Pferdekutsche
Vorwort
Puschel war wirklich ein ziemlich ruhiges Pferdegemüt, das hab ich schon an seinem leicht pferdutzten Blick gesehen. Wie sonst liesse sich erklären, dass man ihm ein grünes Strickmützchen über die Ohren gezogen hat, ohne dass das mit Stricksachen dekorierte Tier komplett ausgezuckt ist? Vielleicht liegt's auch daran, dass Puschel irgendwann in der Vergangenheit seiner Hoden verlustig geworden war. Eine hodenlose Frechheit sozusagen.
"Man muss auch mal über seinen Schatten springen". Dies könnte ein Spruch aus einem der Fast'n Furious Filme sein, weil dort gelten ja meistens auch keine physikalischen Gesetze. Und das ist wiederum OK, weil, das sind ja Filme, welche von der Präsenz von Diesel leben und damit jede Truckerromanze in den Schatten stellen. Zurück zu der Schattenmetapher, die soll heissen, dass man auch mal fünfe gerade sein lassen soll. Öm, ach das wird nix, die Kurve krieg ich nicht mehr. Ich hab mich vor einiger Zeit mal in eine Pferdekutsche gesetzt. Hafermotor. Bio-PS. Kein Kat.
Was denn?
Eine Pferdekutsche mit, wen wundert's, Pferdeantrieb. Das Pferd hiess Puschel und seine Hausstrecke war der englische Garten in München.
Puschel war wirklich ein ziemlich ruhiges Pferdegemüt, das hab ich schon an seinem leicht pferdutzten Blick gesehen. Wie sonst liesse sich erklären, dass man ihm ein grünes Strickmützchen über die Ohren gezogen hat, ohne dass das mit Stricksachen dekorierte Tier komplett ausgezuckt ist? Vielleicht liegt's auch daran, dass Puschel irgendwann in der Vergangenheit seiner Hoden verlustig geworden war. Eine hodenlose Frechheit sozusagen.
Laufleistung
Hab ich vergessen zu fragen und ich hab dem Gaul auch nicht ins Maul geschaut. Wie rechnet man eigentlich die Laufleistung eines Pferdes? In Schritten? In Kilometern? Und ist im Galopp der Verschleiss höher gewertet als im Schritt? Hat so ein Pferd eigentlich eine Garantie? Auf welche pferdeckten Mängel müsste man achten? Man merkt, ich hab von Pferden in etwa gleich viel Ahnung wie vom Tiefseetauchen.
Wie weit?
Einmal durch den englischen Garten durch und wieder zurück.
Erster Eindruck
Erster Eindruck
Ich musste zu der Fahrt ein wenig überredet werden, musste mir also einen vom Pferd erzählen lassen. Nachdem ich die Achsen und die Räder gecheckt habe, bekam die Kutsche von mir das Prädikat "Pfährt". Und der Motor, so wurde mir versichert, sei ein ganz zivilisierter, wenn auch manchmal etwas eigensinniger Geselle. Zu meinem Glück hatte ich mir vor der Ausfahrt zwei gesunde Mass an steigender Risikobereitschaft in den Hals geträufelt. Konnte also losgehen.
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Gleichgültigkeitslikör |
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
Um Himmels Willen. Kein ABS. Kein ESP. Nicht mal einen Totwinkelassistenten gab's, im Gegenteil, man hat Puschel auch noch Scheuklappen in die Visage geschnallt. Was wenn uns ein Eiswagen überholen möchte und Puschel biegt dann einfach mal links ab? Immerhin, an der Kutsche hat's Licht, Sicherheit geht vor und da ist man ganz offensichtlich ziemlich rigoross.
Innenraum
Etwas knapp bemessen das alles. Vier Personen finden zwar Platz in dieser rustikal anmutenden Kutsche, aber man darf keine Berührungsängste haben. Beine ausstrecken is' nicht ausser an hegt seinem Gegenüber tiefere oder gar pferdorbene Gefühle. Hier gelten dieselben Platzverhältnisse wie in der Economy von Air Berlin, nur dass man sich da nicht gegenüber sitzt. Noch nicht.
Aber früher waren die Leute auch kleiner, in Anbetracht der Zeit in welcher diese Kutsche konstruiert worden war geht das i.O. Die Sitze waren jetzt nicht so meins, Seitenhalt gab's nur durch die Mitpassagiere auf der Innenseite und sowas wie ein kleines Treppengeländer aus Gusseisen auf Nierenhöhe an der Aussenseite. Für den Kutscher gab's eine breite Sitzbank ohne Rückenlehne. Man merkte schon, dieses Gespann war nicht von der sportlichen Sorte, so gesehen waren wir mit einer Vernunftskutsche unterwegs. Es hätte mich auch wirklich etwas pferdutzt hinterlassen, hätte Puschel eine Sporttaste gehabt.
Ansonsten gibt's zu dem Innenraum nicht viel zu sagen, ausser vielleicht dass die Kopffreiheit locker auch jener der eines Rolls Royce Dawn entspricht. Leider aber ist man damit auch dem Wetter hoffnungslos ausgeliefert, Dach gibt's keins, nur Ponchos und Hüte.
Etwas knapp bemessen das alles. Vier Personen finden zwar Platz in dieser rustikal anmutenden Kutsche, aber man darf keine Berührungsängste haben. Beine ausstrecken is' nicht ausser an hegt seinem Gegenüber tiefere oder gar pferdorbene Gefühle. Hier gelten dieselben Platzverhältnisse wie in der Economy von Air Berlin, nur dass man sich da nicht gegenüber sitzt. Noch nicht.
Aber früher waren die Leute auch kleiner, in Anbetracht der Zeit in welcher diese Kutsche konstruiert worden war geht das i.O. Die Sitze waren jetzt nicht so meins, Seitenhalt gab's nur durch die Mitpassagiere auf der Innenseite und sowas wie ein kleines Treppengeländer aus Gusseisen auf Nierenhöhe an der Aussenseite. Für den Kutscher gab's eine breite Sitzbank ohne Rückenlehne. Man merkte schon, dieses Gespann war nicht von der sportlichen Sorte, so gesehen waren wir mit einer Vernunftskutsche unterwegs. Es hätte mich auch wirklich etwas pferdutzt hinterlassen, hätte Puschel eine Sporttaste gehabt.
Ansonsten gibt's zu dem Innenraum nicht viel zu sagen, ausser vielleicht dass die Kopffreiheit locker auch jener der eines Rolls Royce Dawn entspricht. Leider aber ist man damit auch dem Wetter hoffnungslos ausgeliefert, Dach gibt's keins, nur Ponchos und Hüte.
Die ersten Meter
In einer offenen Pferdekutsche riecht es einfach anders als im Innenraum eines Opel Corsa. Es riecht nach Pflanzenzeug, kross gebratene Bratwurst, Sauerbraten, Rossmarinkartoffeln, Sonnencreme und Pferdehintern. In erster Linie aber riecht es nach Pferdehintern. Aber keine Sorge, das pferdirbt einem so eine chillige Ausfahrt an einem sonnigen Nachmittag nicht.
Nach einem Kilometer
Puschel puschelt sich gemütlich durch die Alleen des englischen Gartens und unter den 48"ern knirscht der Schotter. Der Kutscher lässt seinen furzenden Freund im ersten Gang knapp über Leerlauf durch die Botanik schlendern und ich find das auch gut so. Würde den Kollegen ganz vorne jetzt der Hafer stechen und damit auf Volllast wechseln, es wäre mit der heiteren Gelassenheit im Fond vorbei gewesen.
Multimediaplunder
Der sitzt vorne und erzählt, bevorzugt auch vom Pferd und wie er zu dieser kleinen Nebenbeschäftigung gekommen ist. Das ist auch alles was an Bordunterhaltung versammelt ist und das reicht auch. Aus gutem Grund besteht ja auch kein Markt für Bosesysteme in Pferdekutschen, ich hab jedenfalls noch nie eine krasse Tuningkutsche gesehen, aus welcher die aktuellen Charts rauf- und runtergebummst werden. Zum Glück.
Die Fahrt
Die Fahrt
Die riesigen Holzräder mit Massivstahlgürtel sind in Verbindung mit den Blattfedern nicht unbedingt eine wahnsinnig komfortable Kombination. Selbst das überfahren eines mittelgrossen Steins wird zur Herausforderung für die Passagiere, welche damit beschäftig sind, währenddessen nicht aus der Kutsche zu fallen, das Fahrwerk schwingt einfach zu sehr nach. Aber hey, das Ding hat "Redline Tires"!
Überhaupt habe ich versucht, den Antrieb bzw. die Bedienung dessen zu studieren. Puschel lässt sich mit einer Mischung aus Voice-Control und Ziehen an Lederriemen dazu bewegen, dort hin zu gehen wo die Fuhre hin soll. Die Funktionsweise der Steuerung per Stimme liess sich dadurch interpretieren, in welche Richtung Puschel seine Ohren grade pferdreht hat. Aber Puschel konnte auch komplett autonom, wenn der Kutscher nix sagt oder tut, geht der Zossen trotzdem dorthin wo er soll und crasht dabei auch nicht in irgendwelche Bretzenstände oder Leute welche in Badehosen mehr oder weniger gerade den Weg kreuzen. Das ist schon beeindruckend wenn man bedenkt, was für ein Tamtam zur Zeit stattfindet, wenn es darum geht, welcher Fahrzeughersteller aktuell gerade den grössten Pillermann das autonomste Fahrzeug am Markt hat. Ich würde sagen, so ein Pferd ist eine pferdammt ausgefuchste Sache, sozusagen Gaulonom.
Die Gelassenheit, mit welcher wir durch die Landschaft geschaukelt wurden hat mich dann auch etwas beruhigt und meine Bedenken hinsichtlich der antiquierten Technik beiseite gewischt. Apropos beiseite, unser Hafermotor kommt natürlich auch nicht ohne Emissionen daher. Es sind nicht die pferdauungstechnisch bedingten infernalischen Flatulenzen, welche so eine Fuhre fahren lassen, es ist die feste Nahrung, welche man vorne reinfüllt. Und leider sind auch die festen Nahrungsabfälle nicht einfach so vom ökologischen Tisch zu wischen. Vielmehr benötigt man dazu eine Schaufel und einen Eimer. Aber mal kurz darüber nachgedacht, das ist irgendwie immer noch besser als CO2-Abgaben und Hubraumsteuer. Beides Kacke, aber wenigstens kann man mit dem Pferdemist auch noch erstklassige Rosen züchten.
Die Rundumsicht aus dem Konstrukt aus Holz, Schmiedestahl und Leder war phänomenal. Nach links, rechts und hinten störte so gar nichts die Sicht auf Wiesen, Bäume und hysterisch knippsende Asiaten, welche sich wohl irgendwann das Victoryzeichen operativ aus der Hand entfernen lassen müssen, weil sie beim Popeln immer einen Finger im Auge haben. Die Sicht nach vorne wurde gesäumt von gezäumtem Zaumzeug und einem hypnotisch her- und hinwackelnden Hintern. Auch hier, die Entspannung des Motors war deutlich zu sehen und unterstrich meine neu gewonnene Erkenntnis: Entspannung lässt sich dadurch messen, wie locker so ein Hintern gerade ist. So gesehen ist meine finale Erkenntnis über's Kutschenfahren zwar über, aber nicht für den Arsch. Passt damit wunderbar in unsere pferdrehte Welt.
Fazit
Der englische Garten in München ist super. Quasi unendlich viel Bier, was will man mehr. Und damit ist eigentlich alles da was man dazu braucht, um Bedenken aller Art mal kurz zu überdenken. Ich war ja wirklich nie ein wahnsinniger Freund von Pferden. Sie sind so gross. Gemäss einiger Pferdekenner können sie auch mal so richtige Idioten sein. Und sie haben den grösseren Kopf wie ich, denken also vermutlich auch viel zu viel nach ohne dass was gescheites bei rauskommt. Aber aus so einem Gestüt kommt wohl auch oft ein gutes Gemüt. Und ich kann schon verstehen, dass man so ein Pferd liebhaben kann und so eine Kutschenfahrt romantischer ist, als für dieselbe Menge an Penunzen zwei Stunden lang Vin Diesel zuzuschauen, wie er die Mimik von Mr. Potatohead einmal rauf und runterleiert. Damit wäre der Kreis geschlossen. Hört auf eure Frauen und Freundinnen in Vin Diesels F&F Filme zu schleppen. Mietet euch ein Pferd mit Anhänger hinten dran. Und das muss nicht zwingend in München sein, das kann man auch in Rosstock oder Rossenheim.
Kaufen?
Kaufen?
Ja komm, wenn man schon mal irgendwo ist, wo so ein Gespann für kleines Geld zu mieten ist, dann macht das. Es entspannt, es riecht und man kriegt sicherlich noch die eine oder andere Geschichte und wertvolle Info vom Kutscher auf den Weg. Es stimmt, dass Pferde Äpfel mögen und dass viele Menschen die daraus resultierenden Pferdeäpfel nicht mögen. Und es tut nicht weh, wenn man dem Pferd nach solch einer Ausfahrt zum Abschied noch eine Streicheleinheit auf den Weg mitgibt. Aber bitte kein High-Five auf den Hinterschinken, das führt im besten Fall zum Zucken des Pferdes, im schlimmsten Fall hat man damit aber die Launch-Control aktiviert und kann zuschauen, wie so ein Gespann Amok läuft, das gibt dann auf jeden Fall pferdammten Ärger.
Mit einem Wort "Pferdfekt"
AntwortenLöschenEinfach in bekannter "Entenqualität", hab mich weggeschmissen, danke dafür Markus !