This is a man's world!

Vorwort
Männer sind unterhaltungstechnisch ja kompliziert. Nicht. Wirklich nicht, wir sind ziemlich schnell glücklich, solange die Unterhaltungsform dem Prinzip eines Ü-Ei's entspricht. Also was spannendes, was zum Spielen und Schokolade. Und ab dem Erwachsenenalter ändert sich dabei eigentlich gar nichts, ausser vielleicht, dass man Schokolade mit Bier ersetzt hat. Ergo; als Erwachsener hat man noch mehr Spass am Spiel, wenn man Zugang zu Fusel hat. Dieses Prinzip haben ein paar Macher ziemlich gut verstanden. Und was haben die daraus gemacht? Sie haben eine Messe für Männer gemacht, die Man's World in Zürich. Fast 5000 Quadratmeter Tummelplatz mit wirklich allem, was den feinen Herrn von heute in Verzückung geraten lässt. Also, Whisky, Zigarren, Bier, Fleisch, Motoren, Zockereien, Spielkram, Plunder und genügend Toiletten.
 
Motoren
Motoren stossen in der Männerwelt ja generell auf eine breite Akzeptanz. Und auch wenn auf dieser Messe eigentlich gar keine Autos zu bestaunen waren, fand man doch das eine oder andere Konstrukt, welches eine magnetische Wirkung auf die Besucher entfaltete. Wie z.B. eine Menge Motorräder der kreativen Art.  

 
Dieses ehemalige Pozileimoped war offensichtlich mal eine BMW mit Boxermotor, oder wie ich mir von einer Fachperson sagen liess, eine Moto Guzzi mit Hängetitten. Sympathisch fand ich den Turbolader. Und die Lachgaseinspritzung. Ich fahr zwar selber kein Motorrad, aber trotzdem fand ich diese Maschine sehr spannend, auch weil sie so nach Todesfalle roch.

Auch diese Ducati fand ich lecker, sie war fein umgebaut und sein Erbauer war ein sympathischer Geselle aus dem Süden der Schweiz. Im Gegensatz zu der Moto Guzzi oben war die auch noch strassenzugelassen.


Hier zum Vergleich, zwei etwas straffer gezurrte Moto Guzzis mit dem quer eingebauten V2.



Auch sonst gab es noch das eine oder andere Gefährt zu bestaunen. So z.B. ein ausgewachsenes Boot mit einer sehr interessanten Kajüte. Leider kann ich keine Fotos vom Innenraum der Kajüte hier reinstellen, sonst würde mich mein Provider in die Sparte "nicht jugendfrei" einsortieren und dann müsste jeder hier bestätigen, dass er schon 18 gewesen ist. Aber sagen wir's mal so, die Kajüte war ziemlich Porno.

 
Ich mag ja Boote. Sie haben meistens grosse Motoren drin und saufen unverschämt viel Sprit auf sehr kurzen Wegen und in sehr kurzer Zeit. Und so ein Tag auf einem See hat wirklich etwas, wenn da nur nicht die Preisvorstellungen der Bootshersteller wären. Das treibt mir wirklich die Tränen ins Gesicht...

Essen
Es ist ja auch nichts neues, dass man als Kerl von heute auch gerne mal was nahrhaftes isst. Und es ist hinlänglich bekannt, dass noch nie eine gute Männergeschichte über ein Essen mit einem Salat begonnen hat. Dementsprechend gab's auch auf der Man's World keinen Salat. Dafür aber gab's Fleisch. In rauen und auch rohen Mengen und vor allem, absolut erstklassig zubereitet.

 
Die erste Mahlzeit des Tages bestand aus einer leicht bekömmlichen Mischung aus Spareribs, einem Steaksandwich und einer Kartoffel. Und auch wenn sich dieses unsägliche Ruccolazeugs auf den Teller gemogelt hatte, war dies das wohl beste Frühstück der letzten sechs Monate. Für die kleine Mahlzeit zwischendurch gab's dann noch ein schnuckliges Buffet.

 
Wie man sieht, es hatte eine kleine aber feine Käseauswahl und eine unfassbar leckere Wurst. Viel wichtiger aber noch, es hatte Rindstatar und Chilisaucen. A discretion. Also die fleischgewordene Fleischflatrate und damit der Traum eines jeden Fleischliebhabers. Man konnte sich also jederzeit mal einen kleinen Happen zurechtmachen und dem knurrenden Magen mal was anderes bieten als die sonst bei Messen so üblichen Junkfoodexzesse; gleichzeitig labbrige und staubtrockene Pizza, Würste im Vorstadium zum Rohdiamanten, Hamburger mit viel zu viel Essiggurken und Ketchup statt ausgefeilter Sosse sowie lieblos zubereiteter Kartoffelsalat mit Kartongeschmack. An der Man's World wurde Essen so gefeiert, wie es sich gehört und nicht mit dem Ziel der Schnelligkeit, sondern des langsamen Genusses. Wir fanden das so toll, dass wir den ganzen Tag über so oft dort immer wieder mal was gegessen haben, dass das Servicepersonal bereits Fotos von uns machte.

Durst
Ja, der Mann von heute hat auch mal Durst. Und damit niemand jenen Durst leiden musste, wurde auch hier vom Veranstalter dafür gesorgt, dass keine Blase und keine Leber unterbeschäftigt war. Die üblichen Colas, Wässerchen und Bierchen waren quasi im Grundversorgungsangebot und es war nicht zu übersehen, dass das Angebot von den Besuchern auch rege genutzt wurde. Aber noch besser waren die edlen Brände und Brauereierzeugnisse.

Feinste Whiskys wurden in regelmässigen Abständen für die Besucher kredenzt und ich hab' grad mindestens zwei Sorten von dem Zeug gefunden, welche demnächst meine Hausbar noch mehr überfüllen werden.

 
Und wenn wir schon bei den Lastern sind, welche unsereins so langsam ins Grab bringen, Rauchen. Und damit sind nicht die Zigis gemeint, welche man einfach mal so nebenbei in der Hektik wegatmet. Rauchen als Genuss, mit der Zeit, in Ruhe und in einer angenehmen Umgebung, ich hätte also gerne eine fette Zigarre, bitte!

 
Und als ob so ein Zaunpfosten der Gesundheit gegenüber nicht schon schädlich genug wäre, spült man diesen langsam aber stetig mit einem feinen Singlemalt runter. Diese Form der Entschleunigung hat was und obwohl ich jetzt nicht von heute auf morgen zu einem Zigarrenliebhaber wurde kann ich nachvollziehen, warum man sich von Zeit zu Zeit sowas gönnt. Ich denke, so ein, zweimal im Jahr werd' ich das wiederholen. Von der Regelmässigkeit zu so einem besinnlichen Ritual hält mich immer noch der Geschmack ab, den a) meine Klamotten gestern Abend hatten und b) dass meine Zunge danach etwas taub war. Kann aber auch daran liegen, dass ich kurz zuvor von einem Chili probiert habe, welches den thermischen Wirkungsgrad von frischer Lava hatte. Auf keinen Fall aber lag's am Whisky! Niemals!

Plunder
Ja, es gab auch eine Menge Plunder zu kaufen. Also, Plunder ist per meiner eigenen Definition Zeug, dass kein Schwein zum Überleben braucht, aber den man trotzdem haben will wie die Hölle. Zum Beispiel dieser R2D2, welchen es auch als fahrbare Hausbar gab:


Oder diese schicke Bar, im Stil eines alten Koffers mit Rädern. Ich persönlich würde allerdings noch einen Motor, ein paar Servos und ein Funkmodul dranbauen. Dann wäre das Ding ferngesteuert und wer könnte schon von sich behaupten, dass seine Hausbar mit dreissig Sachen durchs Wohnzimmer knallt. Wenn ich aber so einen Moment darüber nachdenke, sollte ich in so einen ferngesteuerten Koffer vielleicht nicht das teure Zeug reinpacken. Wenn jener Koffer mit Topspeed erst die Katze überfährt und dann in den Couchtisch reinscheppert, das Geräusch wäre kein Schönes. Weder das von der Katze noch das von dem Inhalt des Koffers.


Auch hier, ein Tisch voll mit unnötigem Zeug. Braucht kein Mensch, aber wer's hat, naja, der kann damit wohl immer noch nix anfangen. Aber haben muss man(n)'s!

 

Spielzeug
Selbstverständlich haben die Könige von heute auch mal Laune und wollen bespasst sein. Spielen, Zocken oder daddeln, wie man's nennen mag. Auch hier hat der Veranstalter eine bunte Mischung an kompetenten Ausstellern auf's Parkett geholt.


Dieser Aussteller baut den Traum eines jeden Gamers mit der Vorliebe zum Fahrsimulator. Dieses Konstrukt geht über den normalen Gamerstuhl zu Hause hinaus, hydraulisch angesteuert bis hin zum Schleudertraumasetting, verstellbare Pedalerie, alles aus vollen Stücken Metall gefräst. Dass der Spass nicht ganz billig ist, war mir klar. Allerdings, für den Gegenwert einer solchen Simulatorumgebung fürs Wohnzimmer kriegt man auch fast schon ein richtiges Auto für die Rennstrecke. Mein Gott, hier ist der Interessenskonflikt vorprogrammiert.

 
Für diejenigen, welche auch gerne mal eine sozialere Form des Wettkampfes bevorzugen gab's Tischfussball. Und kleine Tischtennistische an jeder Ecke, genauso wie Arcadeautomaten (echte! Mit Donkey Kong, 1942, PacMan, Mortal Kombat und Space Invaders!) mit unendlich vielen Freispielen, Flipperkasten, ein Casino und sowas wie ein Staubsaugerroulette. Wer hier nix fand, um seinen Spieltrieb zur Ruhe zu bringen, dem wäre wohl nicht mehr zu helfen gewesen. Achja, und man darf nicht vergessen, man durfte seinen Drink, Bierchen oder die Cola überall mit hinnehmen. Kaum ein Besucher, welcher nicht irgendwas Flüssiges in der Hand hielt. Und trotzdem, absolut keine herumgröhlenden Besoffenen, umgeschubste Drinks oder sonstige üblen Exzesse bekannt von der Wiesn, Ballermann und RTL2.


 
Personal
Man muss auch mal dem Standpersonal sowie den Helfern der Man's World ein Lob aussprechen. Wirklich, wir fühlen uns gut umsorgt, fein bedient und entgegen anderer Gewerbemessen auch nicht wirklich belästigt (Darf ich Ihnen etwas zeigen?!! Kennen Sie schon unseren Gurkenhobel 2000???). Man war wirklich offen, bemüht und locker bei der Sache, keine verkrampften und einstudierten Verkaufsfloskeln oder die mittlerweile normale Form der Nötigung, für einen Wettbewerb alle seine persönlichen Daten preiszugeben. Das habe ich übrigens nur an einer Stelle gemacht, aber da konnte man auch einen Kühlschrank gewinnen. Und der wäre dann voll mit Bier. Somit, von meiner Seite her ein kleiner, virtueller Applaus für die Herren und Damen, welche sich vom 2. bis 5. Februar um die Männerwelt gekümmert haben. Danke, ihr wart wirklich tolle Gastgeber.
 
Fazit
Dass da vorhin noch niemand drauf gekommen ist? Man müsste ja davon ausgehen, dass eine Messe wie die Man's World ein alter Hut wäre, die Bedürfnisse von erwachsenen Rotzbengeln gibt's ja nicht erst seit zwei Jahren. Im Gegensatz zu eben jener Man's World, die fand dieses Jahr nämlich wirklich erst zum zweiten Mal statt und ich persönlich finde, dass dies ein Volltreffer in's Herz all jener ist, welche mal mit ihren Kumpels einen Wellnesstag der anderen Art verbringen möchten. Auch wenn der ganze Tag meiner körperlichen Verfassung von heute nicht so zuträglich war, war er jedoch ein Fest der befreiten Sinne. Einmal im Jahr geht das, ich bin also nächstes Jahr wieder da. Btw., auch darum, weil dies keine dieser Männerveranstaltungen war, in welcher man das Defizit an richtigen Männerzeug mit knapp bekleideten Mädels kompensiert.

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