oder ob er sich dafür an Camilla anstöpseln muss? Ich mag deren Humor,
den Silly Walk, die Ritter der Kokosnuss, John Cleese, vor allem seit er seinen
Facebookaccount persönlich zumüllt und die Selbstverständlichkeit der
britischen Zulassungsbehörden, auch mal einem Sofa mit Motor eine
Strassenzulassung zu verpassen. Ich mag das arme Schwein James Bond, welcher
sich dauernd (und meist gefesselt, das alte Bondage Ferkel) die Weltherrschaftspläne von grimmigen
Bösewichtern anhören muss, nur um dann doch nicht umgelegt zu werden und die Welt vor irgendeiner Doomsday-Device zu retten, welche die Welt in Schutt und Asche gelegt hätte. Darauf einen Wodka Martini. Und ich
mochte in meiner Jugend auch Benny Hill, welcher mit seinem zotigen Slapstick
meine Sonntage vor dem Fernseher erheitert hat. Vor allem aber mag ich so
vieles, was der britische Automobilbau hervorgebracht hat, auch das Zeug jener,
welche an genau mit so manch skurrilem Fahrzeug und mit wehenden Fahnen in den
letzten insolventen Sonnenuntergang geritten sind ("Das ist nur ein Kratzer in der
Bilanz!"). Damit war es für mich eine Pflicht, an einem Szenetreffen
teilzunehmen, nämlich an dem...
British Car Meeting in Mollis
Ja, da war ich nun, inmitten von Zigarre rauchenden Schnauzbärten und Unmengen von wohlriechendem Leder, sei dies als Kleidungsstück, als Sitzbezug oder auch mal um eine Motorhaube gespannt. Schon vom Parkplatz her konnte ich Dudelsäcke hören und ich meine, ich hätte auch irgendwo sowas wie Ölbindemittel gerochen. Gesehen habe ich aber keins. Zu meiner Erleichterung gabs auch Steak und Fritten ohne Pfefferminzsauce und kaltes Bier, wovon ich auf letzteres verzichtet habe und aufgrund der herrschenden Temperaturen literweise Wasser in mich reingeschüttet habe, welches dann auch auf direktem Weg wieder aus meiner Stirn geschossen kam. Das Wetter war erfreulich unbritisch...
British Car Meeting in Mollis
Ja, da war ich nun, inmitten von Zigarre rauchenden Schnauzbärten und Unmengen von wohlriechendem Leder, sei dies als Kleidungsstück, als Sitzbezug oder auch mal um eine Motorhaube gespannt. Schon vom Parkplatz her konnte ich Dudelsäcke hören und ich meine, ich hätte auch irgendwo sowas wie Ölbindemittel gerochen. Gesehen habe ich aber keins. Zu meiner Erleichterung gabs auch Steak und Fritten ohne Pfefferminzsauce und kaltes Bier, wovon ich auf letzteres verzichtet habe und aufgrund der herrschenden Temperaturen literweise Wasser in mich reingeschüttet habe, welches dann auch auf direktem Weg wieder aus meiner Stirn geschossen kam. Das Wetter war erfreulich unbritisch...
Die Atmosphäre
Es war zu erwarten, dass eure Lordschaften ihre funkelnden Besitztümer etwas dezenter zur Schau stellen, wie es eine Woche zuvor am selben Ort die Amerikaner taten. Und diese Erwartungen wurden vollends erfüllt. Nicht dass ich Burnouts nicht mag, im Gegenteil. Nix geht über einen stinkenden, schreienden, der Umwelt ins Gesicht spuckenden und Sauerei hinterlassenden Burnout. Nur, bei den Briten wäre dies völlig deplatziert, erstens weil ein Burnout mit einem Rolls Royce einfach komisch aussieht und zweitens weil er halt nicht geht. Nein, man setzt hier auf das bekannte britische Understatement, wobei Chrom trotzdem geduldet, ja sogar erwartet wird. Jetzt; Bilderschlacht, wo die Handyflatrate noch Sinn macht!
Miau! |
Daumen hoch! |
Spannend war das unwillkürlich mitgehörte Gespräch zwischen einem Mitvierziger und seiner Frau in der Nähe von diesem Auto: "Das ist genau so einer den ich will, die sind nicht so teuer wie ein MX5 aber man kann sie sparsamer fahren und reparieren könnte ich den selbst, ich brauch nur ein bisschen Zusatzwerkzeug. Der Beni hat auch so einen, weisst du noch? Seiner ist aber grün...". Es war so schön zu hören, wie dieser verliebte Narr seiner Frau ein Auto verkaufen wollte, dass sie ja eigentlich gar nicht haben wollte, er aber dafür umso mehr. Ich hoffe wirklich, er hatte Erfolg.
Da guckt der Mini |
Wer liebt den Ur-Mini eigentlich nicht? Man sieht sie ja nicht mehr so oft, aber wenn, dann freu' ich mich darüber, dass noch einer mehr einen Besitzer gefunden hat, der in hegt und pflegt. Der neue mag ja auch seinen Charme haben, aber an diesen kleinen Kurvenfresser kommt er gemäss einem Besitzer beider Autos fahrspasstechnisch nicht ran. Auch nicht als Cooper S.
E-Types sind einfach immer noch etwas vom Schönsten, was die britische Automobilindustrie jemals hervorgebracht hat. The End.
selbe Grundform... |
...komplett anderes Konzept. |
Über Morgan würde ich so gerne mal einen kompletten Beitrag hier veröffentlichen. Ich mag diese Konsequenz, dass man das Design seit gefühlten 100 Jahren einfach durchzieht, inkl. den Holzrahmen. Ich mag es, dass der Hersteller heute noch (wieder) den flinken 3-Wheeler herstellt und erfolgreich vertreibt. Und auch wenn dieser Aero 8 schielt wie ein besoffener Postkutscher, sein Gesicht ist so unverwechselbar wie jenes des Porsche 911.
Kein britisches Car-Meeting ohne ein Bond-Car. Ich hätte allerdings eher mit einem Aston Martin DB5 gerechnet, jener den ich als kleiner Lümmel als Spielzeugauto schon hatte, komplett mit Schleudersitz und Rammstosstangen und schusssicherer Stahlplatte im Heck. Ich habe mich aber nicht weniger gefreut über den schneeweissen Esprit, der zumindest im Film auch tauchen konnte, ohne dass man ihn danach wegschmeissen musste. Also, zumindest nicht im Film, da hat ihn Sir Roger Moore via Selbstzerstörungsknopf in die Luft gesprengt. Schade, aber es hatte immer noch mehr Stil als das schlichte Kaputtfahren in FnF.
Und da ist wieder so ein Morgan, dieses mal ein 3-Wheeler. Die gab's bereits 1932 und werden seit 2011 wieder gebaut. Und sie verkaufen sich anscheinend auch gar nicht mal so schlecht, dass soll mal ein anderes Auto aus 1932 nachmachen.
Rover Vitesse 3500 - fand ich schöner als die damalige S-Klasse, vermutlich wegen den Miami Vice Ferrari Daytona Blinkern |
Und hier habe ich meinen zweitliebsten Jag gefunden, ein XJ Coupé. Kommt in meiner persönlichen Jag-Hitparade ganz knapp hinter dem E-Type. Mir ist schleierhaft, wieso sich dieses Auto nicht gegen die Konkurrenz aus den deutschen Reihen durchsetzen konnte. Ah ja, doch, vielleicht lag's am schlechten Ruf. Wär mir persönlich egal gewesen, und rund zehntausend Käufern zum Glück auch.
Gangstercar |
Auch dieser Aston Martin hätte einen eigenen Artikel hier verdient. Auf den ersten Blick sieht der DB2/4 Mark III aus wie ein schlechter Traum von einem missglückten Restaurationsversuch. Mitnichten, wer genau kuckt stellt fest, dass dieses Auto in einem unvergleichlich guten Zustand ist und mit viel Liebe und vermutlich noch viel mehr Penunzen wieder zum Leben erweckt wurde. Ich kann nur spekulieren, aber der Name "Scheuni" deutet darauf hin, dass dieser Aston ein Scheunenfund war, technisch auf Vordermann gebracht und zumindest aussen in seinem Zustand als Scheunenfund konserviert wurde. Innen war der Aston wie geleckt. Für mich neben den hochglanzpolierten Schätzen auf dem Flugplatz Mollis das absolute Highlight. Ist das jetzt ein Brit Rod? Ein Rat Brit? Ich versuche ernsthaft, den Besitzer ausfindig zu machen, sollte ich dies schaffen und man lässt mich an das Auto ran, dann wird es hier zu finden sein.
So ziemlich jeder kennt die VW Bullys mit den Westfaliadächern. Aber wer kennt den Deluxe COMMER PB Autosleeper Campervan? Ich ab jetzt jedenfalls schon.
Mmmmh... |
Hoi, ein alter Bekannter! |
Ich hatte ja letztes Jahr die Ehre, einen Jaguar XK120 mit meinen eigenen Händen davon mit aller Vehemenz abzuhalten, mich und meinen Beifahrer in die Botanik zu parken. Das war ein hartes Stück Arbeit und eine völlig neue Dimension des Autofahrens. Ich kann wirklich verstehen, was die Faszination an den britischen Geräten ausmacht, sie haben eine eigene Seele, einen unverwechselbaren Stil (meistens) und im Gegensatz zu den amerikanischen Schiessbuden verlangen sie auch etwas öfters nach ein wenig Liebe in Form von Mechanikern oder Eigenleistung. Irgendwann parkt auch in meiner Garage ein alter Brite. Bis dahin übe ich bei Gelegenheit das Pfeife rauchen.
Detailstudien
Hier kommt der Picknicker! |
Was auch immer das für ein Viech im Logo sein soll, es hat eine Krone auf. Indeed. |
Auch hier wird's ab 5000 Umdrehungen teuer |
Dieses Eisenschwein gehört zu einem E-Type. Sogar der Motor ist eines der schönsten je gebauten Treibwerke. |
E-Type Interieur - könnt' ich Tage drin verbringen |
Feudales Reisewohnzimmer für den Earl of Sisslewusscastle |
Bond. James Bond. Ish. |
Spirit of Ecstasy - Emily |
Wo die Amis Raketen auf ihren Motorhauben hatten, hatte man in England noch Flügel. Und das alles ohne Red Bull.
Hier sehen wir Kunst aus allerlei Schrott. Da versteht jemand sein Handwerk. Geil. |
Ich bin Batman! |
Scheuni! |
Und wieder Flügel |
E-Type Endschalldämpfer - minimalistisch, aber leider geil. |
Commer Wohnzimmer für den Tee Pfünpfuhrtee |
Schön war der Ausflug in die Gefilde ihrer Majestät. Es war auch um einiges ruhiger als die letzten zwei Wochenenden. Das spricht für die Klientel jener, die den britischen Automobilen eher zugetragen sind, als jenen aus den vereinigten Staaten von Amerika. Man mag's einfach etwas gemütlicher, etwas entspannter und mit etwas mehr Understatement, auch wenn jetzt ein Rolls Royce nicht unbedingt ein unauffälliges Möbel ist. Mir hat's sehr gefallen, ich komme gerne wieder.
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